(1) Egoanoias
Egoanoias werden umgangsprachlich Egozicken (derb ausgedrückt Egotrampel) genannt und sind übermaßegozentrisch. Und was bei einem egozentrischen Kind durch dessen Hilflosigkeit und dem kindlichen Liebreiz überdeckt wird, wirkt bei diesen Ex-Teens egoistisch, rechthaberisch und besserwisserisch. Begleitet wird dieses Verhalten bei Egoanoias außerdem von misstrauischer Wachsamkeit und zwanghaften, paranoiden Zügen, inklusive Hygienewahn und Reinlichkeitsfanatismus. Eine Egoanioa ist eine Persönlichkeit, von der immer und überall zu hören ist: „Das mag ich nicht“, „Ich will das nicht“, „entsetzlich“, „Ich bin enttäuscht“, „das halte Ich nicht aus“ – flankiert mit Augenflackern, hektischem Schnattern, Schnauben, Zischen und am Boden stampfen. Ich, Ich und Ich. Ein „wir werden das gemeinsam machen“ ist unbekannt. Probleme werden gemacht, statt gelöst.
Dieses Gemisch aus egozentrischen Verhaltensweisen ist extrem beziehungsfeindlich: Zwischenzeitliche Partner flüchten oder leiden und werden gedemütigt. Wenn etwas nicht ganz nach Plan läuft, werden sie hinausgeworfen, für Stunden oder für Tage. Freunde werden sich nicht finden und Bekannte sind irritiert. Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten sind vorprogrammiert.
(2) Untermaßwiffzacks
Die Akrobatik der Grundrechnungsarten ist keine Disziplin für Untermaßwiffzacks. In der Regel hat er (sie) keine Ahnung, ob es sich um Zehn, Millionen oder Milliarden handelt. Das ist alles nicht so wesentlich. Wichtig ist, dass der Zwergpinscher von Lady Gacka (?) violette Knieschützer mit hellgrünen Flecken © hat – übrigens die Modefarben für die nächste Saison.
(3) Gscheiterln
Ein Gscheiterl unterscheidet sich von einem Untermaßwiffzack dadurch, dass ihm (ihr) das nicht bewusst ist. Sie denken immer recht zu haben und lassen ihre Meinung niemals und von niemanden anpatzen. Vorzugsweise pflegen sie ihre Gehörgangverstopfung. Man kann dies leicht daran erkennen, dass Argumente wie „1 + 1 = 2“ vollkommen unbeachtet bleiben.
(4) Eigenlober
Eigenlober sind immer die Besten, Tüchtigsten, Schnellsten, Billigsten, Aufmerksamsten, Freundlichsten und so weiter und so weiter. Ein großartiges Betätigungsfeld für das Ausleben dieser Charakterstärke findet sich in der Werbebranche. Darüber hinaus ist auch äußerst interessant zu beobachten, wenn ein Eigenlober auf einen anderen trifft. Das garantiert einen hohen Unterhaltungswert, beispielsweise bei Rede- und Gegenrededuellen politischer Kontrahenten.
(5) Windbeutel, Marktschreier
Windbeutel und Marktschreier kämpfen um die Gunst ihrer Opfer. Kostfastnix tönt das Geplärre aus allen Ecken und besonders Innovative umgarnen ihre Besucher mit gezielter Beduftung am Point of Sale. Es ist ein Angriff auf den ursprünglichsten aller menschlichen Sinne. Als unverzichtbarer Bestandteil einer modernen Marketingstrategie schafft ein passender Raumduft Wettbewerbsvorteile. Duftmarketing ist bereits ein fester Bestandteil des Marketing-Mix. Alles für den Umsatz. Und sie finden ihre Kundschaft. In vielen Bereichen funktioniert der Umsatz, weil das Klumpert das keiner braucht, in den Markt hinein gedroschen wird: Late Night Shoppen mit bis zu minus achtzig Prozent, mit Zweitakt-Bum-Bum-Musik, Disco-Bodennebelkanonen und Hunderte im Unrhythmus der Beschallung blinkende Colourlightspots.
(6) Lärmer
Das charakteristische Merkmal des Lärmers ist sein Blabla – Geschnatter. Diese Absonderungsgeräusche bewirken bei durchschnittlich intelligenten Gehörgängen Lach(Wein) – Krämpfe, dass sich der Hammer über den Amboss krümmt. Die Schallwellen der Lärmer haben in der Regel nichts mit dem Thema zu tun und liefern auch keinerlei Beitrag für eventuell diskutierte Fragestellungen. Auch hält sich der Unterhaltungswert in engsten Grenzen, ausgenommen der o. a. Lach- bzw. Weinkrämpfe.
