Zwischen dem US-Dollar und dem Euro besteht eine Rivalität, welche der beiden Währungen als globale Leitwährung fungieren soll. Derzeit ist der US-Dollar die weltweit dominierende Weltreservewährung. Jedoch seit Einführung des Euro hat dieser relativ stetig an Bedeutung im Verhältnis zum US-Dollar gewonnen. Mit knapp 62% liegt der Dollar gegenüber dem Euro mit rund 28% an den Weltwährungsreserven im Jahr 2009 deutlich in Front, aber wie gesagt der Vorsprung schmilzt dahin. Daher befürchten nicht ganz zu unrecht die USA ihre Führungsrolle auf mittlere Sicht zu verlieren. Alan Greenspan hat dies zuletzt im Jahr 2007 öffentlich ausgesprochen. Martin Feldstein hat dies bereits frühzeitig in einem Artikel in Foreign Affairs vor Einführung des Euro ausgesprochen: Die Einführung des Euro bedeute Krieg. Über kurz oder lang würde es – so Feldsteins Befürchtung – zum Währungskrieg zwischen den USA und Europa kommen. Jetzt ist es soweit.
Das außerordentliche Privileg des US-Dollar als Leitwährung
Valery Giscard D’Estaing hat mit dem Hinweis auf das außerordentliche Privileg der USA bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass die USA mit ihrer Vorrangstellung missbräuchlich umgehen. Weil weltweit der größte Teil der Handels- und Finanzgeschäfte in US-Dollar abgewickelt werden, kann eine inflationäre Geldschöpfung durch die US-Notenbank über einen globalen Inflationierungsprozess in andere Länder überwälzt werden. Die US-Dollar, welche die US-Notenbank emittiert, führen zu einer massiven Geldschöpfung, die bei offenen Kapitalmärkten in andere Länder übertragen werden kann.
Carry Trade als Vermittler
In einem System flexibler Wechselkurse und freien Kapitalmärkten wird die von der Fed geschaffene Liquidität ohne Hindernisse in die übrige Welt transferiert. Schlüssel zur gegenwärtigen Finanzkrise in den Euroländern ist der Carry Trade. Da man zu nahezu Nullzinsen in den USA seitens der US-Notenbank insbesondere jetzt erneut im Zuge des QE 2.0 Geld leihen kann, kann dieses auch zu spekulativen Attacken auf andere Länder missbraucht werden. Zugang zu diesen Liquiditätsquellen haben insbesondere die großen Wallstreetbanken. Über diese refinanzieren sich auch große spekulative Hedgefonds. Teilweise sind diese sogar direkte Zweckgesellschaften der ersteren.
Optionsgeschäfte und ungedeckte Leerverkäufe als Waffen
Durch Optionsgeschäfte, umgangssprachlich auch Wetten genannt, kann man mit großen Hebeleffekten auf die Kursentwicklung beispielsweise von Staatsanleihen einzelner EU-Mitgliedsstaaten spekulieren, da damit die zukünftigen Preise solcher Staatsanleihen nach unten gedrückt werden können. Sinkende zukünftige Preise für Staatschuldpapiere führen aber zu erwarteten steigenden Zinserträgen in etwa im reziproken Verhältnis. Wenn aber steigende Zinsen für derartige Wertpapiere erwartet werden, passen sich die aktuellen Zinskosten diesen Zukunftserwartungen nach einiger Zeit an. Die hierdurch erzeugten Zinsspreads verteuern also bereits heute die Refinanzierung von Staatsschuldverschreibungen, die aufgrund begrenzter Laufzeiten der Papiere am Kapitalmarkt regelmäßig refinanziert werden müssen. Über den Refinanzierungsbedarf einzelner Länder liegen offizielle Statistiken vor. Ebenso über die Höhe des Schuldenstands. Mithin wird die Lage in ausreichendem Umfang berechenbar. Wenn man sich also koordiniert seitens der internationalen US-Großbanken und Hedgefonds auf ein EU-Mitgliedsland einschießt, dann wird man zum Market Maker für die Zinskosten für Staatsanleihen des jeweiligen Landes. Durch den Einfluss auf die Finanznachrichten durch Analystenreport, Rating-Agenturen etc. wird dieser Prozess der Erzeugung einer Panikstimmung über einen drohenden Staatsbankrott verstärkt. Zum Schluss können noch ungedeckte Leerverkäufe ein Land in eine aussichtslose Position treiben. Damit wird das willkürliche Spekulationsszenario zur self-fulfilling prophecy.
