Das hier ist ein Versuch, Adolf Hitler aus seiner ganz eigenen Perspektive zu beschreiben, etwa so, wie er als Mensch gefühlt, gelebt, gedacht, geliebt, gehasst, gelogen, verführt und vernichtet hat.
Uwe Bolius hat dafür eine Sprache gewählt, die dem Ganzen einen besonderen Reiz gibt, denn man weiß aus der Hirnforschung, dass der Mensch mit etwa 14 Jahren bereits ein völlig ausgewachsenes Gehirn hat, nur fehlt ihm die Erfahrung des Lebens, die er erst noch machen muss. -
Und etwa so, fast tastend, bewegt sich der Protagonist Hitler in diesem Buch als Phänomen, das bereits von vielen Forschern untersucht worden ist, der Autor nennt einige. In einzelnen Kapiteln wird Adolf Hitler lebendig, lebt auf in eigenartiger, oft skurriler Art als oftmals “komischer Onkel”. -
“Hitler von innen” also, der Verliebte und möglicherweise abgewiesene Liebhaber seiner Nichte Angela Raubal, der Eifersüchtige auf Emil Maurice (Geliebter der Raubal), der Mörder seines Duzfreundes Ernst Röhm, das allein schon sind Betrachtungen, die für einen Roman ausreichen würden, oder für ein Bühnenstück. – Das ehemals verwöhnte Kind, der herumvagabundierende junge Erwachsene, der Freiwillige im bayerischen Heer (nicht im österreichischen!) konnte langsam seine Unsicherheit verwischen, niemals aber ganz. -
Die Bilder und Filme von damals zeigen ihn immerhin in einer gewissen Unsicherheit.
Er hat sich so entwickelt, als Geschlagener einer “Beat-Generation”, aus Jugend und Krieg hervorgegangen (und verdorben), so dass er um 1920 herum als Monty Python-Gestalt jederzeit hätte fungieren können mit Tendenz zur Hochkomik. – Doch das, dieses Komische, so Uwe Bolius in seiner Nachrede in diesem Buch, darf uns nicht hinwegtäuschen. Unheimliches wird versteckt (verheimlicht!), was weiterhin zu ergründen wäre und bereits durch Forschung zugänglich ist (Milgram-Experiment). -
Die eigentliche Begabung Hitlers als Künstler (hätte man ihn nur in die Akademie aufgenommen!) wäre für ihn als zukünftigen Maler, Architekt, Museumsleiter o.ä. möglich gewesen und so wäre seine Veranlagung, seine Triebkraft vielleicht (!) doch gezähmt worden. -
Die Härte in der frühen Kindheit (brutaler Vater!), die einigermaßen engstirnige Erziehung katholischer Prägung mit ihrer sexuellen Verdrängung scheint ihn tief verunsichert zu haben, die Geborgenheit im Soldatenleben gab ihm erst etwas wie ein Zuhause, daraus machte er, als komischer, aber sympathischer Österreicher das, was er immer sein wollte, einen Abenteurer von immer größerer Verwerflichkeit, weil auch Gleichgesinnte ihm das zuspielten, was er sich erhoffte, nämlich Bestätigung seiner zutiefst verletzten Ehre als Kind und als Künstler.
Dass sein Hass auf die Juden eigentlich einem Neid auf den großen Bildungsanspruch gerade dieses religiösen Volkes entsprach, hätte vielleicht noch in diesem Buch erwähnt werden können, es passte genau in seine verschrobene Vorstellung von Kultur, Bildung und Rasse, entsprach aber auch seiner Halbbildung, die er immer wieder durch ständiges Lesen untermauerte. ”
Die Ermöglichung seiner inneren Befreiung verdankte er der Niederlage im1. Weltkrieg und der sich damit anschließenden Unordnung im Reich; das brachte ihn in Stellung. Ein Sieg hätte das sicher verhindert, weil die alte Ordnung beibehalten worden wäre.
Der Mensch Adolf stand nicht allein, er reagierte auf die Menschen und die Menschen reagierten auf ihn, warfen ihm, dem sich in Cäsarenpose Spielenden ein “Heil” entgegen und ihre verdorbenen Seelen, so unsicher und verstört waren auch sie. Uwe Bolius ist nahe an den Ursachen und der Wirkung dieses Gesamtphänomens gelangt. Gleichsam in szenischen Darstellungen ringt sein Roman dem Menschen Hitler das ab, was wir gerne wissen würden, die Ursache seines Wirkens und Seins. Eine weitere, fundierte Forschung bleibt wohl der Tiefenpsychologie vorbehalten, wird uns noch lange beschäftigen und hoffentlich heilen.
Dieses interessante Buch sollte Vorlage für ein Bühnenstück sein.
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warum ist der mit 4,7 auf der startseite? und das was in dresden passiert ist (5,7) nicht ??