Putin: Neue Osterweiterung der EU bis Wladiwostok?

Wladimir Putin hat eine Vision. Im Zuge der derzeitigen Weltwirtschaftskrise sieht er für Russland eine Zukunft in einer Freihandelszone mit der EU. Ungebremster Austausch von Waren und keine Zölle mehr – so stellt sich Wladimir Putin den Handel Russlands mit der Europäischen Union in Zukunft vor. Diese Vision hat Charme.

pute.jpgWladimir Putin hat eine Vision. Im Zuge der derzeitigen Weltwirtschaftskrise sieht er für Russland eine Zukunft in einer Freihandelszone mit der EU. Ungebremster Austausch von Waren und keine Zölle mehr – so stellt sich Wladimir Putin den Handel Russlands mit der Europäischen Union in Zukunft vor. Diese Vision hat Charme. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist es Russland bisher nicht gelungen, durch innere Reformen das Riesenreich wieder auf eigene stabile wirtschaftliche Beine zu stellen. Nachdem Putin bereits eine Kooperation mit der Nato beim  Raketenabwehrschirm in Aussicht gestellt hat, könnte die Errichtung einer gemeinsamen Freihandelszone der EU neue attraktive Zukunftsperspektiven eröffnen.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Reisenreichs mit Hilfe des Know hows der EU und des Wirtschaftspotentials – die EU-Mitgliedsländer sind derzeit immer noch der größte Wirtschaftsraum noch vor den USA und China – würde, wenn es zu einer echten Partnerschaft kommt, – auch die Rohstoffabhängigkeit Europas von anderen Regionen der Weltwirtschaft und die damit verbundenen Gefahren nachhaltig reduzieren. Mithin sollte diese Option sehr sorgfältig geprüft werden.

Von Lissabon bis Wladiwostok

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es bereits im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands die Vision in Russland einer deutsch-russischen Partnerschaft. Jetzt zwanzig Jahre danach und dem Abbau der ideologischen Spannungen könnte ein erneuter Anlauf chancenreicher sein als zuvor. Russland hat erkannt, dass ein Weg zurück zum alten Sowjetimperium nicht möglich ist. Man hat auch erkannt, dass eine Modernisierung Russlands ohne äußere Partner, die über die komplementären Fähigkeiten und Ressourcen wie Wissen und know-how für die Institutionengestaltung zur Etablierung einer funktionstüchtigen Marktwirtschaft verfügen, aus eigener Kraft bisher mit der Modernisierung gescheitert ist. Das System der Oligarchen hat nicht den erhofften Effekt herbeigeführt.

Wenn also Russland zu einer nachhaltigen Modernisierung seiner Wirtschaft und Gesellschaft gelangen möchte, dann bedarf es – Peter der Große hatte es bereits erkannt – einer Öffnung nach Westen. Nur durch eine auf Vertrauen basierende langfristige Zusammenarbeit ist eine Transformation des russischen Systems erreichbar. Da die USA als Partner im Zuge der Krise des angelsächsischen Kapitalismus deutlich an Attraktivität eingebüßt haben und China im Südosten immer bedrohlicher Russlands Rolle in Asien in Frage stellt, kann Russland nicht in der bisher gewählten Selbstisolation verharren. Europa unter der Führung der EU ist dabei der am wenigsten bedrohliche Partner. Während die USA und China imperiale Ansprüche geltend machen, ist Europa weniger imperialistisch ausgerichtet. Nach dem Zusammenbruch des britischen Weltreichs, der Entkolonialisierung der übrigen europäischen Kolonialmächte und der gemeinsamen historischen Erfahrungen einer strategischen Überdehnung, an der Russland im Zuge der Sowjetunion zugrunde gegangen ist, können beide Seiten vielleicht besser als andere miteinander kooperieren. Hinzu kommt das gemeinsame kulturelle Erbe. Man darf also gespannt sein, wie die EU auf diesen Vorstoß reagiert.

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