China kündigt gigantisches Industriepolitikprogramm an

Nach einer jüngsten Meldung von China Daily plant die chinesische Regierung, Investitionen in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar in sieben strategische Industriezweige innerhalb der kommenden fünf Jahre zu investieren. Damit soll der Prozess zur Transformation Chinas von einem Anbieter von billigen Industrieprodukten zu einem Anbieter von High-Tech-Gütern und Dienstleistungen rasch

195b.jpgNach einer jüngsten Meldung von China Daily plant die chinesische Regierung, Investitionen in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar in sieben strategische Industriezweige innerhalb der kommenden fünf Jahre zu investieren. Damit soll der Prozess zur Transformation Chinas von einem Anbieter von billigen Industrieprodukten zu einem Anbieter von High-Tech-Gütern und Dienstleistungen rasch vorangetrieben werden. Die Investitionen entsprächen in etwa rund 5% des jährlichen Bruttoinlandsprodukts Chinas. Die Wirtschaftszweige, die durch dieses Investitionsprogramm gezielt gefördert werden sollen, umfassen alternative Energien, Biotechnologie, die nächste Generation der IT-Technologien, modernste Herstellungsverfahren der Ausrüstungsgüterindustrie, fortschrittliche Materialien, alternative Antriebstechnologien für Automobile, und energiesparende und umweltfreundliche Technologien.

China als No 1

Chinas großer strategischer Plan ist es, bis 2020 zur Weltspitze nicht nur hinsichtlich der absoluten Höhe des Bruttoinlandsprodukts vorzustoßen und damit die USA oder die EU als größten Wirtschaftsraum abzulösen, sondern gleichzeitig zur bedeutendsten High-Tech-Nation der Welt aufzusteigen. Auch hier würde China die USA vom Platz eins verdrängen. Damit kehrte China als Reich der Mitte wieder – aus seiner Sicht – auf seinen angestammten Platz zurück. Für Europa, insbesondere auch Deutschland, bedeutet dies, dass man sich darauf einstellen muss, dass es zu einer wachsenden chinesischen Konkurrenz in den zentralen Technologiefeldern kommen wird, in denen man bisher sich weltweit komparative Vorteile erarbeitet hat. Hierzu zählen insbesondere der Automobil- und Fahrzeugbau einschließlich des Luftfahrzeugbaus sowie der Luft- und Raumfahrttechnik, des Weiteren der Maschinen- und Anlagenbau.

Vom  Große Sprung 1.0 zum Großen Sprung 2.0

China hatte bereits unter Mao zum großen Sprung in den 1960er Jahren aufgerufen. Bekannter Weise endete er in einem wirtschaftlichen Desaster, dem Millionen von Chinesen im Zuge von Hungernöten zum Opfer fielen. Nicht zuletzt das Zerwürfnis zwischen der damaligen Sowjetunion und China – die Russen zogen ihre Techniker und Experten aus China ab – führte zu diesem Desaster. Jetzt setzt China erneut zum großen Sprung 2.0 an. Diesmal ist das Ziel nicht, die Sowjetunion ein- bzw. zu überholen, sondern die USA. Ob dieses Projekt erfolgreich sein wird, hängt entscheidend von der Entwicklung auch der chinesischen Wirtschaftsbeziehungen mit der übrigen Welt ab. Da China bereits jetzt an seiner Kapazitätsgrenze produziert und die Inflation sich beschleunigt, könnte ein solches Programm endgültig die Inflation außer Kontrolle geraten lassen.

Phase globaler Instabilität zieht herauf

Hinzu kommt, dass in einer solchen Phase der Rivalität zwischen den derzeit weltweit führenden Mächten die Instabilität der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse weltweit zunehmen wird. Die historische Erfahrung des 20. Jahrhunderts zeigt es deutlich. Das aufstrebende Deutsche Reich, das sich insbesondere mit dem britischen Empire zu messen begann, führte zu den politischen Zerwürfnissen und Bündnissen, die geradewegs in den Ersten und später erneut in den Zweiten Weltkrieg mündeten. So sehr man die Anstrengungen Chinas begrüßen sollte, sein Umweltschutzproblem in den Griff zu bekommen, so sehr muss man von dem Bemühen Chinas beunruhigt sein, sich zum globalen Hegemon der Weltwirtschaft und zur führenden High-Tech-Nation aufzuschwingen.

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