Gut so, denn diese Pflicht brauchen wir schon lange nicht mehr.
Der Vorschlag des Bundesverteidigungsministers, die mittlerweile überholte Wehrpflicht auszusetzen, wurde gestern erfreulicherweise auf dem Bundesparteitag der CDU abgesegnet. Wenn alles klappt, läuft sie Mitte nächsten Jahres aus. Zum konsequenten Schritt, die Wehrpflicht auch aus dem Grundgesetz zu streichen, konnte man sich leider nicht durchringen, aber das wird hoffentlich noch kommen. Aber hier will man sich wohl ein Hintertürchen offenhalten, um sie bei Bedarf mit einem Gesetz wieder einführen zu können. Aber ein Schritt nach dem anderen ist ja auch nicht verkehrt.
Nun hoffe ich, dass auch der Bundestag zustimmt, denn meines Wissens sind sowohl die FDP als auch die Grünen und die SPD schon lange dafür, die antiquierte Wehrpflicht abzuschaffen. Diese Pflicht war in letzter Zeit ohnehin nur noch ein Hohn und ungerecht für diejenigen, die es dann doch erwischt hat. Schon länger wird nur noch ein kleiner Teil der eigentlich Wehrpflichtigen einberufen; das war für die, die dann einrücken mussten, mehr als ungerecht.
Es bleibt nicht aus, dass damit auch der Zivildient nur noch Geschichte sein wird.
Darüber werden sich viele Organisationen, die ihre Arbeit auf Zivildienstleistende aufgebaut haben, sicher nicht freuen. Da diese scheinbar bisher dringend benötigt wurden, könnte man sich ja überlegen, hierfür Vollzeitarbeitskräfte einzustellen. Das geht nämlich, wenn man es nur will. Die vorgeschobenen Gründe, aus Kostengesichtspunkten könne dann die notwendige Arbeit nicht mehr geleistet werden, sind tatsächlich nur das: vorgeschoben.
Das Ende der Bundeswehr war meiner Meinung nach schon lange überfällig, denn die Zeiten des Kalten Krieges sind vorbei und wir sind von Freunden umzingelt. Mir fällt auch kein Land ein, das Ambitionen haben sollte, uns zu überfallen und es wird auch keine deutsche Regierung jemals wieder Lust verspüren, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen.
Aufgrund der Weltlage ist eine neue Struktur der Bundeswehr unumgänglich, deshalb müssen neue Strategien entwickelt werden.
Von den Kosten, die die Bundeswehr verursacht, mal ganz zu schweigen. Die Abschaffung der Wehrpflicht heißt ja nun nicht, dass es in Zukunft keine deutschen Soldaten mehr gibt, schließlich „muss ja unsere Freiheit am Hindukusch“ verteidigt werden (nicht meine Meinung). Als Alternative zur Wehrpflicht bieten sich da eine Freiwilligen-Armee oder eine reine Berufsarmee an, die ich bevorzugen würde.
Dann müsste es auch gelingen, eine hochmobile und ebenso hochtrainierte, gut ausgerüstete Bundeswehr aufstellen zu können, die, wenn sie denn schon in Auslandseinsätzen – die meiner Meinung nach überflüssig und sinnlos sind – eingesetzt wird, auch wirklich effektiv und unter größtmöglichen Sicherheitsaspekten und besten Bedingungen arbeiten kann. Dazu gehören unter anderem eine gute Logistik, gepanzerte Fahrzeuge, umfassende Luftaufklärung, mobile und gut ausgestattete Feldlazarette und noch vieles mehr. Das Wichtigste ist eine sehr gute Ausbildung. Das alles kostet sehr viel Geld, dieses sollte aber zur Sicherheit der eigenen Leute investiert werden. Denn Kanonenfutter, wie es früher üblich war, sollten deutsche Soldaten heutzutage nicht mehr sein. Ich hoffe allerdings, dass irgendwann mal von den Auslandseinsätzen abgesehen wird.
Und selbst, wenn Deutschland einmal von einem anderen Land angegriffen werden sollte und sich dann verteidigen muss, ist eine Bundeswehr, die wie bisher zum größten Teil aus Wehrpflichtigen besteht, die gerade einmal eine sechsmonatige Grundausbildung hinter sich haben, wohl nicht sehr schlagkräftig. Die Ansicht, die ich mir bei einer meiner Musterungen anhören musste („Im Ernstfall halten Sie einfach drauf, irgendeinen treffen Sie immer“) gilt ja heute hoffentlich nicht mehr. Der Verteidigungsminister hat jetzt die Möglichkeit, zusammen mit den für die Zukunft geplanten 1650000 Soldaten eine zwar kleine, aber schlagkräftige Truppe zu formen und eine Berufsbundeswehr aufzustellen.
Durch die Abschaffung der Wehrpflicht ist es ja nun auch nicht so, dass Deutschland da allein auf weiter Flur steht. In Europa gibt es kaum noch Länder, die eine Wehrpflicht haben, hier wurde schon auf eine Berufsarmee umgestellt. Nach meinen Recherchen gibt es in 23 von 28 NATO-Staaten und in 21 von 27 EU-Staaten nur noch Berufssoldaten und in Dänemark werden nur noch Freiwillige eingezogen. Diesen Beispielen sollten wir folgen, damit es endlich heißt: Wehrpflichtige, abtreten!
Photo: Last Hero, via flickr
Die Überschrift ist falsch!
Die Wehrpflicht für Männer wird nicht abgeschafft!
Die Wehrpflicht wird ausgesetzt, eine der typischen Mogelpackungen von Frau Merkel.