“Wie sich herausgestellt hat, ist alles, was man braucht, um im geschichtsträchtigen Opernhaus von Sydney spielen zu können, ein YouTube-Account und ein bisschen Talent”, schreibt Zachary Sniderman von mashable.com heute augenzwinkernd in einem Blogbeitrag. Hintergrund: Kürzlich hat das YouTube-Symphonieorchester (YSO) die Namen derjenigen Künstler bekannt gegeben, die einen Platz im Ensemble ergattern konnten. Darunter auch ein 37-jähriger Deutscher. “Alles, was sie dafür tun mussten, war ein Video von sich selbst zu posten, in dem sie ein klassisches Stück vorspielten”, erklärt Sniderman weiter. Die Vorführung einer außergewöhnlichen Begabung, nebst den Stimmen der Internetuser – so lautet also die neue Mixtur auf dem Weg nach oben.
Ein Mix aus schrägen und “wirklichen” Talenten
Das YSO ist bereits im zweiten Jahr aktiv. Es ist ein klassisches Orchester – aber entstanden aus einer Masse an “Online-Bewerbungen”. So wie im vergangenen Jahr als eine komplette Mannschaft aus Profis und begabten Laien aus einem Pool Video-Clips auserkoren wurde. Zunächst haben sich die Musiker dann in New York getroffen, um in der nicht minder berühmten Carnegie Hall aufzutreten.
2011 sind die Bewerber ebenfalls auf der ganzen Welt verstreut. Diesmal kommt nach dem eigentlichen Wettbewerb auch ein Mix aus schrägen und “wirklichen” Talenten zum Zug. Mit dabei ist auch ein deutscher Posaunist namens Roman Riedel, der das Stück “Rudolf the Red-Nosed Reindeer” auf einer Vuvuzela zum besten gibt – dabei steht er in einen Smoking gehüllt mitten im Schnee. Gemeinsam mit seinen 100 Musiker-Kollegen aus insgesamt 33 Ländern wird der 37-jährige Bad Kissinger sich in Sydney unter dem Dirigat von Michael Tilson Thomas treffen. Eine Woche lange stehen dann zahlreiche Events auf dem Programm, die schließlich in einem großen Konzert im kommenden März im Opernhaus von Sydney münden. Übertragen wird die Veranstaltung natürlich per Livestream auf YouTube und über die mobilen Apps. “Hier waren, wie bei jedem Probespiel, für jedes Instrument anspruchsvolle Werke des klassischen Repertoires gefordert.
Eine Jury aus Berliner Philharmonikern & London Symphony Orchestra siebte hier unter tausenden von Bewerbungsvideos die ‘Finalisten’ aus (1. Runde). Über die ausgewählten Finalisten-Videos konnten dann eine Woche lang die Internet-User abstimmen (2. Runde/ Finale). Letztendlich hat dann aber der Dirigent Michael Tilson Thomas nach Durchsicht aller Finalisten-Videos entschieden, wer im ‘YTSO2011′ mitspielen darf (3. Runde)”, erklärt Riedel noch einmal das durchaus anspruchsvolle Prozedere.
“Letztes Jahr wollten wir von euch wissen, wie musikalisch ihr wirklich seid. Ihr konntet uns Videos mit eurem Vorspiel für das YouTube Sinfonieorchester oder eure Improvisationen zu dem Stück ‘Mothership’ senden, das exklusiv von dem amerikanischen Komponisten Mason Bates für das YouTube Sinfonieorchester komponiert wurde (…) Eure Einsendungen haben uns dieses Jahr wirklich umgehauen!”, heißt es hierzu auch auf dem hauseigenen YouTube-Channel. Jetzt sind neben dem Vuvuzela-Künstler auch ein Kuchengabel-Spieler aus Beijing oder einen Gitarrist aus Brasilien dabei – allerdings handelt es sich hierbei um eine E-Gitarre (beide im Bereich Improvisation).
Obwohl also das Orchester anfänglich als eine rein klassische “Veranstaltung” mit den üblichen Instrumenten wie Violine, Horn und Percussions gedacht war, war schon immer klar, dass jeder daran teilhaben können sollte. “Normalerweise findet ein Vorspielen hinter den Kulissen statt. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir genau das in Frage stellen”, erklärt Ed Sanders, YouTubes Group Marketing Manager. “Wenn jemand das Talent und eine Webcam hat, dann sollte er diese Nuss auch knacken können.”
“YouTube hat uns als Gewinner dazu angehalten, etwas Originelles über sich zu machen. Und da ich mich bei YouTube ‘MrVuvuzelaman’ nenne, habe ich einfach die Gelegenheit genutzt, dem Internet-User meinen ungewöhnlichen Nickname zu erklären”, so Roman Riedel. Vor der winterlichen Kulisse des berühmten Regentenbaus in Deutschlands bekanntester Kurstadt, Bad Kissingen, stellt sich Roman nun seinem Publikum vor:
Zuvor hat er mit diesem Bewerbungsvideo überzeugen können:
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.