Am 10. November vor fünfzehn Jahren wurde Ken Saro-Wiwa, ein prominenter Aktivist und bekennender Kritiker der Ölindustrie in Nigeria, zusammen mit acht seiner Kollegen hingerichtet. Saro-Wiwa war in der ganzen Welt für seinen gewaltfreien Aktivismus im Namen des Niger Deltas, einer von der Ölindustrie zerstörten Region, bekannt. Er war ein Held für viele Nigerianer, und seine Hinrichtung brachte die internationale Gemeinschaft gegen das bekannterweise autoritäre Regime von Sani Abacha und die Praktiken der Royal Dutch Shell auf.
Saro-Wiwa und seine Mitstreiter, genannt die „Ogoni Neun“, wurden mit dem Mord an vier Stammesältesten beschuldigt; diese waren Mitglieder einer rivalisierenden Splittergruppe in der Organisation, die sich für ihre Heimatregion, das Ogoni-Land, einsetzte. Der Fall von Saro-Wiwa und den acht anderen Anführern der Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes wurde vor einem von dem Abacha-Regime extra einberufenen Militärtribunal verhandelt. Dieses Tribunal wurde als so korrupt wahrgenommen, dass beinahe alle Anwälte der Verteidigung aus Protest ihr Mandat niederlegten (Zeugen der Verhandlung gaben später zu, dass sie bestochen wurden, um Falschaussagen zu machen). Trotz allem wurden die Neun zum Tode verurteilt; und trotz des internationalen Aufschreis wurden sie kurz nach der Verurteilung erhängt.
Sokari von Blacklooks hat an den Tag an dem Saro-Wiwa hingerichtet wurde so in Erinnerung:
Ich erinnere mich noch an den Tag, einen Freitag. In der Woche unmittelbar vor der Hinrichtung strengten sich Staatsoberhäupter, Religionsführer, Menschenrechtsorganisationen und Einzelpersonen sehr an, um durch Bittstellungen an General Abacha zu versuchen, die Hinrichtung noch zu verhindern. Bis zu allerletzt überzeugten wir uns alle selber davon, dass sie nicht stattfinden würde. Ich erinnere mich noch genau daran, am Samstagmorgen im Bett zu liegen und an die Decke zu starren, als das Telefon läutet. Es war der Anruf eines Verwandten aus Port Harcourt, der mir erzählte, was ich was ich bereits wusste, was sich aber jetzt bestätigt hatte. Neun Mitglieder der MOSOP, Ken Saro-Wiwa, Barinem Kiobel, Fexlix Nuate, John Kpuinen, Daniel Gbokoo, Baribor Bera, Nordu Eawo, Saturday Doobe, Paul Levura, waren hingerichtet worden.
Myrne Whitman schreibt über den Einfluss, den Saro-Wiwa auf sie hatte:
[Sara-Wiwas Schriften] nahmen Bezug auf den Missbrauch, den er um sich herum sah, wie die Ölunternehmen sich die Kostbarkeiten aus dem Boden des Ogoni-Landes nahmen und ihn im Gegenzug verseucht und unbrauchbar zurückließen. Sie wurden Teil meiner Weltanschauung und wie die Welt funktionierte, und warum ich meine eigene Geschichte, wie auch möglich, erzählen musste.
In dem Blog NigeriansTalk erinnert Temie Giwa so an Saro-Wiwa:
Ken Saro Wiwa ist mein Held seit ich mich erinnern kann…. Ich habe Ehrfurcht vor seiner Leidenschaft und seinem Einsatz für sein Volk. Sein Mut im Kampf, obwohl er seinen Tod zwei Jahre zuvor voraussagte, zwingt mich ein Leben des Einsatzes zu leben und keine Angst zu haben. Seine Hingabe zur Literatur, die anspruchsvolle Welt der Satire, und seine Leidenschaft für Geschäfte, dies sind alles Konzepte die ich nachzuahmen hoffe.
Er war ein Mann, der für seine Prinzipien eintrat. Er hasste den Krieg, aber er führte ihn gegen jene, die sein Volk ausbeuteten. Er war ein friedlicher Mann, der für ein schlimmes Verbrechen, das er nicht beging, starb. Er war ein Produkt all des besten des nigerianischen Wesens, und deshalb habe ich Hoffnung für unser Land.
In Folge der Hinrichtung vom 10. November verklagten die Familien der Ogoni Neun Shell, das Ölunternehmen das hauptsächlich in der Region operiert. Sie beschuldigten den Multi Verbrechen gegen die Menschheit begangen zu haben, sie warfen Shell Mittäterschaft an Folter, Schießereien, illegalen Verhaftungen und andere Missbräuchen, die von dem Abacha-Regime verübt wurden, vor. Im Juni 2009, vierzehn Jahre nach der Hinrichtung, wurde der Prozess gegen 15,5 Millionen $ beigelegt, Shell stritt die Verantwortung für die neun Toten ab. Nach dem Verfahren berichtete der Guardian über geheime Dokumente, die Shells Medienstrategie aus der Zeit der Hinrichtungen enthüllten: in einer Reihe von internen Mitteilungen entwirft das Unternehmen einen Plan um „Koalitionen zu schaffen, die Opposition zu isolieren und die Debatte zu verlagern“, und um „moderate“ Aktivisten für Shells Vorstellungen zu gewinnen, und um sich mit der Presse gut zu stellen.
Bei einem Besuch auf der Remember Saro-Wiwa-Website kann man Audiomaterial zur aktuellen Situation im Niger-Delta anhören, oder man kann sich auf der MOSOP-Website über den neuesten Stand der Dinge informieren.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Katharina Kuehn, Teil des “Project Lingua”. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.
…von der Ölindustrie zerstörten Region.
Bei allem Verständnis für die Menschen in Nigeria, wir sollten schon bei der Wahrheit bleiben.
Nicht die Ölindustrie hat die Region zerstört sondern die Politik! Das ist ein Riesenunterschied. Wenn zum Beispiel die Pipelines von Einheimischen angebohrt werden und er Boden kontamiert wird, ist das zunächst nichr das Verschulden der Ölindustrie.
Diese Allgemeinplätze helfen ja nicht weiter. Das eigentliche Problem in Afrika liegt in der mit der westlichen Kultur nicht vergleichbaren ja kompatiblen Mentalität der
Afrikaner.
Die brutale Zertstörung von ethnischen und familiären Banden durch die Kolonialmächte England, Frankreich, die NIEDERLANDE, Belgien, lassen diese Länder einfach nicht zdur Ruhe kommen.
Afrika, müsste grundsätzlich neu geordnet werden, Grenzen neu gezogen, die Afrikanische. Kultur und Geschichte von den westlichen Staaten wieder gefördert werden.
Haben die ehemaligen und neuen Welteroberer aus den Fehlern der Geschichte gelernt?
Eigentlich nichts.
Trotzdem meine Empfehlung nach den Ursachen zu suchen und sich nicht an Symptomen aufzuhalten.