Berliner TU-Studie über Bürgerjournalismus: Wie läuft es bei Readers Edition?

Bürgerjournalismus ist ein aktuelles Thema und wird wissenschaftlich erforscht. Eine Studentin an der Technischen Universität zu Berlin arbeitet gerade an einer Studie und verschickt einen Fragebogen, den auch ich bekommen habe, weil ich gelegentlich für die Plattform Readers Edition schreibe. Dieses Portal hat der ehemalige “stern”-Chefredakteur Michael Maier von der

Bürgerjournalismus ist ein aktuelles Thema und wird wissenschaftlich erforscht. Eine Studentin an der Technischen Universität zu Berlin arbeitet gerade an einer Studie und verschickt einen Fragebogen, den auch ich bekommen habe, weil ich gelegentlich für die Plattform Readers Edition schreibe. Dieses Portal hat der ehemalige “stern”-Chefredakteur Michael Maier von der inzwischen nicht mehr existierenden “Netzeitung” mitgenommen. Die Fragen der Studentin und meine Antworten:

Seit wann sind sie aktiver Bürgerreporter im Internet?

Ich veröffentliche seit 2002 Artikel und Kommentare im Netz. Das mache ich in eigenen Blogs und gelegentlich in anderen Portalen.

Haben Sie schon früher in den Medien Ihre Meinung etwa in Form von Leserbriefen oder am Hörertelefon veröffentlicht?

Meine “journalistische Karriere” habe ich als Zehnjähriger gestartet. Damals schrieb ich ein Hörspiel, das vom Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Als Jugendlicher schrieb ich fleißig Leserbriefe, machte später die Pressearbeit für Organisationen und Vereine. Dabei kam mir beispielsweise in Wilhelmshaven zugute, dass die Redaktion dankbarer Abnehmer druckreifer Texte war.

An welche Medien haben Sie schon Hinweise, Texte, Bilder oder Videos geschickt?

Diese Frage kann ich nur so beantworten: An die New York Times habe ich bislang noch nichts geschickt… Mein größter Streich war, dass die “Bild”-Zeitung voriges Jahr an die Existenz eines Hellsehers glaubte, den ich frei erfunden hatte.

Welche journalistische Erfahrung besitzen Sie auβerhalb Ihrer Tätigkeit als Bürgerreporter?

Nach dem Abitur habe ich in Mainz Volkswirtschaftslehre und Publizistik studiert. Mit Elisabeth Noelle-Neumann hatte ich eine ziemlich berühmte Professorin. Nach dem Studium machte ich ein Volontariat bei einer Tageszeitung, bei einer Hamburger Nachrichtenagentur und in einem Fachzeitschriften-Verlag. Danach war ich Chefredakteur bzw. Verantwortlicher Redakteur einiger Printmedien. In jüngerer Zeit machte ich die Pressearbeit für die Christoffel Blindenmission und schrieb Artikel für die “Afrikapost”.

Wie verstehen Sie Ihre Tätigkeit als Bürgerreporter? Welche Ziele wollen Sie damit erreichen?

Viele Themen werden von den herkömmlichen Medien nicht angefasst, weil sie entweder zu kompliziert oder zu heikel sind. Ein Beispiel ist die Arbeit von deutschen Jugendämtern.

Wie würden sie Readers Edition beschreiben? Was macht diese Plattform interessant?

Readers Edition ist bekanntermaßen von der Netzeitung abgespalten worden. Betrieben wird sie von einem ehemaligen “stern”-Chefredakteur, der wohl nicht immer auf diese Zeit angesprochen werden will und deshalb etwas Neues gemacht hat. Die Plattform bleibt aber in den Anfängen stecken und entwickelt sich kaum weiter. Da es dort einige gute Autorinnen und Autoren gibt, bleibt Readers Edition am Medienleben.

Zu welchen Themen schreiben Sie hauptsächlich und nach welchen Kriterien wählen Sie die Themen aus?

Ich schreibe quer durch den Themen-Garten. Manchmal schnappe ich etwas auf und mache einen Artikel daraus.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Verfassen von Artikeln und welche Informationsquellen nutzen Sie?

Täglich um die fünf bis sechs Stunden. Meistens verwende ich eigene Quellen, beispielsweise Dokumente, die mir zugespielt werden.

Was ist Ihre Motivation für das Schreiben von Artikeln?

Ich habe schon immer gern geschrieben. Das kann ich auch besser als ein Auto reparieren. Viele meiner Berichte haben sich als hilfreich für Gebeutelte erwiesen, die sonst nicht mehr weiter gewusst hätten.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit der Redaktion von Readers Edition? Wie werden Sie vom Medium unterstützt?

Bei Readers Edition habe ich bis heute keine Redaktion kennengelernt. Die Autoren schreiben vor sich hin, Diskussionen, Meinungsaustausch und Ratschläge für die Arbeit sind mir bislang nicht untergekommen. Man erfährt auch nicht, warum Berichte und Kommentare veröffentlicht werden – und warum nicht. Sogar wenn sich augenscheinlich jemand über eine Veröffentlichung geärgert oder deswegen einen Anwalt eingeschaltet hat, erfährt man nichts. Man kann nur etwas ahnen – oder das bleiben lassen.

Denken Sie, Moderatoren sind notwendig?

Gibt es die bei Readers Edition? Ich kenne nur Leute, die einen Artikel oder einen Kommentar frei schalten. Ohne feedback.

Was gefällt Ihnen an Readers Edition? Was könnte besser werden?

Eine Zeitlang hat mir an Readers Edition gefallen, dass man für seine Arbeit bezahlt worden ist. Diese Bezahlung kam so überraschend wie die Beendigung der Bezahlung. Michael Maier entschied einfach: “Kein Geld mehr da!”

Besser werden könnte eigentlich alles. Aber daran scheint überhaupt kein Interesse zu bestehen. Der Laden läuft irgendwie, irgendwie scheint ausreichend zu sein.

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