Auf den Spuren der Literatur – Teil 8

“Das Hohe Lied” Kapitel 7, Verse 7 bis 14 Wie schön bist du und wie reizend, Du Liebe voller Wonnen ! Wie eine Palme ist dein Wuchs; Deine Brüste sind wie Trauben. Ich sage: Ersteigen will ich die Palme; Ich greife nach den Rispen. – Trauben am Weinstock seien mir

Lesepause-mittel111111.jpg“Das Hohe Lied”

Kapitel 7, Verse 7 bis 14

Wie schön bist du und wie reizend,

Du Liebe voller Wonnen !

Wie eine Palme ist dein Wuchs;

Deine Brüste sind wie Trauben.

Ich sage: Ersteigen will ich die Palme;

Ich greife nach den Rispen. -

Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste,

Apfelduft sei der Duft deines Atems,

Dein Mund köstlicher Wein,

Der glatt in mir eingeht,

Der Lippen und Zähne mir netzt. ”
Ich gehöre meinem Geliebten

Und ihn verlangt nach mir. -

Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land,

Schlafen wir in den Dörfern.

Früh wollen wir dann zu den Weinbergen gehen

Und sehen, ob der Weinstock schon treibt,

Ob die Rebenblüte sich öffnet,

Ob die Granatbäume blühen. -

Dort schenke ich dir meine Liebe.

Die Liebesäpfel duften;

An unserer Tür warten alle köstlichen Früchte,

Frische und solche vom Vorjahr;

Für dich hab ich sie aufgehoben, Geliebter.

Salomo


Analyse

Dieses Liebesgedicht, vielmehr eine Folge von mehreren Liebesliedern, wird dem jüdischen König Salomo zugeschrieben, aber es ist nicht gewiss. Es könnte auch ein Rückgriff (Plagiat?) auf die “Heilige Hochzeit” sein, dem Ritus der Ischtar oder der Astarte zugehörig (siehe das “Gilgamesch-Epos” !). -

Es wird aber von Forschern auch als ganz realistische erotische Literatur angesehen und wenn das stimmt, ist es eine der frischesten Dichtungen der Antike, bis heute gern gelesen, und so gehört es bei kirchlicher bzw. jüdischer Trauung zum gelesenen Teil der Feier. -

Das “Hohe Lied”  hat allerdings 8 Kapitel, hier wurde nur ein kleiner Ausschnitt genommen, der alleine schon für sich steht. Wer will, kann mehr bekommen, wenn er oder sie es nachliest.

Klaus Grunenberg

Photo: birgitH, via pixelio.de

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