(7) Hallodris
Hallodris lieben den leichtfüßigen, lockeren und unberechenbaren Umgang mit Geld – vorwiegend fremden. Der Volksmund bezeichnet sie manchmal als windige Hunde. Diese oft als Lebenskünstler getarnten Narren lassen sich mit unzeitgemäßen Gedanken, dass etwa Schulden zurückgezahlt werden müssen, den Tag nicht vermiesen.
(8) Spekulantusse
Der Spekulantus ist der Bruder des Hallodri. Er liebt das kurzfristige Hin- und Herschaufeln von beispielsweise Währungen, Derivaten und verkauft auch gerne Wertpapiere, welche er nicht besitzt. Etwas gemäßigtere Arten findet man auch in Ausbildungsstätten für Spekulanten, wie Wettbüros oder Kasinos.
(9) Edelschlitzohren
Edelschlitzohren denken immer an ihren Vorteil und sagen nie mehr, als ihrem Vorteil zuträglich ist. Für sie ergeben sich oft gute Gelegenheiten, wenn sich andere irren – oder, wenn er (sie) wegschaut oder abgelenkt wird. Wenn eine(r) stolpert oder auf dem falschen Fuß steht, sieht er (sie) gute Chancen, ihn (sie) fertigzumachen. Er (sie) schlägt auch gerne zu, wenn er (sie) für seine Schlauheit zu dumm ist. Sie fühlen sich tüchtig, wenn sie andere über den Tisch ziehen, und üben sich stetig in der Kunst des Täuschens. Karriereschlitzohren buckeln gerne nach oben und treten vorzugsweise nach unten. Sie sind immer wachsam. Ihr Motto lautet „Du bist immer im Recht, solange man dich nicht erwischt“. Edelschlitzohren unterscheiden sich von gewöhnlichen Schlitzohren durch besonders gepflegte Statussymbole.
(10) Rosinenpicker
Rosinenpicker trinken Wein und überlassen anderen das Wasser. Sie lassen keine Gelegenheit aus um sich vorzudrängen und um bei den besten Gelegenheiten dabei zu sein. Nur im Zweifel nehmen sie alles (den Mist können sie immer noch irgendwo fallen lassen).
(11) Niemalsgenugkrieger
Der Niemalsgenugkrieger ist der quantitative Gegenpol zum Rosinenpicker. Er ist nicht so wählerisch, er nimmt immer alles. Wichtig ist, dass es dabei keine Grenzen gibt und das es vor allem nicht andere kriegen.
(12) Wohlstandjammerer
Der Wohlstandjammerer klagt gerne. Er nagt am Hungertuch und liegt am Boden, weil sein Auto um 10 PS weniger hat, als das des Nachbarn. Es schmerzt ungemein, wenn sein Plasma-TV-Gerät bloß 52 Zoll hat, wenn es schon 54 Zoll-Geräte gibt und er sich dieses erst in 3 Monaten leisten kann.
(13) Neider
Auch der Neider orientiert sich am Nachbarn (aber auch am Kollegen im Büro). Er fühlt sich als Stiefkind des Glücks und kann nicht einsehen, warum der und nicht er, obwohl er es eigentlich viel eher verdient hätte. Er lässt in der Regel keine Gelegenheit aus, um diese Unrechtsbehandlung allen, vorwiegend Unbeteiligten, kundzutun.
(14) Doppelmoraler
Doppelmoraler richten sich ihre Wahrheiten und messen mit zweierlei Maß. Ohne Skrupel tun sie Dinge, wofür sie andere an den Pranger stellen. Sie predigen Werte und verkaufen ihre Großmutter dem Teufel, wenn nur die Kassa stimmt.
(15) Exkrementalisten
Exkrementalisten sind besondere Kreaturen, bei denen Ausscheidungen barbarischer Parasiten, die – ursprünglich von der Evolution vorgesehene – Gehirnmasse verdrängt hat. Man kann sie kaum verwechseln, sie sind unüberseh-, -hör- und -spürbar. Oft kombinieren sie o. a. Charaktermerkmale zu einem unverwechselbaren explosiven Gebräu. Vor ihnen muss gewarnt werden. Im Unterschied zu den meisten der anderen Charakterstärken sind ihre Stärken für Betroffene sehr gefährlich, oft lebensgefährlich.
(16) Wertler
Gott sei Dank gibt es die Wertler und hoffentlich werden sie mehr. Der Menschheit würde es nicht schaden. Wertler bemühen sich mehr zu geben als zu nehmen. Auch wenn es nicht immer gelingt, kennen sie ihre Grenzen und suchen das richtige Maß zu finden. Sie krümmen ihre Rücken und fordern ihre Gehirnzellen, sind neugierig und initiativ und in der Regel fair und gerecht.
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