WikiLeaks-Affäre zeigt auch: Der (US)-Kaiser ist nackt (Kommentar)

Wer gestern via Fernsehnachrichten mitbekam, wie der auch schon  für den bisher leider noch nicht als Kriegsverbrecher angeklagte George W. Bush in gleicher Funktion tätige derzeitige US-Verteidigungsminister Robert Gates mit feistem Lächeln völlig unverhohlen seine dadurch offensichtlich gewordene Freude darüber kundtat, dass WikiLeaks-Kopf Julian Assange in London festgenommen worden war,

Wer gestern via Fernsehnachrichten mitbekam, wie der auch schon  für den bisher leider noch nicht als Kriegsverbrecher angeklagte George W. Bush in gleicher Funktion tätige derzeitige US-Verteidigungsminister Robert Gates mit feistem Lächeln völlig unverhohlen seine dadurch offensichtlich gewordene Freude darüber kundtat, dass WikiLeaks-Kopf Julian Assange in London festgenommen worden war, dem konnte es gar übel aufstoßen.

Schlichtes Weltverständnis

Gleichzeitig setzte bei mir dieses Aufstoßen ein Fremdschämen über die Großmacht USA in Gang. Welches naives Weltbild muss in bestimmten Washingtoner Kreisen herrschen? Wie tief ist man dort gesunken? Der WikiLeaks-Gründer Assange wurde ja dort – was dessen Gefährlichkeit betrifft – unterdessen sogar mit Osama bin Laden gleichgesetzt! So manch US-Politiker verstieg sich sogar zu der Aussage, Julien Assange und WikiLeak gefährdeten durch ihre Enthüllungen Menschenleben und die Sicherheit auf dieser Welt. Anhand solchen Schwachsinns wird nur allzu klar: Die Apologeten eines derartigen, mehr als schlicht zu nennenden Weltverständnisses bringen – bewusst oder nicht bewusst – einfach bestimmte Realitäten durcheinander. Betrachten wir doch nur einmal die USA-Politik ab dem Jahre 1945 bis in unsere Tage hinein: Auf Grund vieler, belegter, trauriger Beispiele werden wir unschwer feststellen können, welche Gefahren allein diese meist kurzsichtige und daher brandgefährliche US-Politik an vielen Punkten in der Welt heraufbeschwor und nach wie vor heraufbeschwört. Um dies zu verstehen, müssen wir uns doch nur einmal die miserable Lage in Afghanistan und Irak anschauen, die durch die gewissermaßen da wie dort jeweils mit Lügen begründeten militärischen Interventionen (Krieg) in diesen Ländern und die jahrelange Besetzung durch US-Truppen (und ihrer Nato-Vasallen) zu beklagen ist. Tote und Verwundete pflastern diesen falschen Weg  zuhauf, der doch vorgeblich zu Demokratie und Frieden führen sollte…

Purer Unsinn

Robert Gates, der derzeitige Verteidigungsminister des inzwischen politisch stark geschwächten US-Präsidenten Obama war 26 Jahre beim CIA tätig. Deshalb dürfte er sehr gut wissen, mit welch schmutzigen Tricks derlei Interventionen (und andere Schweinereien) begründbar gemacht werden. Aus dem selben Grund wird er natürlich auch wissen, dass das, was er nun vor TV-Kameras über die vermeintliche Gefährlichkeit von Julian Assange und betreffs der WikiLeak-Enthüllungen nicht nur eine Verkennung der Tatsachen ist, sondern der pure Unsinn.

