Einhergehend mit der globalen Erwärmung wird eine Häufung von Extremwetterereignissen erwartet, insbesondere von hitzespezifischen Ereignissen wie Hitzewellen, Stürmen und Starkniederschlägen. Dem entgegen wird eine Abnahme von kältespezifischen Ereignissen wie Wintern mit viel Eis und Schnee erwartet. Das war jedenfalls bisher die einhellige Meinung unter den Klimawissenschaftlern. Nach zwei harten Wintern in Folge hat offensichtlich ein Umdenkprozess stattgefunden. Nun verkündet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Pressemitteilung vom 16. November 2010: “Erderwärmung könnte Winter kälter werden lassen”.
Inzwischen hat sich ein Strategiewechsel in der Klimafolgenforschung vollzogen. Als Folge der globalen Erwärmung sollen jetzt nicht nur die hitzespezifischen Unwetter zunehmen, sondern auch Unwetter der anderen Richtung. Es hat sich die Ansicht durchgesetzt: Wetterextreme in beide Richtungen können infolge der globalen Erwärmung zunehmen. In einer Region, die z.B. trockener wird – wie die Türkei – soll es mehr Starkniederschläge geben können und in Regionen in denen es wärmer wird – wie Europa – sollen vermehrt extrem kalte Winter (oder Kältewellen) auftreten können. Diese Ansicht vertritt zumindest das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Somit kommt der aktuelle Kälteeinbruch in Deutschland und Norwegen auch nicht überraschend, sondern ist vielmehr kompatibel mit der neuen Theorie.
Noch nie so kalt in Südnorwegen seit 140 Jahren
In Südnorwegen war es so kalt wie noch nie in den letzten 140 Jahren. In der Region Hovden wurden am Donnerstag -29,4°C gemessen. Damit lag die Temperatur um drei Grad niedriger als im bisherigen Rekordjahr 2002. Während der letzten 140 Jahre, d.h. seit die Wetterstationen in Betrieb genommen wurden, war es noch nie so kalt im November in Hovden und in anderen Regionen in Südnorwegen.
Auch Deutschland bibbert im November
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat vor starkem Schneefall in Schleswig-Holstein und Hamburg gewarnt. Lokal werden bis (zum heutigen) Dienstagabend Schneehöhen zwischen 15 und 20 cm erwartet, wie der DWD mitteilte. Bei Windböen können auch Schneeverwehungen auftreten. Verbreitet werde es glatt. Im Kreis Ostholstein und Kreis Segeberg haben Schnee und Eis den Busverkehr am Dienstag lahmgelegt. Zudem fällt der Unterricht an den öffentlichen Schulen im Kreis Segeberg aus.
Schnee lähmt den Flugverkehr
Der Wintereinbruch mit bis zu 30 Zentimetern Neuschnee hat gestern in weiten Teilen Bayerns den Verkehr behindert. Betroffen war in München vor allem der Flugverkehr. Bis zum Nachmittag fielen dort rund 170 Flüge aus, etwa 200 Flüge hatten mehr als eine Stunde Verspätung, wie ein Flughafensprecher sagte. Mehrere tausend Passagiere blieben infolgedessen auf dem Boden. Auch auf den Straßen sorgten die heftigen Schneefälle für Chaos: Auf rutschigen Fahrbahnen kam es im ganzen Freistaat zu zahlreichen Unfällen und kilometerlangen Staus. Vor allem in den Morgenstunden waren die Autobahnen in Richtung München dicht, der Verkehr ging nur sehr zähflüssig voran. Tausende Pendler kamen dadurch verspätet zur Arbeit. Im Stadtgebiet München zählte die Polizei gestern über 100 Auffahrunfälle.
Ein ähnliches Bild bietet sich in England, Tschechien, Polen, Frankreich und Spanien
In Newcastle im Norden Englands blieb der Flughafen am Montag für viele Stunden gesperrt. Der Airport im schottischen Edinburgh war komplett zu. Und auch in Tschechien und Polen sorgten die ersten heftigen Schneefälle für Chaos auf den Straßen. In Polen erfroren mehrere Obdachlose. Aber auch in Frankreich. In Orléans in Südfrankreich fiel die Straßenbahn aus, in anderen Städten waren auch Schulbusse betroffen. Vielerorts stockte der Verkehr. In einigen Orten rissen Stromkabel. In der Bretagne wurden die Bürger zum Stromsparen aufgefordert. Während die elektrischen Heizungen gegen den plötzlichen Wintereinbruch ankämpften. Auch in Spanien fiel eine ungewöhnlich dicke Schneedecke.
Die Kilmakirche aus Potsdam hat uns aber warme Winter versprochen, kann man das einklagen?
“Weniger Schnee, trocken-heiße Sommer und mild-feuchte Winter. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben die wichtigsten Klimatrends für Deutschland skizziert.”
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/klima/weltklimakonferenz/erderwaermung-deutschland-kommt-ins-schwitzen_aid_460120.html