Der Kuss des Krippenkindes
Winterlich weht es und rau,
Schnee den Wolken entfällt
Und um die Stunde genau
Dunkle Nacht sich erhellt.
Es kommen die Hirten,
Kein Hund dabei,
Nichts zu lesen in den Schriften,
Nachtlicht erhellt die Triften. -
Dann fällt ein Schuss,
Blendwerk für`s Auge,
Siehe dort oben die Leuchtrakete!
Sternschnuppen fallen im schönen Bogen und
Ungelogen küsst uns das Kind,
Weil wir die rechten Freunde sind.
Klaus Grunenberg
Kritik
Das weihnachtliche Geschehen wird in die heutige Zeit gelegt und einiges, was gewöhnlich geheimnisvoll sonst erscheint, das ist hier realer geschildert als in der Weihnachtserzählung. Aber auch hier ist es Winter, ist es Nacht und Hirten sind dabei, allerdings ohne Hund, was bemerkenswert betont wird.
Es fehlen auch die Engel (als Gottesboten). – Doch wir, oder die Hirten, es ist nicht ganz klar, wer nun, können das Geschehen beeinflussen und sogar dem Kind eine Freude machen. Wodurch? Z.B. durch eine Leuchtrakete, heißt es. Vielleicht ist es auch ein Feuerwerk, ein Silvesterscherz.
Auf jeden Fall ist das Kind entzückt, erkennt uns als seine (rechten!) Freunde und küsst uns herzlich, was uns sehr berührt.
Ed Moercke
Ich bin natürlich begeistert über diese Darstellung dieser Weihnachtsüberraschung. Nach meinem mosaischen Glauben kommt der MESSIAS erst noch und ist also den Menschen bisher nicht erschienen. -
Warten heißt es deshalb für mich, warten, weiter “harren auf den Herrn”, irgendwann kommt er, der ersehnte Mensch, kommt die befriedete Zeit auf Erden. Bedenken wir bitte bei der Weihnachtsgeschichte, es handelt sich um eine jüdisches Kind, eine jüdische Mutter, die nicht verurteilt wurde, als sie überraschend schwanger wurde. Mutter und Kind sind hier Metaphern für das Leben, dem einzig Wichtigen auf Erden und das verdanken wir alle dieser wundersamen Erzählung aus dem nahen Osten, dem Friedensland, dem Hoffnungsland.
Mark Beil-Ritzi
Photo: Grey59, via pixelio.de
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