Über Facebook kam das Signal zur ersten Anti-Guttenberg-Demonstration. Am Samstag gegen ein Uhr wollte man sich am Potsdamer Platz in Berlin treffen. Im Aufruf hieß es: “Die Zustände der Politik in Deutschland verkommen ins Unerträgliche. Die BILD-Leser wollen einen adligen Blenderkönig haben. Wenn wir uns das gefallen lassen, wenn ein Minister in Deutschland mit so einem Monsterplagiat durchkommen kann ohne zurückzutreten, ist es bald vorbei mit Wissenschaft und Politik in Deutschland. Schicken wir Guttenberg zurück auf sein Schloss, zeigen wir dem Lügenbaron den Schuh!”
Und trotz der kurzen Mobilsierungszeit kamen gut tausend Menschen.
Jeder zweite Teilnehmer der Demonstration trug alte Schuhe in der Hand: Offenkundig hatte man von den Leuten in Ägypten und Tunesien gelernt. Auf dem Weg zum Verteidigungsministerium skandierte die Menge flotte Sprüche: “Schickt den Gutti heim zu Mutti” und “Jagt ihn davon, den Lügenbaron”, gehörte zu den populärsten. Keine Partei, keine der gewohnten Organisationen hatte die spontane Aktion in Bewegung gesetzt. Selbstgebastelte Transparente beherrschten das Bild: Von “Gut-Beye-Gutti” bis “Gaddafi und Gutti – wir kriegen Euch alle” war eine hübsche Breite an Slogans vertreten. Primär jüngere Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Unter den älteren befand sich auch Klaus Staeck, der Präsident der Akademie der Künste.
Den Zaun des Verteidigungsministerium schmückten die durchweg fröhlichen Leuten mit ihren Schuhen. Ein einsamer Fotograf, weit hinter dem Zaun, schoss seine Bilder. Ob für sein Familienalbum oder für den “Militärische Abschirmdienst”, wird unbekannt bleiben. Kein Guttenberg nirgends. Das tat der Freude keinen Abbruch. Nach ein paar kräftigen Sprechchören verlangte der Mann am Megaphon den sofortigen Rücktritt des Ministers und gab ihm eine Woche Zeit: “Sonst ist der nächste Samstag unser Tag des Zorns! Dann kommen wird wieder!” Dann gab es noch gute Musik und die Aktion tanzte sich warm. Man darf auf den nächsten Samstag gespannt sein: Gegen eins, am Potsdamer Platz, alte Verkehrsampel. Wenn der Lügenbaron nicht bis dahin zurückgetreten ist.
Das allgemeine Interesse, dass die Affaire zu Guttenberg aufgerührt hatte, zeigt aber auch einen positiven Aspekt auf. Inzwischen erkennt auch der letzte der Bürger, warum die Profille der Abgeordneten auch “Legenden” gennt werden !