Der Vorsitzende des Auwärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz hat hinsichtlich der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei mehr Bewegung auf beiden Seiten eingefordert. “Äußerungen, die in der Türkei so empfunden werden, als wolle man das Land nicht als Mitglied der EU, sind nicht sehr hilfreich“, so Polenz gegen über den Deutsch Türkischen Nachrichten.
Im Interview räumt Polenz ein, dass die öffentliche Meinung “nicht enthusiastisch” sei. Der CDU-Abgeordnete rät: “Wenn wir hier die europäische Position entsprechend klarmachen, können wir es der Türkei erleichtern, über den eigenen Schatten zu springen.” Zugleich müsse jedoch auch die Türkei einen Schritt auf die Verhandlungspartner zugehen. In Zeiten des globalen Handels sei es seiner Meinung nach “unsinnig, die türkischen Häfen nicht für zypriotische Schiffe zu öffnen”. Die Türken dürften hier nicht den Fehler machen, die Zypern-Frage als eine Art “letzte Trumpfkarte” aufzubewahren, die am Ende der Verhandlungen auf den Tisch gelegt würden.
Guten Willen erwartet der Politiker aber auch von den Europäern. Man dürfe die Türkei nicht schlecht behandeln. Ablehnende Äußerungen hinsichtlich eines EU-Beitritts gelte es zu vermeiden. Für wenig hilfreich erachtet Polenz in diesem Zusammenhang auch die derzeitige Integrations-Debatte: “Es ist schwierig, eine wirkliche Integrationsbilanz vorzulegen. Dort, wo Integration gelungen ist, fällt sie nicht auf. Also werden bevorzugt jene Fälle diskutiert, in denen es nicht gelungen ist.” Gleichzeitig räumt er allerdings ein, dass – abgesehen von den Briten – fast überall in Europa Bedenken herrschen würden: “Das negative Bild des Islam trägt sicher zu einer gewissen Abwehrhaltung bei.”
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