Ich plädiere dafür, dass der Herbst nahtlos in den Frühling übergeht.
Nee, was habe ich die Faxen dicke! Man schaut aus dem Fenster, und was sieht man? Schnee, Schnee, Schnee. Leider kann ich es ja nicht ändern, aber jedes Jahr komme ich wieder zu der überzeugung, dass der Winter nicht meine Jahreszeit ist.
Zugegeben, von der Optik her sieht eine verschneite Landschaft wirklich schön aus – das ist aber auch schon alles. Ansonsten sehe ich in den winterlichen Verhältnissen nur Nachteile, wie ja auch die Meldungen in den Medien anschaulich zeigen.
Da werden hunderte Flüge gestrichen; die Deutsche Bahn warnt sogar vor vollen Zügen, die dann aber manchmal auch steckenbleiben, so dass die Passagiere mehrere Stunden in der Kälte ausharren müssen; auf den Autobahnen ist der Teufel los, weil die LKW-Besitzer- und fahrer es wohl nie lernen; Busse fahren, wie sie wollen oder gar nicht mehr; die Gemeinden können aus Geldmangel nicht mehr garantieren, dass noch alle Straßen geräumt werden können; die Heizkosten explodieren, weil man die Hütte nicht mehr warm bekommt und die Leber leidet, weil man sich von innen mit einem steifen Grog anwärmt.
Nichts gegen körperliche Arbeit, aber jeden Tag mehrmals Schnee schippen ist ja nun auch nicht gerade das Nonplusultra, und wenn man dann noch mühevoll den Bürgersteig von Eis und Schnee befreit hat und es rauscht der Räumwagen der Stadtwerke heran, um den ganzen Schnee wieder auf den eben geräumten Bürgersteig zu schieben, kommt echte und wahre Freude auf. Davon bin ich glücklicherweise verschont, weil das bei uns ein – wenn auch unzuverlässiger – Hausmeisterdienst macht, aber ich kann vom Fenster aus die bedauernswerten Menschen beobachten, die sich an dieser Arbeit das Kreuz kaputt machen.
Die Mülltonnen quellen mittlerweile über, weil aus verständlichen Gründen die Sicherheit der Müllmänner vorgeht und die Straßen nicht angefahren werden können; das Auto steht sich die Reifen platt, weil ich bei diesen Straßenverhältnissen trotz Allwetterreifen nur fahre, wenn es wirklich unbedingt sein muss und überhaupt – ich mag das nicht.
Und während ich das schreibe, höre ich auch noch die sanfte Stimme meiner Frau aus dem Nebenzimmer, die entzückt sagt: “Ist das schön mit dem Schnee.” Nee, find’ ich gar nicht und nächstes Jahr muss sich da was ändern. Nicht an der Frau, die ist so, wie sie ist, genau richtig; und auch am Wetter werde ich nichts ändern können, aber da gibt es doch Regionen in Europa, da kann man wunderbar überwintern und diesem Mistwetter hier wenigstens für ein paar Wochen entfliehen. Auf Teneriffa ist zum Beispiel für die ganze nächste Woche Sonnenschein und 26 Grad angezeigt und auf Korfu ist es heiter bei 16 Grad. Im Gegensatz zu hier schöne Aussichten.
Das mache ich: Nächstes Jahr wird ein Langzeiturlaub auf den Kanaren verbracht – falls meine Frau mitmacht. Sonst muss ich den hiesigen Winter wohl wieder ertragen und da schwant mir Böses, wenn ich die Prognosen der Wetterfrösche vernehme, die voraussagen, dass die Winter in Deutschland wegen der Klimaerwärmung (????) jetzt öfter sehr früh kommen und lange anhalten.
Da befürchte ich, dass ich dem Winter auf Dauer gar nicht mehr entfliehen kann, denn wenn der in Zukunft von November bis März dauert, nützen mir auch die Kanaren nichts. Mehrere Monate will ich dort auch nicht verbringen.
Was freu’ ich mich auf den Frühling, wenn alles wieder erblüht und so schön bunt wird.
Photo: Andrea Kusajda, via pixelio.de
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