Bald gleitet Dampfplauderer Günther Jauch elegant auf das Sendeplätzchen der kurz nach ihrem einigermaßen, zu Hoffnung Anlass gebenden, TV-Talk-Start gleich wieder entschärften, und uns seither Sonntag für Sonntag journalistisch meist derb (ent)täuschenden Anne Will. Will wird demnächst fast in Nähe zum ARD-Nachtprogramm versendet. Und dort womöglich versanden?
Nun also bald Jauch!
Na, dann gute Nacht, Marie!, stöhnen bereits jetzt diejenigen, welche noch andere Programm-Zeiten erleben durften. Die Zuschauerinnen und Zuschauer unter uns jedoch, welche heutzutage etwa “Dschungelcamp” so gebannt verfolgen, als sei das ein spannender Durbridge-Krimi, oder die Mitmenschen, die auch nach Dieter Bohlens dicksten verbalen Ausrutschern noch schenkelklatschend wie bekloppt auf ihrer Couch herumhüpfen, können überhaupt nichts dabei finden: Jauch? Ist doch geil, der Typ!
Als heraus war, Jauch folgt auf Will, titelte FAZ.NET treffend: “Der Mann ist eine Marke” Und zwar, so möchte ich bescheiden hinzufügen: eine Millionen schwere!
1985, als Albrecht Müller noch im Spiegel schreiben durfte
Auf den NachDenkSeiten (NDS) von gestern ging man der Frage “Ist Unterhaltungsfernsehen gesellschaftlich und gesellschaftspolitisch von Bedeutung?” nach. Auf die Vorbereitung darauf stiess NDS-Herausgeber Albrecht Müller auf seine Rezension von Neil Postmans “Wir amüsieren uns zu Tode” im Spiegel (Ausgabe vom 16. 12. 1985). “Wo ich”, wie Müller bemerkt, “damals noch schreiben durfte”.
Liebe Leserinnen und Leser lesen Sie den Müller-Artikel von 1985 (!), und schauen Sie sich die Medien-Wirklichkeit von 2011 an. Dann, so Sie mögen, fällen Sie ein Urteil. Albrecht Müller war von 1973 bis 1982 Leiter der Planungsabteilung des Kanzleramtes unter Willy Brandt.
Wir sollten diesen Beitrag von Albrecht Müller im Kopf abrufbar haben, wenn die “Marke Jauch”, auf den Will’schen Sessel geglitten sein wird, und munter drauf los plappert…
Dazu fällt mir nachträglich noch das schlimme Abschmieren des ARD-Satire Gipfels mit einem Gastgeber Dieter Nuhr, ein!
Schlimmer geht’s wohl nimmer. Oder doch: Wenn Pocher das einmal übernehmen sollte!
O, ARD, wo willst Du hin?
Man muss nur einmal bedenken, was vor einem Satire Gipfel einst einmal lange und gut war: Dieter Hildebrandts “Scheibenwischer”!
Jetzt wünscht man sich direkt einen richtigen, grossen, einen der so manches wegwischt, das die ARD uns da auf die Mattscheibe sendet!