Ursula Sarrazin: Die deutsche Schule schafft sich ab.

Thilo Sarrazin hat augenscheinlich zuhause volle Rückendeckung. Seine Frau scheint ganz auf seiner Welle zu liegen. Der konservative SPD-Mann ist ja auch nicht ein Wüterich, der blind um sich schlägt. Wird er nicht gefeiert als der Herold überkommener deutscher Werte? Schließlich geißelt Sarrazin nur bestimmte Empfänger staatlicher Transferleistungen, nämlich die

P1150329.jpgThilo Sarrazin hat augenscheinlich zuhause volle Rückendeckung. Seine Frau scheint ganz auf seiner Welle zu liegen. Der konservative SPD-Mann ist ja auch nicht ein Wüterich, der blind um sich schlägt. Wird er nicht gefeiert als der Herold überkommener deutscher Werte?
Schließlich geißelt Sarrazin nur bestimmte Empfänger staatlicher Transferleistungen, nämlich die nicht integrationswilligen Muslime und die arbeitsunwilligen Hartz-IV-ler. Und natürlich ärgert er sich über den Staat, der in der für ihn als unnötig erklärten Hilfe für solche unwerten aber höchst reproduktiven Leute sich als Land der Deutschen selbst abschafft.

Jetzt geht es durch Presse und Fernsehen, dass seine Frau Ursula Sarrazin, 59-jährige Grundschullehrerin in Berlin, als Lehrerin gegenüber ihren Schülern wohl auch eine harte Gangart vorzieht.

Auch Frau Sarrazin hat es womöglich mit den Nichtdeutschen. Man hört, dass sie einen japanischen Schüler, dessen Namen sie sich nicht merken konnte, unter dem Gelächter der Mitschüler permanent “Suzuki” nannte.

Andererseits: war das nicht früher an fast allen Schulen normal, dass Lehrer Schüler beleidigten?

Wenn ich nur an meinen inzwischen sicher verstorbenen Erdkundelehrer denke, der nicht aufhören wollte, mir den Spitznamen “Kuno” anzuhängen, nur weil mein Vater diesen Vornamen trug. Wie einfallsreich, aber bei den Mitschülern nicht ohne Wirkung! Erst als ich ganz energisch auftrat, hörte der Unsinn auf. Ich vergesse es auch einem meiner Lehrer nicht, die die ganze Klasse pauschal “zähe Masse, Rübenkraut” und “Halbliterköpfe” nannte und  volle zwei Unterrichtsstunden lang auf einem Mitschüler herumhackte, der unter dem Tisch heimlich das schmale Comic-Heftchen “Primo Carnera” gelesen hatte. Dem armen Jungen und der Klasse wurde in schrillsten Tönen seine künftige Karriere vom Bauchladenhändler zum Großhändler von Schundromanen ausgemalt. Was ist dagegen schon das Verhalten einer Lehrerin, die einem ausländischen Schüler ein verächtlich machendes albernes Etikett anheftet!

Auch systemkritische Töne brachte Frau Sarrazin angeblich unter die Grundschüler, indem sie sie als “Hauptschüler” beschimpfte. So zeigt man seine Kritik am Schulsystem und den dummen Schülern! In einem Falle soll Frau Sarrazin einen Schüler mit einer Blockflöte geschlagen haben. Sie bestreitet das mit dem Hinweis, dass sie so etwas einem so schönen Instrument doch nie antäte. Aber was ist ein leichter Schlag mit einer Blockflöte, die offenbar dabei nicht beschädigt wurde, gegen das, was früher an vielen Schulen hingenommen wurde? Da  fällt mir doch der Klasssenlehrer ein, der einen Quintaner vor der ganzen Klasse wild zusammenschlug, weil dieser sich auf dem Schulhof mit einem (kräftig gebauten) Sextaner herumgeschlagen hatte – und dann den Bösewicht am Ohr zum Rektor zerrte, der prompt weiter auf ihn einprügelte.

Was an den Vorwürfen dran ist, ist noch nicht geklärt. Vielleicht wird bei der Aufklärung auch überprüft, was 2008 passierte, als der Schulrat Hartmann nach Beschwerden über ihren angeblich groben Umgang mit den Schülern Frau Sarrazin versetzen lassen wollte und am Ende selbst gehen musste. Die Frage wird erlaubt sein, ob ihr damals noch in Amt und Würden stehender Ehemann interveniert hatte.

Letzten Freitag ging bei der Schulbehörde ein angeblich schon länger von den Sarrazins geplanter Antrag auf Beurlaubung bis zum Ende des Schuljahres und auf Pensionierung mit 60 ein. Nach dem Gesetz haben Lehrer das Recht, schon mit 60 aus dem Dienst auszuscheiden. De facto bedeutet das, aus der Allgemeinheit der Leistungserbringer in das Lager der Empfänger von Transferleistungen zu wechseln. Dorthin begleitet sie ihren Ehemann, der der Not, sein Geld durch Arbeit zu verdienen, längst enthoben ist.

Aber untätig wird auch Frau Sarrazin nicht werden. Wie man hört, will sie es ihrem Ehemann nachmachen und ein Buch schreiben. Der Titel? Wie wäre es mit: “Die deutsche Schule schafft sich ab.”

Photo: Dieter Schütz, via pixelio.de

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  1. Dass Politiker es geradezu darauf anlegen, staatliche Transferleistungen für sich oder von ihnen Begünstigte abzuzapfen, zeigte schon Herbert Wehner, der um ihr seine Rente zuzuschieben die Tochter seines verstorbenen Sohnes, seine Schwiegertochter, heiratete. Das Ziel der Ehe von Helmut Kohl mit der 35 Jahre jüngeren Maike Richter galt sicherlich ebensolchem Zweck.