Zornig schon, aber vor allem aufklärerisch ist dieses Buch der libanesischen Lyrikerin und sehr engagierten Frau. Man darf sich nicht von ihrer Attraktivität und durchdringenden Erotik allzu sehr ablenken lassen, denn die Absicht der Autorin besteht meines Erachtens darin, dass sie ihren Zorn, ihre Wut an den Verhältnissen ihrer Heimat (Libanon) ablässt und zudem dem Vorurteil der westlichen Welt gegenüber den arabischen Frauen Vorschub leisten möchte.
Deshalb ist dieses Buch auf Anhieb vielleicht etwas überraschend realistisch und nüchtern, was aber dem Zweck der Aufklärung dient. -
Gut, es werden all die negativen Dinge aufgezählt, die in etwa bekannt sind, die nicht Gefallen finden können, aber es ist immer wieder beruhigend zu erfahren, wie eng die kulturellen Verbindungen des nahen Ostens mit dem sogenannten Westen sind. Es ist deshalb schon verwunderlich, dass nicht mehr weit mehr Aufgeschlossenheit, Freiheit des menschlichen Individuums dort möglich ist, wo immer wieder und gerade heutzutage erhebliche Probleme herrschen.
Herrschen ist hier der richtige Ausdruck für das, was geschieht.
Egal, wo im nahen Osten, überall sind Spannungen zu spüren und der “Deckel auf dem Wassertopf” rast gewaltig; die Machthaber aber drücken ihn immer wieder den Deckel auf den Topf. Was passiert mit einem Kessel, der dem Überdruck nicht standhält?
Er explodiert.- Wir sind gerade Zeugen dieses Vorgangs und wünschen sicherlich der mutigen Jugend in den arabischen Ländern, wie überhaupt in unserer unterdrückten Welt, viel Glück und Erfolg! – Joumana Haddad hat als Kind schon viel erlebt und weggesteckt, in Beirut nämlich. Wir wissen alle und können uns kundig machen, was im Libanon (und in der Nachbarschaft!) stattfand und was immer noch ansteht. -
Wehe den Machthabern, die nicht menschengerecht handeln, Menschen lassen sich nicht ewig unterdrücken!
Auch die Religionen sind zur Menschenverbindung da und nicht zur schädlichen Trennung. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund, sie schreibt nicht blumig wie Scheherazade in “Tausend und eine Nacht” , sondern nennt alle Übel, auch den sog. Ehrenmord, die Beschneidung der Mädchen und die anderen unterdrückenden Übel durch Religion und Gesellschaft. Die quasi als Beigabe ermöglichte Erotik, worauf sie ab und zu anspielt, ist nicht die ausschlaggebende Sache, allerdings macht sie als modern denkender und fühlender Mensch keinen Unterschied zwischen Körper und Seele, wie es ja in einigen Religionen durchaus gängig ist und im Abendland sowieso seit den griechischen Philosophen.
Vielmehr entnimmt sie ihrem Körper alle guten Eigenschaften und Gefühle, wie auch die dunklen Seiten, steht damit also auf der modernen, naturwissenschaftlichen Seite. Mit ihrem Buch und mit ihrer literarischen Arbeit allgemein unternimmt Joumana Haddad eine wertvolle Aufgabe für jetzt und für die Zukunft.
mehr unter:
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.