“Eine kleine Oase der Kultur und Musik”

Spacemann Spiff kommt am 11. März zur Stippvisite in die alte Heimat Hammelburg Der “Spiegel” beschreibt das, was er vollbringt als melancholisch-kluge Liedermacher-Lieder”. Er singt Sätze, die man in Neonrot an alle Fassaden sprayen will”, meinen andere. Doch was Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff im Kern ausmacht, das weiß das

dehrn.jpgSpacemann Spiff kommt am 11. März zur Stippvisite in die alte Heimat Hammelburg

Der “Spiegel” beschreibt das, was er vollbringt als melancholisch-kluge Liedermacher-Lieder”. Er singt Sätze, die man in Neonrot an alle Fassaden sprayen will”, meinen andere. Doch was Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff im Kern ausmacht, das weiß das kleine unterfränkische Weinstädtchen Hammelburg nur zu gut. Hier hat der heutige Wahl-Hamburger seine Wurzeln. Hier braucht es keine großen Worte. Im Rahmen seiner “… und im fenster immer noch wetter – release tour”, die ihn über 14 Stationen von Stuttgart bis Köln führt, kehrt er nun zurück ins Wasserhaus und stellt hier, unterstützt durch die Wasserhausband “Hidden Tapes“, bereits sein zweites Album vor. Auf der Fahrt zum ersten Tourgig in Stuttgart hat er der Readers Edition verraten, welche Wandlungen er seit seinem Fortgang aus Franken durchlebt und welche ganz persönliche Bedeutung für ihn das heuer anstehende Jubiläum “25 Jahre Musikinitiative Hammelburg e.V.” hat.

RE: Im Rahmen deiner “… und im Fenster immer noch Wetter – release tour” präsentierst du derzeit dein zweites Album. Was verbirgt sich hinter diesem Titel?

Spaceman Spiff: Naja der Titel ist, wie bei allen meinen Texten, Interpretationssache. In einem Fall ist es ein Bild für Lebens- und Gefühlszustände die immer wieder kehren, egal wo, wie oder wer man gerade ist. Andererseits verbinde ich mit dem Titel aber auch Fernweh und das Gefühl, dass sich um einen nichts ändert.

… und im Hintergrund läuft die Spülmaschine…

RE: Seit deinem Debüt “Bodenangst” ist einige Zeit vergangen. Was ist neu, was ist anders an Spacemann Spiff 2011?

Spaceman Spiff: “Bodenangst” wurde ja innerhalb einer Stunde, nur mit Gitarre und Gesang eingespielt und ist daher unheimlich roh und direkt. Bei “… und im Fenster immer noch Wetter” haben wir uns sehr viel zeit zum Arrangieren und Aufnehmen genommen. Wir konnten daher unheimlich viel mit verschiedensten Instrumenten hantieren und einfach rumprobieren. So ist z.B. bei einem Song im Hintergrund eine Spülmaschine zu hören weil es einfach gut in die rauschige Atmosphäre passt.

RE: Stichwort Instrumentierung: Bereits auf dem U&D 2010 warst du in Begleitung. Nun finden sich Cello, Klavier, Geige, Schlagzeug, Harmonium, Kontrabass auch auf dem neuen Album. Ist der Weltraumreisende seinen Solo-Ausflügen überdrüssig?

Spaceman Spiff: Überdrüssig auf keinen Fall, aber es ist einfach eine schöne Abwechslung wenn man auch mal mit anderen Musizieren kann. Außerdem lassen sich so viele Momente, egal ob laut oder leise, in ihrer Intensität verstärken. Da hab ich meinem Kumpanen Felix Weigt sehr viel zu verdanken, der die Hälfte aller Instrumente auf der Platte gespielt hat, und mit dem ich vor anderthalb Jahren angefangen habe meine Stücke für das Album zu arrangieren. Live fahre ich zweigleisig und werde auch immer wieder Solokonzerte spielen.

RE: Nicht nur du als Künstler, auch die Musikinitiative als Haus für viele junge Musikerinnen und Musiker hat in diesem Jahr etwas zu feiern. Sie wird 25 Jahre alt. Wie bist Du zu ihr gestoßen?

