Unnütze Wortspiele.
Wer nicht selbst darunter gelitten hat, hat es zumindest miterlebt, wie ein Schüler den anderen neder ständig nieder gemacht hat, bis das Opfer es kaum noch ertragen konnte. Im Deutschen haben wir dafür das aussagekräftige Wort hänseln, das in uns spontan Assoziationen weckt zu aufziehen, bloßstellen, zum Gespött machen, blamieren, verhöhnen, lächerlich machen, sich lustig machen, verächtlich machen, verspotten, anpflaumen, aufhetzen, verhohnepiepeln, beschämen, veralbern, hochnehmen, auslachen, anschmieren, aufs Kreuz legen, narren, flachsen, auf den Arm nehmen, foppen, sticheln, necken, uzen, reizen, provozieren, tyrannisieren, schikanieren und viele Gemeinheiten mehr.
Die Wortherkunft des Hänselns vom heute noch in Niedersachen bekannten Verb hansen, d.h. in eine Hanse, also eine Gesellschaft, aufnehmen, kennt kaum jemand. Vor die Aufnahme in Gemeinschaften stellen Menschen aber gern Bedingungen, Rituale oft alberner Natur. Es ging also ursprünglich nicht darum, durch hänseln den Hans zum Hänschen oder Hanswurst zu machen, sondern ihn zu prüfen, ob er auch für dieGmeineschaft taugt. Später übernahm allein das Irrationale bei dem Vorgang des Hänseln den ganzen Wortsinn.
All die vielen schändlichen Verhaltensweisen, die zum Spektrum des ewigen Hänselns gehören, werden wie in fast aller Wissenschaft üblich, von der Psychologie, der Psychotherapie, und ihnen folgend von den Medien unter englischen Begriffen verwaltet. Sehr verbreitet ist das englische “Mobbing”, was nichts anderes meint als ein Ausgrenzen und Hänseln über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Warum sprechen wir nicht einfach davon, dass jemand über einen langen Zeitraum hinweg gehänselt wird, statt ein Fremdwort zu benutzen, das keine Assoziationskraft besitzt, die wir nicht selbst herstellen. Es ist doch nicht der Sinn von Sprache, Begriffe zu benutzen, deren Inhalt wir erst selbst aufbauen müssen. Hänseln durch Mobbing zu ersetzen reicht den Experten aber nicht. Mobbing hat sich als Begriff ohnehin mehr außerhalb der nativen englischen Sprachen verbreitet , ähnlich wie das Wort Handy, unter dem kein Engländer ein cell phone erkennt. In der eigentlichen englischen Sprache ist Bullying das was wir dem Mobbing zuordnen, also genau ein länger anhaltendes Hänseln. Bullying gibt es dort auch unter Schülern und Geschwistern, steht aber besonders im Fokus beim Psychoterror am Arbeitsplatz.
Hänseln (Mobbing, Bullying) ist ein großes gesellschaftliches Problem
Bullying auf der Arbeit abzuschaffen ist das Hauptziel des Workplasce Bullying Instrituts des amerikanischen Sozialpsychologen Gary Namie. Er hat ermittelt, dass in den U.S.A. bereits jeder Dritte in seinem Arbeitsleben über einen längeren Zeitraum von Kollegen gehänselt wurde.
Länger währendes Hänseln (Mobbing, bullying) findet in ebenfalls erheblichem Umfang unter Geschwistern statt. Besonders ältere Geschwister hänseln die jüngeren gern bis zu einem Punkt, an dem die Opfer es einfach nicht mehr ertragen. Die Wege des Hänselns sind vielfältig, besonders gemein sind die Manipulation der Psyche des Opfers durch Abwertung und abschätzige Erwartungshaltung (“Du geborener Verlierer”), häßliches Nachreden, Gerüchtebildung und offene und versteckte Einschüchterung.
In der Schule findet sich dasselbe Bild. Da lassen sich die Täter besonders gern an den Mitschülern aus, die irgendwie anders sind oder anders denken. Andere Herkunft, Hautfarbe, dick pder dürr zu sein, eine Brille zu tragen oder ein Gebrechen zu haben, all das sind Anknüpfungspunkte für die Täter, die meist unermüdlich zu Werke gehen. Hundsgemein ist es, wenn mit dieser Methode Menschen mit abweichender psychischer Struktur, wie hochintelligente Asperger Autisten, aufs Korn genommen werden, die von der Natur der Sache her schon daran gehindert sind, sich sozial frei an Andere anzuschließen.
Gehänselt zu werden, ist für die Opfer ein schwerer Stress.
Die erste Gegenwehr muss darin bestehen, das eigene Selbstwertgeführ zu stärken. Ein bestimmtes Auftreten gegenüber den Tätern ist macnhmal alles was es braucht, um den Spuk zu beenden. Aber das reicht nicht immer. Das immer weiter gewuälte Opfer braucht Hilfe bei Eltern, Lehrern, (gut gesinnten) Geschwistern, Freunden und so bald wie möglich Psychotherapeuten. Oft geingt es, den Stress auf diese Weise zu beenden und alles ist wieder gut. Eine andere Möglichkeit ist es, dem Stress den Zahn zu ziehen, zu lernen, ihn abzubauen, ihn zu relativieren. Das allerdings setzt eine hormonell-mentale Stabilität voraus, die gezielt aufgebaut werden muss. Psychiater setzen da regelmäßig auf die Verschreibung von Psychopharmaka €“ mit ungewissem Erfolg, besonders wenn man an die zwangsläufigen Nebenwirkugen denkt. Dagegen ist neben den Bemühungen um die Stärkung des Selbstwertgefühls die bewusste Förderung der Bildung und Ausschüttung des Anti-Stress-Hormons Serotonin der einzig richtige Weg. Viel Bewegung in der freien Luft und die richtige Ernährung sind die Wege, die nachhaltig helfen.
Mit diesen Methoden hilft man aber nicht nur den Opfern. Probleme haben insbesondere die Täter, die vom Hänseln nicht lassen können. Der Psychotherapeut Dr. Shaw spricht da bei Kindern von Hinweisen auf eine “oppositionelle Verhaltensstörung” wie
€¢ Schwere Wutausbrüche
€¢ Häufiger Streit mit Erwachsenen
€¢ Schwierigkeit, Regeln zu befolgen
€¢ Absichtliches Ärgern von Mitmenschen
€¢ Schuldzuweisung für eigenes Fehlverhalten auf andere
€¢ Übermäßige Reizbarkeit und Rachsucht
Es geht davon aus, dass bei etwa 3% aller Mädchen und 6% aller Jungen ausgeprägte solche Störungen vorliegen. Die meisten Ärzte werden bei solcher Lage auch heute noch das sehr in der Kritik stehende Psychopharmakum Ritalin ® verschreiben, das die Kinder ruhig stellt. Aber auch den Bösewichtern hilft es, ihren täglichen Stress mental unter Kontrolle zu kriegen.
Photo: retorta_net, via flickr
o.k.