Libyen in Aufruhr – Ein Kommentar

Aus Kairo KAIRO/ TRIPOLIS. Eine Zeit der Dunkelheit und der Ungewissheit steht den arabischen Staaten, insbesondere in Nordafrika, bevor. Nach den Regimestürzen in Tunesien und Ägypten, lehnt sich nun das Volk in Libyen gegen die autoritäre Staatsmacht unter dem Despoten Muammar al-Gaddafi auf. Der seit über 40 Jahren herrschende, selbst

3619260167_a608e85ab2.jpgAus Kairo

KAIRO/ TRIPOLIS. Eine Zeit der Dunkelheit und der Ungewissheit steht den arabischen Staaten, insbesondere in Nordafrika, bevor. Nach den Regimestürzen in Tunesien und Ägypten, lehnt sich nun das Volk in Libyen gegen die autoritäre Staatsmacht unter dem Despoten Muammar al-Gaddafi auf. Der seit über 40 Jahren herrschende, selbst ernannte “Revolutionsführer” Libyens, greift zu allen verfügbaren Mitteln, um die Demonstranten und Regimekritiker an einem Ablösen der Monopolfamilie zu hindern. Natürlich geht es al-Gaddafi in erster Linie um seine politische Machtausübung und seine Befehlsoberst, mit denen er jegliche Revolte im Keim zu ersticken versucht.

Das größte Problem für die friedlichen Menschen auf den Straßen, die sich Tunesien und Ägypten als Regimesturz- Vorbild nehmen, ist aber die Gewalt des Staatsapparats. Die Soldaten greifen mit viel härteren Mitteln durch, als dies in Ägypten unter Staatschef Mubarak der Fall war. Al-Gaddafi möchte bis zum letzten Mann, bis zur letzten Patrone um seine Herrschaft in “seinem” Land kämpfen, wie er vor kurzem via Staatsfernsehen mitteilen ließ. Nach dem Motto: Wenn das Volk schreit, muss es gestillt werden. Notfalls auch mit einer Hinrichtung auf öffentlichen Plätzen der Stadt Bengasi, der Hauptstadt Tripolis oder anderen Schauplätzen Libyens.

Eines ist sicher: Der Umsturz der beiden Präsidenten Ben Ali und Mubarak aus Tunis und Kairo, die dem demokratischen Bestreben des Volkes und der sozialen und wirtschaftlichen Schieflage der Länder zu Opfer fielen, bildet das Leitbild für die Menschen in Libyen, aber auch im brodelnden Bahrain, in Jordanien und auch in Syrien und Marokko.

Es droht der Domino-Effekt einzutreten. Nicht nur die über 200 Toten und Tausenden Verletzten in Libyen dieser Tage bestätigen das.

Libyen leidet derzeit unter dem autoritären Regime Gaddafis. Man kann nur hoffen, dass der sture und machtgierige 68-Jährige bald die Flucht ins Exil antritt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering, denn Gaddafi wird sicherlich nicht so schnell die Zügel aus der Hand geben, wie dies Mubarak im Nachbarstaat Ägypten getan hat. Dafür ist Gaddafi zu brutal und rücksichtslos, als das er dem Druck des Volkes nachgibt.

Die letzte Möglichkeit wären Sanktionen der internationalen Staaten. Nach dem man das aufflammende Revolte-Feuer in Ägypten verschlafen hat, sollte man als internationale Gemeinschaft schauen, wie man die Konflikte in Libyen in den Griff bekommt. Sonst droht ein Waldbrand im Nahen Osten. Vor allem die Europäische Gemeinschaft (EU) hat bisher nur hinter vorgehaltener Hand Warnungen gegenüber Gaddafi ausgesprochen.

Ob jedoch Gesprochenes die Meinung Gaddafis beeinflusst, oder ihn gar zum Rücktritt verleitet, ist eher unwahrscheinlich. Die internationalen Staaten müssten mit erhobenem Fingerzeig mit wirtschaftlichen Konsequenzen drohen, die das Land zum finanziellen Kollaps bringen könnten.

Das libysche Volk hofft derweil auf einen baldigen Abgang des Despoten. Ob sich der Traum vieler junger Menschen im Land erfüllt, ob sie jemals ein freies, Nicht-Unterdrücktes, und politisch autokratisches Land sehen werden, ist jedoch ungewiss. Zu viele unschuldige Menschen mussten ihr Leben lassen- und Gaddafi regiert weiter, als wäre nichts geschehen und bezeichnet die Demonstranten als Libyenfeindlich. Dieses menschenverachtende Verhalten kann von Seiten der EU und der UNO-Gemeinschaft nicht toleriert werden.

Das Militär in Libyen sollte sich hinter die mehrheitlichen Regimekritiker stellen, wie es zum Teil in Bengasi im Osten des Landes jüngst erfolgte.

Denn eins ist klar: Sollte sich die Staatsverteidigung- wie in Ägypten- gegen Gaddafi wenden, wäre schneller Nacht für ihn als Diktator, als ihm lieb ist. Der Militärputsch hat Gaddafi 1969 an die Spitze des Staates gespült. Warum nicht noch ein zweites Mal für die Würde und die Tapferkeit dieses libyschen Volkes?

Photo: Hans and Carolyn, via flickr

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