Wir bewegen uns heute auf einem zeitlichen Areal, auf dem der Hase nicht geschossen, sondern freudig erwartet wird. Besonders zur Osterzeit ist nämlich in den überwiegenden Gebieten Deutschlands bekanntlich der Hase dafür zuständig, unangebrütete Eier in die Haushalte der Menschheit zu bringen. In einigen Bereichen deutscher Länder ist hingegen der Fuchs das Tier für dieserlei Aufgaben.
Da nun der Fuchs bekanntlich ein ganz schlauer Fuchs ist, sorgte dieser dort bislang schnell und unentdeckt für die Eierbescherung, um nicht etwa als falscher Hase im Ofen der Beschenkten zu landen. So ist das nun einmal, lieber Fuchs: Undank ist der Welten Lohn und Tiere wurden durch die Menschen bislang ohnehin nur zur Befriedigung der eigenen Interessen und Belange ausgebeutet, obgleich sie als lebendige Individuen durchaus einen Anspruch auf Achtung und Lebensberechtigung hätten. Der Mensch aber scheint hierfür schlechthin nicht die Eier für dieserlei Ansichten zu haben.
Dass dem so ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass du, braver, eifriger Hase, bereits als Götterbote von Aphrodite und Holda eingesetzt wurdest, da du, wie das Ei selbst, ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit darstellst. Eigentlich also ein großes Wunder, dass ihr zusammen als Osterfuchs und Osterhase bis heute diesen jährlichen Eiertanz aufführt und damit alle Risiken hinsichtlich menschlicher Unberechenbarkeit einzugehen bereit seid. Dieweil nun zu Ostern die Eier versteckt und verschenkt werden, trägt man letztere zum Weihnachtsfest wohl eher offen zu Markte, damit einem die ehrenwerte Verwandtschaft auf selbige zu gehen vermag.
Aus theologischer Sicht ist Ostern zudem das wichtigste christliche Fest, da die Macht des Todes durch die Auferstehung Jesu Christi schlichtweg besiegt wurde. Die Geburt eines Kindes im Dezember ist da naturgemäß weitaus unspektakulärer, obgleich das Weihnachtsfest oftmals aufwendiger und vor allem länger gefeiert wird. Sprechen wir da gar vom “Christfest€, so denkt das Gros hier eher an die beiden eiskalten Folgetage des Heiligen Abends anstatt an die sensationelle Auferstehung im vorgewärmten Frühjahr.
Im Gegensatz zur Weihnacht ändern sich die Daten jedoch Jahr für Jahr, da Ostern prinzipiell vom jüdischen Pessachfest abhängt und damit auf den Sonntag nach dem 14. Tag des Frühlingsmonats purzelt. Hier müssen Fuchs und Hase weitaus flexibler sein als beispielsweise der “Sozialrevolutionierte Weihnachtsmann€, der grundsätzlich zum 24. Dezember mit seinen Eiern Schlitten fährt. Die Aufgabe der Beschenkung hätten historisch gesehen ohnehin die heiligen drei Könige und keinesfalls der Weihnachtsmann, der genau genommen einem Coca-Cola trunkenen Sankt Nikolaus nachempfunden wurde und damit eine etwas unlogische 18-Tage-Grätsche vollzog.
Zudem sollte das großzügige Verteilen von Geschenken viel besser zum jeweils 6. Januar eines Jahres stattfinden, wie es uns die Monarchen Caspar, Melchior und Balthasar bereits vorgemacht hatten und es uns der spanische Teil unseres Europas bis heute vormacht. Sie wären doch auch niemals auf die Idee gekommen, Maria direkt während ihrer Geburt aufzusuchen, um dort die zusätzlichen Aufgaben von Hebamme oder Geburtshelfer zu übernehmen. Im Übrigen verfügte man nicht über so moderne Kommunikationsmittel wie Telefon, Fax oder E-Mail, so dass die Könige in Bruchteilen von Sekunden hätten informiert werden können, um sodann durch Captain Kirks Beammaschine der eigentlichen Geburt hätten direkt beiwohnen können. So gönnen wir ihnen doch die geschichtliche Zeit von dreizehn Tagen, um zu erfahren, dass für das Christuskind ein warmes, bequemes Bettchen ein wesentlich sinnvolleres Geschenk gewesen wäre, als nun gerade Gold, Weihrauch und Myrrhe, mit dem das arme Kind seinerzeit wohl nur wenig anzufangen wusste.
Doch zurück zum Osterfest: Osterfuchs und Osterhase müssen im Gegensatz zum Weihnachtsmann demnach also immer einen aktuellen Kalender in ihrem Bau zur Verfügung haben, um sich frühzeitig auf das jeweilige Osterfest vorbereiten zu können. Dieser Umstand erweitert denn auch unseren Horizont und wir lernen, dass man der durchaus intelligenten Tierwelt in der Tat noch eine ganze Menge mehr zutrauen darf, als wir es aus den nachmittäglichen Tiersendungen des deutschen Fernsehens wissen. Aber mal ehrlich: dass Reineke Fuchs ein geistig wendiger Zeitgenosse ist, haben wir doch hinlänglich gewusst. Dass jedoch auch Rudi Rammler nebst seinen recht zeitaufwendigen Fruchtbarkeitsritualen noch Zeit zum Nachdenken hat, erstaunt einwenig, wenn man diesen Sachverhalt mit dem Menschen vergleicht.
Während sich schließlich die Menschheit nach traditionell weltlich-christlicher Volkssitte seit spätestens 1559 an den Samstagen vor Ostern oder Ostermontagen mit dem Entzünden des Osterfeuers beschäftigt…
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