Israel im Fokus seiner Kritiker

Die Ursachen für die Sehnsucht nach einem eigenen Land und dem aus dieser Sehnsucht entstandenen Zionismus sind viel tiefgreifender als gedacht. Schlüssel- und Führungsfigur des modernen politischen Zionismus war Theodor Herzl, der Begriff Zionismus wurde um 1890 von Nathan Birnbaum geprägt. In Wikipedia kann man nachlesen, dass der Zionismus durch

2457836504_05b96ac2ed.jpgDie Ursachen für die Sehnsucht nach einem eigenen Land und dem aus dieser Sehnsucht entstandenen Zionismus sind viel tiefgreifender als gedacht. Schlüssel- und Führungsfigur des modernen politischen Zionismus war Theodor Herzl, der Begriff Zionismus wurde um 1890 von Nathan Birnbaum geprägt. In Wikipedia kann man nachlesen, dass der Zionismus durch andere Nationalismen und moderne soziale Bewegungen beeinflusst wurde. Unter anderem durch die Arbeiterbewegung.

Was manche Autoren links liegen lassen, um dadurch in andere Gewässer abzugleiten, ist die Tatsache, dass die Juden bereits Jahrhunderte lang verfolgt und diskriminiert wurden, bevor der Nationalsozialismus dem Judenhass die Krone aufsetzte.

„Die zionistische Bewegung entstand im 19. Jh. und war zuerst eine Reaktion auf die Bedrohung durch den russischen und osteuropäischen Antisemitismus (Bsp. Pogrom in Kishinev). Zur politischen Kraft wurde der Zionismus durch die Gründung der Zionistischen Organisation (1. Zionistischer Weltkongress 1897), dessen Präsident Theodor Herzl mit seiner Forderung nach einem “Judenstaat”, als “öffentlich-rechtlich gesicherter Heimstätte in Palästina”, den Grundstein für den Zionismus legte.“ (haGalil)

Das ist wohl auch der Grund dafür, warum der Zionismus einem modernen, selbstbewussten Menschen als ziemlich veraltet und damit etwas anrüchig erscheinen mag.

Die Träume wurden wahr

Während der gezielt organisierten und höchst effizienten Massenvernichtung des jüdischen Volkes durch das Nazi-Regime war die Sehnsucht nach eigenem Staat bei den Juden nicht mehr zurückzuhalten. Vor den Nazis fliehend, war es für sie sehr schwer, Zuflucht zu finden. Also bestiegen sie massenhaft verschiedene Schiffe, um nach Palästina zu flüchten, das Land ihrer Träume. Wer weiß, wie lange sie noch geträumt hätten oder träumen müssten, wenn es die nationalistische Judenverfolgung nicht gegeben hätte?

Wie träumerisch und aberwitzig es auch war, mitten in der Neuzeit einen ganz neuen Staat gründen zu wollen, der sich nur auf uralte Wurzeln berufen konnte, es geschah trotzdem. Es wäre aber genauso träumerisch und aberwitzig, wenn die Juden ihren eigenen Staat mitten in Europa verlangt hätten. Wenn sie irgendein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland für sich beansprucht hätten. Den verstreuten Juden fehlte zu dieser Idee die innige Verbindung zu irgendeinem deutschen Bundesland, den deutschen Israel-Kritikern fehlt dazu einfach nur die Phantasie.

Es ist nun mal so, dass die deutschen Israel-Kritiker es am liebsten sähen, wenn die Juden in Palästina niemals angekommen wären. Was viele von den Flüchtlingen kurz vor ihrem gewaltsamen Tod auch erleben mussten. Weil nur so das Werk der Vernichtung als erfolgreich bezeichnet werden könnte. Viele deutsche Israel-Kritiker sehen die Chance, die es damals gab – die Juden loszuwerden, einfach vertan. Also ärgern sie sich tiefsinnig über die Existenz Israels und kritisieren das Land nach ihren Maßstäben. Genau so, wie die Nazis ihre Maßstäbe dafür entwickelt haben, warum die Juden als minderwertig zu gelten haben, so entwickeln auch viele Israel-Kritiker ihre eigenen Maßstäbe, damit das Land in der Minderwertigkeit versinkt.

