Die verschwundene Stunde

Die Sommerzeit ist vorbei, die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Es war im Jahre 1784, als Benjamin Franklin im “Journal de Paris” penibel den Kerzenverbrauch ausrechnete. Was dabei herauskam, gefiel ihm wohl nicht, denn er war der Meinung, dass sich doch eine Menge Geld sparen ließe, wenn statt des teuren Kerzenlichts

ewrm.jpgDie Sommerzeit ist vorbei, die Uhren eine Stunde zurückgestellt.

Es war im Jahre 1784, als Benjamin Franklin im “Journal de Paris” penibel den Kerzenverbrauch ausrechnete. Was dabei herauskam, gefiel ihm wohl nicht, denn er war der Meinung, dass sich doch eine Menge Geld sparen ließe, wenn statt des teuren Kerzenlichts das natürliche und kostenlose Sonnenlicht länger genutzt werden könnte.

Dieser Grundgedanke steckte wohl auch hinter der Entscheidung, aus eigentlich 24 Stunden-Tagen einmal im Jahr einen Tag mit 23, ein halbes Jahr später im Gegenzug einen mit 25 Stunden zu machen.

In der vergangenen Nacht war es also wieder mal soweit: Alle funkgesteuerten Uhren wurden um 03:00 Uhr automatisch um eine Stunde zurückgestellt, also auf null zwei null null Uhr. Das heißt: Die Sommerzeit ist endgültig vorbei – man merkt es ja auch beim Blick nach draußen. Gleichzeitig haben wir mit der Winterzeit aber auch wieder die Normalzeit. Ich gehe davon aus, dass Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, Ihre analogen Uhren schon manuell umgestellt haben. Aber keine Bange, die nächste Sommerzeit ist schon im Anmarsch, am siebenundzwanzigsten Tag im dritten Monat des Jahres zweitausendelf ist es wieder soweit.

Woher die Technische Bundesanstalt, die ihren Sitz in Braunschweig hat, allerdings weiß, wo meine Funkuhren liegen und mein PC steht und so deren Zeit umstellen kann, ist mir schleierhaft – angemeldet habe ich die dort nicht, aber geklappt hat es trotzdem.

Angeblich sollen ja viele Menschen Probleme mit der zweimal im Jahr stattfindenden Zeitumstellung haben. Ich weiß nicht, wo deren Probleme liegen, ich hatte damit bisher noch keine. Vor der Nacht, in der die Zeit umgestellt wurde, bin ich wie immer ins Bett gegangen und am nächsten Morgen erfreulicherweise auch wieder aufgewacht und ich habe diesen Tag und die darauffolgenden Tage immer ohne Schwierigkeiten hinter mich gebracht.

Aber es scheint tatsächlich Menschen zu geben, deren Biorhythmus dadurch beeinflusst wird und die deshalb mit Müdigkeit und Schlafstörungen zu kämpfen haben – ich kenne allerdinges niemanden, die/der in dieser Hinsicht Probleme hat. Und wenn man nicht ausgerechnet an den Sonntagen, ab denen die jeweils neue Zeit gilt, arbeiten muss oder sich aus sonstigen Gründen vom Wecker wach machen lässt, dürfte man doch eigentlich auch nichts von der neuen Zeitrechnung bemerken. Gut, bei der Umstellung auf die Winterzeit fehlt eine Stunde Schlaf, dass mag für diejenigen, die dann notgedrungen aufstehen müssen, schon ein kurzfristiges Problem sein. Wie das bei Kindern aussieht, weiß ich allerdings nicht, dazu fehlt mir die Erfahrung.

Die mitteleuropäische Sommerzeit hat übrigens in diesem Jahr auch Geburtstag – sie wird 30. Der Grund, warum sie seinerzeit eingeführt würde, ist bis heute allerdings nie erreicht worden. Der Schock der Ölkrise von 1973 steckte damals wohl noch vielen in den Knochen und man beabsichtigte, Energie zu sparen, indem das Tageslicht besser ausgenutzt würde. Bis heute konnte meines Wissens dadurch allerdings noch keine signifikante Energieersparnis festgestellt werden, deshalb könnte man diese alljährlichen Zeitumstellungen doch auch wieder abschaffen. Denn der Mensch koppelt dadurch nicht nur sich, sondern auch die Haustiere, die er hält (dazu zähle ich jetzt auch das sogenannte Nutzvieh), vom Licht-Dunkelwechsel der Natur ab. Denn gerade bei Milchkühen habe ich schon gehört, dass die tatsächlich Probleme mit der Zeitumstellung haben, weil deren Biorhythmus wohl durcheinander gerät.

In verschiedenen Umfragen, die ich gehört und gelesen habe, wurde deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung keinen Wert auf die Sommerzeit legt – nicht nur bei uns nicht, sondern das gilt scheinbar europaweit.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass eine eventuelle Abschaffung der Zeitumstellung einen immensen Bürokratieaufwand, besonders bei der EU, zur Folge hätte, deshalb sollte man es vielleicht doch besser bei der jetzigen Regelung belassen, auch wenn sie überflüssig ist.

übrigens, der russischen Regierung reicht es in diesem Jahr nicht, einfach nur die Zeit umzustellen, die legen noch einen drauf. Dort gibt es nämlich seit heute nicht mehr elf, sondern nur noch neun Zeitzonen. Und die Isländer machen bei der Zeitumstellung erst gar nicht mit – und mir ist sie im Grunde egal.

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