Nochmal das große Thema des famosen “Herrn der Ringe” im Schloss Bellevue (in Anlehnung an Lessings Parabel von den drei Ringen, nicht an die Phantasie von Tolkien): Christentum, Judentum und Islam.
Dr. Bernhard Worms, Präsident der Europäischen Senioren Union, hat die Stimmung bei den Altkonservativen in der CDU/CSU und bei ihren Kollegen in den Nachbarländern gegenüber der Behauptung von Bundespräsident Wulff auf den Punkt gebracht: Deutschland ist geprägt durch das Christentum und seine jüdischen Wurzeln, nicht durch den Islam. Ins gleiche Horn tuten der Bundesvorsitzende der deutschen Sektion Prof. Dr. Otto Wulff (Senioren-Union) und Philipp Mißfelder (Junge Union).
Recht haben sie alle, denn die Prägung Europas durch den Islam ging in der Geschichte bisher nie über den Balkan und die Iberische Halbinsel hinaus. Dank sei Prinz Eugen, dem edlen Ritter, der die Türken bei Wien zurückschlug. Das heißt aber nicht, dass die Millionen Menschen mit islamischem Glauben, die heute bei uns wohnen, nicht das Recht hätten, hier ihre Regligion zu praktizieren und im Rahmen unserer Gesetze an ihren mitgebrachten heimischen Kulturen festzuhalten!
Schritt für Schritt wird das den Islam zu einem Teil unseres Landes machen. Und ist das denn schlimm?
Spanien hat den Mauren, die es vertrieben hat, jedenfalls kulturell unendlich viel zu verdanken, nicht nur die Alhambra in Granada und und den Real Alcazar in Sevilla.
Jetzt aber soll die Befruchtung unterschiedlicher kultureller Strömungen abrupt dadurch abreißen, dass die Mitbürger aus islamisch geprägten Ländern unsere Presseerzeugnisse lesen, wie Philipp Mißfelder es verlangt!? Wer hier Hürreit lesen will, kann das doch tun ohne behelligt zu werden. Die aufgebrachten Konservativen betonen ohne jede Not, dass es für Einwanderer wie Ansässige viel besser ist, wenn wir uns alle auf Deutsch gut verständigen können. Aber wer ist denn da anderer Meinung?
Bundespräsident Wulff wird von der Presse viel gelobt, weil er in der Türkei – Wurst, wider Wurst – erklärt hat, das Christentum gehöre auch zur Türkei. Das ist aber genau so falsch. Vor mehr als 1000 Jahren hatte das Christenum die Türkei geprägt und wurde dann dort verjagt. Zur heutigen Türkei gehört es eindeutig nicht (mehr).
Es sieht auch gar nicht so aus, als ob sich der christliche Glaube dort jemals wieder stärker ausbreiten könnte. Denn der Trend geht nicht dahin, dass die christlichen Kirchen ihre Machtbasis überhaupt noch einmal ausdehnen könnten. Die Kirchenaustritte zeigen deutlich, wohin der Weg geht. Wulff als Präsident aller Deutschen darf natürlich zur Toleranz und zum gegenseitigen Respekt aufrufen. Aber eine Aufgabe in der christlichen Mission hat er nicht, weder innen noch außen.
Solche Missverständnisse und Fehleinschätzungen sind einfach unvermeidlich, wenn sich eine Partei in einer eindeutig säkular verfassten Republik christlich nennt. Na klar ist das gerade bei der CDU/CSU ein Etikettenschwindel. Nächstenliebe ist für sie ein Fremdwort und Humansimus ein rotes Tuch. Aber wegen des christlichen Namens geben sich ihre Anhänger wenigstens verbal immer wieder mal christlich aus.
In Deutschland bzw. weiten Teilen des aufgeklärten Europas können wir uns noch glücklich schätzen, dass sich selbst die, die sich fälschlich als in in der Nachfolge Christi befindlich erklären, nicht ständig für die Unterstützung Gottes für unser Land und für unsere traurige Politik bedanken, wie das in “God’s Own Country” ohne Ausnahme alle Politiker tun müssen, wenn sie Wahlen gewinnen wollen. Wir wissen gar nicht, wie gut wir es hier haben!
Guter Denkansatz.
Vergleich der geschichtlich-kulturellen Wurzeln:
A: “Schritt für Schritt wird das den Islam zu einem Teil unseres Landes machen. Und ist das denn schlimm? Spanien hat den Mauren, die es vertrieben hat, jedenfalls kulturell unendlich viel zu verdanken, nicht nur die Alhambra in Granada und und den Real Alcazar in Sevilla.”
B: “Bundespräsident Wulff wird von der Presse viel gelobt, weil er in der Türkei … erklärt hat, das Christentum gehöre auch zur Türkei. Das ist aber genau so falsch. Vor mehr als 1000 Jahren hatte das Christentum die Türkei geprägt und wurde dann dort verjagt. Zur heutigen Türkei gehört es eindeutig nicht (mehr).”
Oder geht es eher um den Umgang mir den Wurzeln…?