Man muss nur über dieses Land möglichst verächtlich berichten und dabei hohe Ansprüche stellen.

Es war die Sehnsucht

Es war keine besonders gute Idee, den jüdischen Staat in dem Ursprungsland der Juden – in Palästina zu gründen. Also mitten in einem angestammten Gebiet einer angestrebt konkurrierenden Religion. Das alles kam nur aus der Sehnsucht heraus. Es gab aber auch keine bessere Idee. Nirgendwo auf der Welt, nicht einmal in der Wüste oder im ewigen Eis hätten die Juden ihren eigen Staat gründen können, ohne auf gewaltigen Widerstand zu stoßen. Und wollen hätten sie es auch nicht, immer nur in fremder Gegend zu wohnen. Das Land ihrer Ahnen zog sie am meisten an.

Also bleibt nur noch der Gedanke, Israel gar nicht zu gründen. Das denken sogar manche Juden und praktisch alle Israel-Kritiker. Die Entstehung Israels ist das eigentliche Problem, unter dem die ganze Welt zu leiden habe. Und die Araber am meisten. Also solidarisieren sich die Israel-Kritiker auf Grund des geteilten Leides mit den Arabern. Und das Leid der Menschen in vielen anderen Teilen der Welt ist ihnen dann nicht mehr so wichtig. Nicht so lebenswichtig. Sie stellen das andere Leid, z.B. den andauernden Genozid in manchen Teilen Afrikas, nicht so sehr in die Mitte ihrer kritischen Betrachtungen.

Doch auch dann, wenn es die Judenverfolgung unter dem Nazi-Regime und auch sonst nicht gegeben hätte, selbst dann wäre die Sehnsucht der Juden nach dem eigenen Land berechtigt. Und sogar für kritische Menschen gut nachvollziehbar. Die Sehnsucht nach eigenem Land ist unabhängig von Rasse, Religion und sogar von den Genen. Aus solcher Sehnsucht heraus wurde mit Sicherheit auch Derenburg gegründet.

Die Sehnsucht der Juden nach eigenem Land wäre aber in einer ungewöhnlich friedlicher Welt, in der es keine Kriege und auch keine Verfolgungen und Vertreibungen gäbe, nicht zu verwirklichen. Der junge Staat Israel konnte nur deswegen gegründet werden, weil unsere alltägliche Welt mit Gehässigkeit, Kriegen, Verfolgung und Vertreibung übersäht ist.

Und wären die Juden nicht immer wieder verfolgt und vertrieben, dann lebten sie bis heute in Judea. Als ein einfaches, kleines und wenig bekanntes Völkchen, über das wir hier und da herzlich lachen könnten. Und es gäbe auch keinen Judenhass. Schließlich werden auch die Ostfriesen nicht weltweit gehasst. Weil sie die ganze Zeit in ihrem eigenen Land, in Ostfriesland leben. Nur die Zigeuner unter den Völkern müssen die ungewollte Berühmtheit und den Hass fürchten…

Träume und Sehnsüchte

Es ist so ungemein leicht, die Träume und Sehnsüchte anderer Menschen auszulachen. Das haben wir bereits auf dem Schulhof gelernt und zum gezielten Mobbing kunstvoll weiter entwickelt. Deswegen ist es auch so leicht, wenn die Israel-Kritiker die Juden wegen ihren Träumen und Sehnsüchten auslachen. Wegen Träumen und Sehnsüchten, welche die Juden aus ihrer ziemlich alten Kulturgeschichte entwickelt haben. Und die Schwäche der Juden besteht darin, ihre Geschichte zu kennen und an ihre Kinder weiter zu geben.

Die Geschichte während einer gewollt kritischen Auseinandersetzung einfach zu vergessen, aus dem Blick zu verlieren, macht manche Menschen unangreifbar. Und das nutzen viele Israel-Kritiker für sich kunstvoll aus. Sie können dann die jüdische Geschichte lächerlich machen und die schwierige Existenz Israels zum Witz erklären…

Man muss sich schon sehr anstrengen

Man muss sich schon sehr anstrengen, „Juden-Hass bei jemandem zu finden, der (angeblich) eine besondere deutsche Verantwortung für die Existenz Israels sieht.“ Weil jeder gekonnte Israel-Kritiker seine Abneigung gegenüber Israel und den Juden als besondere deutsche Verantwortung für die Existenz Israels umdeklarieren kann.