Spaceman Spiff: Hui, dann sind wir ja ein Jahrgang. Zugestoßen bin ich zur Musikini gemeinsam mit meiner ersten Band “Gung Fu“. Wir hatten lange im Musiksaal vom Frobenius Gymnasium geprobt. Aber dort waren wir natürlich in den Probezeiten stark eingeschränkt. Vor dem Wasserhaus gab es ja Proberäume in der alten Schule. Außerdem haben wir uns erhofft mit Unterstützung der Musikinitiative an ein paar erste Auftritte zu kommen, was dann auch super geklappt hat.

kegb.JPGRE: Was verbindest Du also im Besonderen mit dem weit bekannten Domizil Wasserhaus? Erinnerst Du Dich an besonders schöne oder einschneidende Momente?

Spaceman Spiff: Das Wasserhaus war und ist in erster Linie natürlich eine kleine Oase der Kultur und Musik, vor allem für Jugendliche die ihre erste Band gründen oder einfach nur gute Konzerte, fernab von der Beatabendkultur, sehen wollen. Ich erinnere mich noch gut wie ich während der Bauphase Tonnenweise Kies aus dem Keller geschaufelt habe und noch 3 Tage den schwarzen Staub in der Nase hatte. Aber die Arbeit hat sich gelohnt, später ist dort unser langjähriger Proberaum entstanden. Dort hatten wir zusammen viele Höhen und Tiefen und auf jeden Fall eine großartige Zeit.

“Ich kann wirklich nicht sagen, ob ich ohne Wasserhaus und Co. heute überhaupt Musiker wäre.”

RE: Wie beurteilst Du als mittlerweile Außenstehender die Entwicklung des Vereins und überhaupt die hiesige Musiklandschaft?

Spacemann Spiff: In den letzten Jahren hat sich im Wasserhaus ein Generationenwechsel vollzogen. Einige Leute aus der jetzigen Vorstandschaft haben ja zusammen mit mir im Verein angefangen und es ist schön zu sehen, dass so viele dabei bleiben und sich immer weiter Einbringen. Mir gefällt auch, dass im Moment wieder verstärkt Junge Bands, gefördert werden. Inzwischen gibt es sogar finanzielle Unterstützung bei Demo-Aufnahmen. Ich weiß ja aus erster Hand wie wichtig das ist und ich kann wirklich nicht sagen, ob ich ohne Wasserhaus und Co. heute überhaupt Musiker wäre.

RE: Gibt es in Deiner neuen Heimat denn vergleichbare Einrichtungen/Szenen mit diesem Potential?

Spaceman Spiff: Hamburg ist zusammen mit Berlin ja DIE Musikstadt in Deutschland. Da gibt es natürlich auch ähnliche Fördervereine und Zusammenschlüsse. “Rock City” ist so ein Verein, der mir vor allem bei meinem Weg ins “professionelle” Musikerleben, im letzten Jahr sehr geholfen hat. Leider ruht sich die Stadt aber ein wenig auf ihrem Ruf aus und den Kulturschaffenden werden oft Steine in den Weg gelegt, oder die Steine, die im Weg liegen nicht weggeräumt.

RE: Ist es aber Deiner Meinung nach in der Großstadt nicht trotzdem einfacher, erfolgreich zu werden?

Spaceman Spiff: Ich glaube ja. Hamburg hat eine große “Szene” in der aber trotzdem jeder jeden kennt. Es gibt also eine riesigen Vorrat an kreativem Input und tollen Mitmusikern. Lustigerweise hatte ich bei meiner ersten Tour als Hamburger auch sofort das Gefühl, dass das Publikum erst mal ganz anders auf mich reagiert wenn ich erzähle, dass ich aus der großen Stadt komme. Und wenn die Leute in Hamburg von dir reden ist es auch wahrscheinlicher, dass sich das auch über die Stadtgrenze hinaus ausweitet, als es z.B. in Würzburg der Fall wäre.

RE: Zum guten Schluss: Am 11. März kehrst Du zu Deinen Wurzeln zurück. Die Erwartungen hier sind entsprechend hoch. Wie fühlt sich für Dich diese “Heimkehr” an?

Spaceman Spiff: Nachdem du mir jetzt gesagt hast, dass die Erwartungen hoch sind: Nervös! Nein, ich freue mich natürlich unheimlich darauf mal wieder in der Urheimat spielen zu dürfen und werde nach dem Konzert wahrscheinlich mit alten Freunden in Erinnerungen schwelgen und mich fragen, wann eigentlich so verdammt viel Zeit vergangen ist.

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