Wahnsinn hat Methode

Im Gegenteil: Die Enthüllungen von WikiLeaks sind nötig, um den Mächtigen dieser Welt die demokratischen Masken vom Gesicht zu reißen und deren diverse politischen Schweinereien am Volk vorbei aufzudecken, um der schon stark ausgebleichten (gefährdeten) Demokratie allüberall eine veritable Bluttransfusion zu verpassen. Wenn in diesem Kontext u. a. aus dem Mund bestimmter US-Politiker aus Washington oder von anderswo her der Vorwurf ertönt, die Enthüllungen von WikiLeaks seien kriminelle Machenschaften und gefährdeten die Sicherheit und das friedliche Zusammenleben der Menschen auf der Welt, so ist das der reinste Hohn und die Unwahrheit! Schließlich muss man nur die WikiLeak-Enthüllungen studieren, um zu erkennen, wo in Wahrheit die Kriminellen dieser Welt zu suchen sind. Dass nun gerade die Offenbarer jener bitteren Wahrheiten verfolgt und kriminalisiert  – gar mit Terroristen verglichen werden – ist der reinste Wahnsinn. Doch der hat ja bekanntlich Methode.

WISSEN IST MACHT

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die dem nun inhaftierten Assange gegenüber vorgebrachten Anschuldigungen müssen untersucht werden. Doch wohl nicht nur mir erscheint die Anklage reichlich (womöglich mit CIA-Hilfe?) konstruiert, um WikiLeaks sozusagen den Kopf abzuschlagen: weil man es mit anderen Mitteln nicht schaffen konnte. Allerdings – unabhängig davon, ob Assange nun schuldig ist oder nicht) – dürfte dieser (von den USA geführte? und von willfährigen, US-hörigen, schwedischen Dienststellen begleitend unterstützte) Schlag gegen WikiLeaks insofern schmählich misslingen. Denn WikiLeaks arbeitet auch so munter weiter. Und andere, viele WikiLeaks könnten folgen. Das Internet vergisst ohnehin nichts. Auch haben es offenbar immer mehr Bürgerinnen und Bürger allmählich satt, von Banken und Regierungen ständig hinter die Fichte geführt zu werden und auch noch die Zechen für die dabei entstandenen Krisen bezahlen zu müssen. Deshalb brauchen wir Plattformen wie WikiLeaks, um nicht in Diktaturen abzugleiten, bzw. zu Barbaren zu verkommen. Der Satz WISSEN IST MACHT bekommt dieser Tage auf einmal wieder einen ganz anderen Klang.

Moralischer Abstieg der USA hat begonnen

Was die USA nun selbst anbelangt, so deutet wohl der verlogene Kampf gegen WikiLeaks und Julian Assange im Besonderen ebenfalls eines an: Es ist das Aufbäumen einer schwer angeschlagenen, dahin siechenden, einstigen Großmacht. Dem endgültigen Abstieg (in ein paar Jahrzehnten?) geht zunächst ein moralischer voraus. Mehr und mehr wird offensichtlich: Der Kaiser ist nackt! Heute sickerte nebenbei bemerkt durch, dass die USA-Administration womöglich bereit sei, den Siedlungsbau der Israelis im Westjordanland und an anderen heiklen – eigentlich den Palästinensern gehörenden – Orten nun doch hinzunehmen. Ist nun also Obama auch in diesem Punkte unter dem Druck der Republikaner und der israelischen Lobby in god’s own country eingeknickt Damit dürfte das Scheitern der von den USA begleiteten israelisch-palästinensischen Verhandlungen programmiert sein…

Die Welt von Heute ist – betrachten wir den so hoffnungsvollen, in jeder Hinsicht möglichen, “Neustart” ab 1990 – ein ziemliches Jammertal. Dahinein erhellendes Licht zu bringen – tun es schon die Regierenden und Medien nicht – sind Organisationen, heißen sie nun WikiLeaks oder anders, dringend nötig. Lassen wir uns nicht davon ablenken!

Das feiste Lächeln auf dem Gesicht des US-Verteidigungsminister Gates von Gestern ist nur ein Abbild einer selbstgerechten, verkommenen Politik, die glaubt ein für alles Mal das Recht erworben zu haben, die Welt nach ihrem Bilde und im Sinne der von ihnen vertretenen Klientel zu regieren. Ob dieses feiste Lächeln letztlich über die Demokratie wird siegen können, liegt auch in unserer Hand…

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