Demokratie und Fernsehen

Nach Auffassung mancher Zeitzeugen sind es nicht die Illuminaten oder andere Geheimlogen, sondern es ist das Fernsehen, das die Demokratie bedroht. Ja, die Gefahren lauern überall und das Fernsehen hatte wegen seiner Beliebtheit schon immer einen schlechten Ruf. Doch bedroht das Fernsehen wirklich die Demokratie? Um das beurteilen zu können,

4582353_3b6d40555f.jpgNach Auffassung mancher Zeitzeugen sind es nicht die Illuminaten oder andere Geheimlogen, sondern es ist das Fernsehen, das die Demokratie bedroht. Ja, die Gefahren lauern überall und das Fernsehen hatte wegen seiner Beliebtheit schon immer einen schlechten Ruf. Doch bedroht das Fernsehen wirklich die Demokratie?

Um das beurteilen zu können, müssten wir uns darauf einigen, was die Demokratie eigentlich ist. Wenn wir nach den Wegen zur Demokratie suchen, müssten wir mehr oder weniger zuverlässige Vorstellungen davon haben wie sie aussieht oder woran wir die Demokratie erkennen können, falls wir sie irgendwann zufällig finden sollten. Sonst besteht die Gefahr, dass wir an der Demokratie einfach vorbei laufen, ohne zu ahnen, welchen Schatz wir da verkannt haben.

Es besteht nämlich der Verdacht, dass seit der Einführung der Zuschauer-Quoten ausgerechnet das Fernsehen immer demokratischer wird. Die Macher müssen sich danach richten, was der Mehrheit der Zuschauer genehm ist. So gewann z.B. der “Dschungelcamp” neulich die absolute Mehrheit, mehr als fünfzig Prozent der Zuschauer. Und kann daher in unseren Wohnzimmern ganz alleine regieren. Ohne irgendwelche Koalitionen schließen zu müssen.

Leider haben wir im Fernsehen keine Wahlkommission, welche die Zahlen amtlich überprüfen würde, so dass wir es nur glauben können oder müssen.

Aber auch nach einer amtlich überprüften Wahl können wir nur glauben, dass die Politiker wirklich das tun werden, was wir uns von den Politikern erhofft haben. Überprüfen können wir das nicht, weil das Handeln der Politiker oft im Verborgenen bleibt. Und damit kommt ans Tageslicht, das unser Vertrauen gegenüber dem Fernsehen wie auch gegenüber der parlamentarischen Demokratie sehr von dem Glauben abhängig ist.

Es gibt nicht nur eine Demokratieform

In der parlamentarischen Demokratie müssen wir es glauben, dass die Politiker das tun, was wir uns wünschen. In einer direkten Demokratie könnten wir den Politiker ganz konkrete Aufgaben auftragen, welche erledigt werden müssen. Und wir könnten sie dabei auch strengstens kontrollieren, ob sie wirklich das tun, wofür sie von uns eingestellt wurden. Wir wären auf den Glauben nicht mehr angewiesen.

Doch weil in der Demokratie die Mehrheit entscheidet, dann müssten die Politiker eigentlich das tun, was ihnen die Mehrheit der Bürger aufträgt und leider nicht das, was ich ihnen gerne persönlich befehlen würde. Und das könnte für mich frustrierend sein. Wie mit dem Fernsehen, das sich immer mehr nach dem Geschmack der Mehrheiten orientiert und nicht nach meinem persönlichen Geschmack.

Dank den Zuschauer-Quoten steht das Fernsehen der direkten Demokratie deutlich näher als der politische Alltag. Das Fernsehen führt uns deutlich vor Augen, warum wir die direkte Demokratie unterschwellig misstrauen, ohne sie richtig ausprobiert zu haben. Wir können nicht nur gegenüber den Politikern unser Vertrauen schlecht aufrecht erhalten, sondern nicht einmal gegenüber der demokratischen Mehrheit unserer Mitbürger. Und leider ist die Mehrheit der Mitbürger uns gegenüber immer in der Mehrheit und wir selbst gehören immer zu irgendwelcher vernachlässigten Minderheit.

Mit den Volksvertretern ist es anders: Die sind gegenüber dem Volk immer in der Minderheit. Also haben wir vor den Politikern doch etwas weniger Angst als vor der direkten Demokratie mit ihren unberechenbaren Mehrheiten.

Mit der Demokratie umgehen lernen?

Ja, wir müssten lernen, mit der direkten Demokratie umzugehen. Wir müssten uns mit unseren Mitbürgern viel besser austauschen können, als wir es jetzt tun. Die direkte Demokratie würde uns ziemlich viel fordern, weil wir dabei sehr viel machen müssten. Womöglich sogar noch mehr als die Politiker.

Deswegen hat die parlamentarische Demokratie auch einige unverkennbare Vorteile: Wir müssen nicht viel tun, dafür können wir über die Politiker kraftvoll schimpfen. Genauso wie über das Fernsehen…

Und trotzdem: Das Fernsehen bekommt erst nach seiner Leistung die begehrte Zuschauer-Stimme. Die Politiker bekommen ihre Stimmen schon vorher. Und danach ist es egal was sie leisten. Die soziale Absicherung der Politiker ist weder von unseren Stimmen, noch von deren Leistung abhängig. Und deswegen ist in der parlamentarischen Demokratie vielen Politikern so ziemlich alles egal. Im Vergleich dazu muss das Fernsehen auf seine Zuschauer viel mehr Rücksicht nehmen.

Photo: beedieu, via flickr

Kommentare

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  1. Lieber Herr Albern,

    “das Fernsehen” ist doch nicht demokratisch legitimiert, besonders nicht das private Fernsehen!Ihre Besinnung über die Demokratie lässt die Realität außen vor, dass die gelebte Gesellschaft mit dem demokratisch verfassten Staat nicht einher geht.

    Demokratie ist im idealen Fall die Herrschaft des Volkes, bei der alle Bürger gleich an der politischen Willensbildung beteiligt sind, dass sie frei entscheiden, worüber sie befinden wollen, dass dann die Mehrheit den Ausschlag gibt und dass am Ende auch das getan wird, was entschieden wurde. Warum nur kriegen wir überall nur einen verkürzten Begriff von Demokratie vorgehalten?!

    Die öffentlich-rechtlichen Fernsehgesellschaften haben zumindest auf dem Papier eine teilweise demokratische Legitimation, weil sie einer Aufsicht von Gremien unterliegen, in der die politisch gewählten Parlamente wesentlich mitzureden haben.
    De facto aber sind sie wie alle anderen Medien auch eingebunden in ein Herrschaftssystem einiger weniger Medienzaren (und Zarinnen), die in völlig undurschsichtiger Weise mit den Wirtschaftsmächtigen des Landes und der Erde sowie der von ihnen an der Leine gehaltenen Politikern die Linie vorgeben.

    Was sich die Mehrheit des Volkes an Unterhaltungsidiotien vorsetzen lässt, hat mit Demokratie nichts zu tun! Über die Einschalthäufigkeit bestimmt die Masse der Zuschauer zwar inidrekt mit, welcher Kram gesendet wird. Dir Sendeanstalten tragen aber allein die Verantwortung dafür. Wenn sie die schale Unterhaltung nicht wollen, machen sie eben in Kultur! Die Sender machen Sarrazin ja auch nicht zum Talkmaster, obwohl der bestimmt gewaltige Einschaltquoten bringen würde! Es ist unübersehbar, dass auch die öffentlich-rechtlichen Sender bewusst desorientieren und Informationen lenken. Da herrscht nicht einmal eine Scheindemokratie!