Die Waffen der EZB und EFSF sind stumpf
Die EZB versucht zusammen mit dem Rettungsschirm dagegen zu halten. Allerdings geschieht dies in der Form, dass statt über den privaten Kapitalmarkt jetzt via Rediskontierung der Staatsanleihen der Krisenländer die Refinanzierung erfolgt. Die EZB wird so zum lender-of-only-resort. Wegen des fortdauernden Drucks der Spekulanten, die ihre Positionen nur mittels rollover hält, entsteht jedoch keine Beruhigung am privaten Kapitalmarkt für die entsprechenden Staatsanleihen. Die Spekulanten wollen Blut – sprich Geld sehen und dann Kasse machen. Durch den Aufkauf von Staatschuldverschreibungen mit einem hohen Preisabschlag, da ja die Preise aktuell drastisch gefallen sind, entstehen hohe Zinsgewinne. Diese werden dann mittels Absicherung durch den EU-Rettungschirm aus Mitteln des EFSF risikolos gestellt. Die andern Saaten garantieren ja die Zinszahlungen bis zur Fälligkeit. Mithin schafft jeder erfolgreiche Bailout via EFSF nur Fehlanreize, so weiter zu machen wie bisher und sich ein neues Opfer zu suchen.
Die PIIGS-Theorie definiert bereits die Opferliste. Nach Griechenland und Irland sind eben Portugal und Spanien die nächsten Opfer. Da jede Spekulationsrunde die Spekulanten ja nach Rettung durch den EFSF reicher macht, werden ihre finanziellen Möglichkeiten entsprechend größer. Die Spekulation nährt die Spekulation. Es entsteht ja bei den Spekulanten kein Schaden. Das Schadensrisiko ist unter den derzeitigen Spielbedingungen quasi Null. Dafür akkumulieren die EZB und die EFSF immer mehr zweifelhafte Schuldrisiken. Da eine Konsolidierung der entsprechenden Krisenstaaten unter den Austerity-Programmen kaum zu erwarten ist, nützen die nominellen Zinserträge von 5% für die Risikoübernahme durch die EFSF überhaupt nichts. Ein Zinsversprechen bei einer Staatspleite ist wertlos.
Die Zinsen für Bundesanleihen steigen bereits deutlich
Profitierte Deutschland zunächst von der Griechenlandkrise durch fallende Renditen für Bundesanleihen – so sanken die Umlaufrendite für Bundesschatzbriefe von etwa 2,7% zum Jahresanfang 2010 auf unter 1,8% im August 2010 – steigen sie seitdem jedoch im Zuge der Irlandkrise auf derzeit bereits 2,3% wieder an. Waren deutsche Staatsanleihen zunächst als sichere Finanzanlagen anstelle von Staatsanleihen anderer EU-Mitgliedsstaaten im Zuge der Krise besonders attraktiv, so büßt Deutschland bereits jetzt an Attraktivität wieder deutlich ein. Schließlich wird jetzt ja bereits erwartet, dass der bisherige Rettungsschirm des EFSF von 440 Mrd. Euro aufgestockt werden muss, d.h. Deutschland mit weiteren dreistelligen Milliardenbeträgen in Haftung für mögliche Pleitekandidaten wie Spanien und demnächst vielleicht Italien gehen muss. Zwar beteiligen sich offiziell zunächst alle Euroländer am Rettungsschirm des EFSF, aber wenn ein Land de facto pleite ist und eine Stabilisierung nicht erwartet wird, dann sind deren Zusagen im Prinzip wertlos.
Dominotheorie
De Dominotheorie besagt nun Folgendes. In der Eurozone gibt es derzeit sechzehn Mitgliedsländer. Wenn nun ein Land nach dem anderen ausfällt (siehe Argumentation oben), dann schrumpft auch die Basis der noch solventen und kreditwürdigen Länder der Eurozone. Im Prinzip ist also vorhersehbar, wann die Lender-of-only-resort-Funktion bei Ausfall einer hinreichend großen Anzahl von Mitgliedsländern nicht mehr wahrgenommen werden kann. Wegen der Überschuldung durch Risikoübernahme der Schulden anderer Länder verlieren auch diese letztendlich ihre Kreditwürdigkeit. Damit ist aber ein Ende der Bailout-Strategie via EFSF vorhersehbar. Bei hinreichend finanziellen Mitteln ist die Eurozone mit dieser Strategie nicht erfolgreich zu verteidigen. Der Prozess endet schlussendlich in einer kollektiven Staatspleite der Eurozone. Das wäre dann die totale Niederlage der Euroländer. Die USA hätten im Währungskrieg gesiegt. Mithin ist der derzeitige Weg ein Irrweg zur Rettung der Eurozone. Er führte geradewegs ins Verderben.
Schönes Wochenende.
Photo: European Parliament, via flickr
Quod errat demonstradum
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731365,00.html