Forsa-Umfrage: Unbegründete Patrioten

Warum Deutschlands Jugendliche stolz auf ihr Land sind Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa ergab, dass die Mehrheit der deutschen Jugendlichen stolz darauf sei, deutsch zu sein. Ganze 86 Prozent der befragten 14- bis 18-Jährigen gaben an, etwas oder sogar sehr stolz darauf zu sein. Als diese nach den Motiven für

Meine_Heimat_Europa_4.jpgWarum Deutschlands Jugendliche stolz auf ihr Land sind

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa ergab, dass die Mehrheit der deutschen Jugendlichen stolz darauf sei, deutsch zu sein. Ganze 86 Prozent der befragten 14- bis 18-Jährigen gaben an, etwas oder sogar sehr stolz darauf zu sein. Als diese nach den Motiven für ihre positive Einstellung zu Deutschland und sich selbst gefragt wurden, fielen den Befragten bedauerlicherweise nur wenige oder keine überzeugenden Begründungen dafür ein. Nahezu jeder Sechste bezeichnete Deutschland als ein “schönes, tolles Land”, wobei direkte Vergleiche zu anderen Ländern gar nicht erst in Betracht gezogen wurden. “Reichtum” und “Wirtschaftliche Stärke” wurden zudem von rund 13 Prozent genannt.

Es grenzt geradezu an Tragik, dass es Pädagogen und Erziehungsberechtigte ganz nach dem Muster bestehender Pisa-Studien bis dato offenbar nicht fertig gebracht haben, unserer Jugend den Begriff “Stolz” auch einmal zu erklären. Demnach leitet sich das deutsche Wort Stolz vom lateinischen stultitia ab und bedeutet so viel wie “Torheit”. Hätte dies denn auch nur einer der Befragten gewusst, wäre er wohl sicher nicht mehr “stolz” gewesen.

Würden wir dem Begriff Stolz dennoch eine positivere Bedeutungsseite abgewinnen können, stießen wir dabei zumindest auf die unbedingte Tatsache, dass man nur auf etwas stolz sein kann, was man auch selbst geschaffen hat. In einem bestimmten Land geboren zu sein oder dort zu leben, ist kein eigener Verdienst, auf den man auch nur ansatzweise stolz sein könnte. Auch können wir niemals auf die Leistungen anderer stolz sein, wenn wir selbst nicht daran beteiligt waren.

Besonders schade kann man es empfinden, dass in Zeiten der zusammenwachsenden EU, des vereinigten Europas und der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen bei solchen Befragungen kein Gedanke daran verschwendet wird, dass wir doch nur ein Teil des gesamteuropäischen Geflechts sind, in dem jeder von uns seine Aufgabe zu erfüllen hat und vielleicht sogar eines Tages auf seine persönlichen Leistungen für unser Europa womöglich auch “stolz” sein kann.

Ich erinnere mich an “Grenzenlose Freude”

- Was gegen zu eng gestrickten Patriotismus spricht – Wir schreiben den 4. Juli 2006, einen Tag während der in Deutschland stattfindenden Fußballweltmeisterschaft. Es ist 13:18 Uhr als ich bei 36 Grad Celsius im Schatten auf der Einkaufspassage am Fluss entlang gehe und mich trotz übermäßiger Hitze darüber freue, dass nicht nur der Sommer sondern auch eine beispielhafte und friedliche WM ins Land einzog. Autos eilen hastig vorbei, wobei nahezu jedes dritte Fahrzeug völlig selbstverständlich sein schwarz-rot-goldenes Fähnchen spazieren fährt. Dazwischen erkenne ich hin und wieder einmal die portugiesische, spanische, englische, italienische und sogar australische Nationalflagge, die zwischen den vielen Germany-Tüchern lustig im Wind flattern.

Gerade noch überlegte ich im vorbeirauschenden Fahnengewitter, wie passend doch unsere deutschen Nationalfarben nicht nur im Hinblick auf die aktuelle Weltmeisterschaft, sondern insbesondere auch im Rahmen der uns zuteil gewordenen Lobesgesänge vieler ausländischer Fans und Medien sind, nachdem hier offenherzig von der größten Partymeile der Welt und der gegenseitigen Akzeptanz und Völkerverständigung die Rede war: Wir Deutsche sind also überwiegend Weiße, lieben und akzeptieren als solche die Schwarzen, die Roten und die Gelben.

Die deutsche Nationalflagge als Spiegelbild der neuen Weltoffenheit und internationalen Akzeptanz? Warum nicht? Während ich darüber nachdachte und eigentlich schon den Entschluss für mich gefasst hatte, unser nationales Tricolor-Stöffchen auch tatsächlich als Symbol einer solchen Weltoffenheit zu instrumentalisieren, kam es beinahe noch viel besser. In diesem Meer der an mir vorübereilenden und beflaggten Blechlawine erkannte ich urplötzlich etwas intensiv Blaues im Wind wehen. Bei näherem Hinsehen dann konnte ich schließlich auch die zwölf europäischen Sterne entdecken, die von diesem satten Blau eingeschlossen waren. Einzig und allein zwischen all den Anderen: eine EU-Flagge.

Wie auffällig dieses einzige, kleine Fläggchen am Seitenfenster eines Personenkraftwagens war…

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Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de

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