Und weil es sich um besondere deutsche Verantwortung handelt, dann sollte einem gestandenen deutschen Israel-Kritiker niemand hineinreden, was der Begriff besondere Verantwortung bedeutet. Es handelt sich doch um deutsche Verantwortung. Deswegen kann nur ein deutscher Israel-Kritiker darüber entscheiden, was besondere Verantwortung heißt. Schließlich ist diese besondere Verantwortung durch und durch deutsch.

Es sind wie bei den Nazis die eigenen bis eigenwilligen Maßstäbe, die für die Betrachtung der Juden geltend gemacht werden. Es sind die eigenen Maßstäbe, welche bei den Israel-Kritikern darüber entscheiden, auf welche Art und Weise Israel existieren soll und darf. Weil sie für diesen lächerlich kleinen Staat tagtäglich eine besondere Verantwortung tragen.

Der Machtwahn der Israel-Kritiker

Die Verantwortung verleiht die Macht und die Macht führt oft zum Machtwahn. Viele Eltern, die eine besondere Verantwortung für ihre Kinder tragen, merken gar nicht so richtig, welche Macht über ihre Kinder ihnen die Verantwortung verleiht. Vor allem dann, wenn sie ganz besonders ist. Wenn die Eltern ihre Kinder ganz besonders mögen. Sie lassen dann ihre Kinder nie aus den Augen und sie überwachen sorgfältig jeden Schritt und Tritt des Kindes. Und wenn es sein muss, dann sagen sie ihrem Kind auch ganz deutlich, wohin es treten soll und wohin nicht.

Die Israel-Kritiker wissen es dagegen ganz genau, welche Macht ihnen die besondere deutsche Verantwortung für die Existenz Israels verleiht. Sie können dank ihrer Verantwortung Israel bei jedem Schritt und Tritt mäßigen, sie können Israel mit Vorwürfen überschütten, wenn dieses ach so kleine und ungeschickte Land etwas falsch macht, und sie können dem Land jederzeit ihre verantwortungsbewusste Liebe entziehen, um es zu strafen. Und so wird aus der besonderen Verantwortung eine unerträgliche Gängelung. Genauso wie bei manchen besonderen Eltern.

Und da die Israel-Kritiker die Macht der besonderen Verantwortung ganz bewusst ausüben, sich dazu sogar öffentlich bekennen, bleibt nur noch die Frage übrig, ob sie ähnlich wie die übertreibenden Eltern das Objekt ihrer Verantwortung, das Land Israel, auch ganz besonders lieben. Welches Motiv versteckt sich hinter den Übertreibungen der Israel-Kritiker? Juden-Hass? Nein, das werden die Israel-Kritiker mit dem Hinweis auf ihre besondere deutsche Verantwortung für die Existenz Israels verneinen. Welche Triebkraft versteckt sich also hinter dem Wahn der selbstherrlichen Macht, mit der die Israel-Kritiker ihre Verantwortung ausüben?

Israel im Fokus

Warum sind die Israel-Kritiker von Israel so besessen? Sie merken in ihrem Wahn gar nicht, dass sie sich mit ihrer Kritik nur auf Israel fokussieren. Und warum merken die Israel-Kritiker nicht, dass sie keine Kritik an sich selbst zulassen, dass sie sich selbst über alle kritische Einwände erhoben haben? Warum scheint es für die Israel-Kritiker unmöglich zu sein, zu erkennen, dass sie in Ausübung ihrer besonderen Verantwortung mit den Juden nicht reden, sonder diese ausschließlich kritisieren? Es sei denn, mache Juden äußern israelkritische Gedanken. Dann werden diese Gedanken gleich lobend aufgegriffen, um die Juden zu kritisieren.

Und damit kommt unerwartet ans Tageslicht, dass die Juden manchmal auch selbstkritisch sind, die Israel-Kritiker sind es nie. Und das nennt man Wahn…

Photo: maxnathans, via flickr

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