“Buh! Aufhören!” Begeisterung klingt anders. Normalerweise. Doch beim verrückten “Lokal Loser”-Musikwettbewerb im Raum2 in Neu Tramm ist einiges ungewöhnlich.
Einmal im Jahr sind Buh-Rufe und auf die Bühne fliegende Kronkorken, die größten Komplimente, die das Publikum zu vergeben hat. Am Sonnabend öffnete der Kulturverein in Neu Tramm zum zwölften Mal seine Türen für den durchgeknalltesten Wettbewerb, den womöglich nicht nur Lüchow-Dannenberg je gesehen hat. Für Menschen mit schrägem Humor ist “Lokal Loser” zu einem Highlight im Veranstaltungskalender geworden. Nicht der Wettkampf, sondern der Spaß steht im Vordergrund. Die einzigen Regeln sind, dass der Schlechteste gewinnt und es ansonsten keine Regeln gibt. Jeder, der möchte, kann etwas zum musikalischen Programm beisteuern – egal ob Profimusiker oder talentfreier Anfänger.
Dennoch ging es am Sonnabend buchstäblich um die Wurst, denn zwei Würste waren der dritte Preis. Den gewann Kai Lachmann, der den Wettbewerb moderierte. Der womöglich hungrige Moderator hatte kurzerhand die eigentlichen Drittplatzierten “Teenage Kids” zu seinen Gunsten disqualifiziert, weil sie ihr Lied nicht noch einmal spielten. “Man muss sich ja nicht alles bieten lassen”, sagte er als er in geringelten Boxershorts und einem Batik-T-Shirt mit zu klein geratener Weste darüber die Preise verlieh. Er selbst hatte unter dem Namen “Babyhase” mit unkontrolliertem Pseudo-Breakdance das Publikum zum Lachen gebracht.
Auch seine ständig wechselnden Outfits trugen dazu bei, die Lachmuskeln des Publikums zu strapazieren – sie reichten von Frauenkostümen über weiße Unterhemden, lange Unterhosen und MacLite im Schritt. Die Krönung war als er Obst aus seiner Unterhose, die unten mit Klebeband verschlossen war, verteilte.
Mehr Niveau geht nicht.
Den zweiten Platz belegten “Zündi und Pert”, die die Ohren ihrer Zuhörer mit einem “französischen Chanson mit deutschem Text” strapazierten und einen Bausatz für ein “leider nicht mehr ganz vollständiges Modellflugzeug” gewannen.
Auch wenn Kai Lachmann die “Teenage kids”, die alle weit jenseits des Teenageralters waren, um ihre Wurst brachte, so zeigte er doch ein Herz für Kinder und ließ die Gruppe “Die kleinen Kinder von nebenan” gewinnen. “Das habe ich basisdemokratisch allein entschieden”, sagte der Moderator.
Auf der Bühne hatten die 15- bis 18-jährigen Sieger behauptet, bereits seit über zwei Jahren zusammen zu spielen und das “beste zu geben, was wir können”. Heraus kam improvisiertes Geschrammel auf Instrumenten, kombiniert mit schrägem Singsang, in dem es unter anderem darum ging, wie hart es in der Grundschule war. Ein verdienter erster Platz. Ihr Lohn: Ein Super Bingo Spiel. “Die Kinder werden ihren Sieg auf einer Pyjama-Party feiern und Super Bingo spielen”, sagte Jakob Herbart, einer von ihnen lachend.”Es ist super, dass alle so tolearant und locker sind und gemeinsam so viel Spaß haben”, fügte der 18-Jährige hinzu. “Wenn der Raum2 nicht wäre, gäbe es nichts Ausgeflipptes im Landkreis. Er ist ein Raum für Jugendliche und Junggebliebene”, sagte Anke Dombrowski, die als eine der rothaarig-perrückten “Famous Flagranti Sisters” What a wonderful world” und “Wir wollen niemals auseinander gehen” in schrägen Tönen trällerte – ganz textsicher, mit Spickzettel in der Hand.
Auch “Nars und Lobbi” aus Kaulitz waren “100 Porzent nicht vorbereitet” und präsentierten talentfreies “Gitarren-Geschrabbel mit Schlagzeugimpressionen”. Ganz andres dagegen die Band “Irre-Parabel”, die extra für die Veranstaltung ein Lied geschrieben hatte. Sie boten mit ihrem Rockmedley “Locker hocker, Lokal Loser” aus den Liedern “Ice Bear”, “My Girl”, “Yellow Submarine”, “House of the rising sun” und “Country roads” akustische Anarchie auf der Bühne.
Besonders viel Spaß bereitete der Auftritt von “Footguards”, die “Because I got high” von Afroman sangen und während des Auftritts immer mehr wurden. Ein weiterer Höhepunkt der insgesamt 20 Starter war das a capella singende Trio “Die Krebse”, das sich im Stagediving versuchte und – wie erwartet zur Freude aller – jämmerlich scheiterten. In Neu Tramm prallen vermeintlich Welten aufeinander.
Autor: Anna C. Carmienke
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