Der ‘Tatort: “Nie wieder frei sein” war für mich das TV-Highlight des Jahres 2010. Ein brillant gespieltes Kammerspiel über Demokratieverständnis, Vorverurteilung, Selbstbeherrschung, braves Bürgertum, Selbstjustiz, Unabhängigkeit der Richter und und und.
Was ist Recht?
Was ist gerecht?
Ist Recht gerecht?
Der Rechtsgrundsatz “in dubio pro Reo”, “Im Zweifel für den Angeklagten”), auch als Zweifelssatz bekannt, war Grundlage für die Story. Die Kommissare Ivo Batic, gespielt von Miroslav Nemec und Franz Leitmayr, Darsteller Udo Wachtveitl sind nicht der Meinung des Urteils und ermitteln weiter gegen den freigesprochenen Angeklagten Markus Rapp, brillante Darstellung durch Shenja Lacher. Insbesondere Leitmayr ist bereit alle Vorschriften zu verletzen und körperliche Gewalt und Drohungen zur Erzielung eine Geständnisses einzusetzen, wird aber von seinem Partner immer wieder gemäßigt…
Als Vorbild diente hier wohl der Fall Magnus Gäfgen aus dem Jahre 2002 in Hessen. Die äußerst zerbrechlich von Melanie Bauer, dargestellt von Anna Maria Sturm, ist stark genug, um mit diesem Urteil trotz allem leben zu können, aber stößt bei ihren Eltern und ihrem Exfreund auf Unverständnis. Auch der Vater des Markus Rapp (Tilo Prückner) zerbricht beinahe an dem Demokratieverständnis der lieben Mitbürger, sein Haus wird mit Parolen wie Mörder, Sau und Exkrementen beschmiert. Einzig die Pflichtverteidigerin Regina Zimmer (Lisa Wagner), eine zerbrechliche Person, hat dem Mandant noch rechtlichen Beistand geleistet. Als Melanie Bauer verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse und der Kreis der Verdächtigen reicht vom Triebtäter bis zu Melanie selbst. Melanies Eltern zerfleischen sich selbst und der Vater kommt mit der Situation überhaupt nicht klar und wirkt durch sein Verhalten nur noch mehr verdächtig.
Es hätte auch sein können, dass die Schwester eines früheren getöteten Opfers Melanie entführt und sie getötet hat, um die Tat Markus Rapp in die Schuhe zu schieben. Doch nach und nach nimmt der Kreis der Verdächtigen ab und es kommt zu einer überraschenden Wendung…
Online kann der Film in de ARD-Mediathek unter http://www.ardmediathek.de bis Sonntag von 20.00 bis 6.00 Uhr aufgerufen werden.

Ihnen ist voll zuzustimmen! Ein Tatort von hervorragender Qualität. Einfühlsam erzählter Stoff jenseits von Stammtisch Bunteblätter-Milieu. Bitte ansehen!, wer ihn noch nicht gesehen hat. Es wird niemand bereuen. Dieser Tatort dürfte lange nicht zu toppen sein.