Die Landschaftsaufnahmen, die Portraits und die Musik. Einfach phantastisch. Eine auf ganzer Linie gelungene Zusammenführung.
Fotografien von Mathias Bothor
Der bekannte Fotograf Mathias Bothor hat in diesem eindrücklichen Bildband die Bretagne abgelichtet: seine Menschen und seine Landschaft. Hierfür reiste er über zehn Mal in die französische Region. Die Zeit und die intensive Beschäftigung mit diesem Projekt merkt man jeder Seite an.
Die Portraits zeigen Menschen so, wie sie sich wohl zu fühlen scheinen. Man bekommt nie den Eindruck, eine errangierte Szene zu sehen, sondern eine echten, gelebten Moment. Auf der einen Seite ist man stiller, manchmal auch unsichtbarer Beobachter, auf der anderen Seite ein Gegenüber im stummen Dialog und ganz bekannt mit der portraitierten Person. Die Fotografien zeugen von Respekt und Feingefühl. Zwar verraten die Bildinformationen einen Ausschnitt aus dem Leben der Portraitierten, doch lassen diese Raum für eine eigenen Geschichte. Mir kamen unweigerlich Geschichten, Filmausschnitte und Erinnerungen in den Sinn während ich die schwarz-weiß Portraits betrachtet habe.
Intensiv, intim, lustig, in sich gekehrt, freundlich – und in allen Fällen authentisch.
Auch die Lebensumgebung der Menschen kommt wird dargestellt. Die farbigen Landschaftsfotografien zeigen verschiedenste Flecken der Region. Neben den obligatorischen Stränden und Häfen sieht man kleine Gassen mit sich auftürmenden Müllsäcken, eine Kuh auf der Weide, Industriegebäude und den Ausblick aus einem Fenster. Stets mit fachlicher Finesse und der Liebe zum Detail. Die Abbildungen sind hier ganz pur, Informationen gibt es am Ende.
Die schönsten Landschaftsbilder wurden 2010 im Mare-Kalender, ebenfalls mit dem Titel “Bretagne”, eindrucksvoll abgebildet. Auch hier ziehen einen die Fotos hinein, in eine raue, sehnsüchtige und einladende Umgebung.
Für 2011 gibt es bei Mare einen Kalender mit dem Titel ” Meeresblicke”, der sicherlich lohnenswert ist und jeden Monat mit einem kleinen Kunstwerk begleitet.
Bildausschnitte, Anordnung und die kurzen Bildinformationen sind ein gelungenes Zusammenspiel. Stilvoll und dezent kann so das Werk seine Wirkung auf den Leser entfalten. Im Anhang sind gesammelt alle Seite im Kleinformat. Dies erleichtert das Suche und Finden bestimmter Fotografien und gibt Jan Keith die Möglichkeit, die Landschaftsfotografien zu kommentieren und zu lokalisieren.
Musik von Didier Squiban
Als kostenlose CD-Beigabe gibt es atmosphärische, jazzige Pianosolos von Didier Squiban. Diese unterstreicht zum Teil die im Buch erzeugte Stimmung. Nicht immer konnte ich alles wiederfinden, dann aber -stattdessen- neue Aspekte entdeckt. Diese nicht übliche Kombination von Musik und Bildband regt dazu an, sich noch intensiver einzufühlen und erfüllt so auf ganzer Länge meine Erwartungen. Zehn Titel sind auf der CD, eins und neun haben mich besonders angesprochen. Aber dieser subjektive Eindruck kann bei jedem anders ausfallen. Entscheiden Sie selbst, welcher Titel Ihre Stimmung aufgreift, welcher Ihnen am besten gefällt.
Fazit
Der Bildband Bretagne vom Mare Verlag ist mit 58 EUR nicht billig, aber der Preis ist absolut angemessen. Das Buch ist gut gebunden, hat neben dem Schutzumschlag einen Leineneinband und wird durch eine CD-Beigabe komplettiert und abgerundet. Absolut lohnenswert. Etwas für jeden, der das Meer liebt, die Ferne, die Sehnsucht und die Imagination. Zum Verschenken oder selber Behalten.
“Bretagne” herausgegeben von Nikolaus Gelpke, mit Fotografien von Mathias Bothor, Mare Verlag Hamburg, ISBN: 978-3-86648-007-0, D 58,00 EUR
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