German Angst und japanese Gleichmut – im Angesicht der Katastrophe?

Wo bleibt die “nachhaltige” Erschütterung? Es war ein gewaltiges Beben mit Folgen, das es unmöglich und unpassend macht, das “normale Leben” fortsetzen zu wollen. Dieses “Schütteln” sollte wach machen und fordert ein Ablassen vom Versuch, diszipliniert und “unbeeindruckt” weiterleben zu wollen. Das normale Arbeiten und Leben €“ und Forschen –

Wo bleibt die “nachhaltige” Erschütterung?

Es war ein gewaltiges Beben mit Folgen, das es unmöglich und unpassend macht, das “normale Leben” fortsetzen zu wollen. Dieses “Schütteln” sollte wach machen und fordert ein Ablassen vom Versuch, diszipliniert und “unbeeindruckt” weiterleben zu wollen.

Das normale Arbeiten und Leben €“ und Forschen – hatte ex ante diese Katastrophe zum unwahrscheinlichen Risiko verkleinert. Sollte jetzt, im eingetretenen Ausnahmezustand, nicht viel mehr Innehalten mit großer Trauer und Klage, aber auch Anklage allseits Platz greifen? Bevor wieder alles im alten Sinne von den etablierten Kräften re-arrangiert und normalisiert wird!?

Das “normale Leben” dreht sich um den eigenen kleinen Horizont. Ist es nicht jetzt angebracht, diesen Horizont endlich einmal für kurze Zeit zu verlassen. (die alltägliche Dorf-, Stadt-, Regions-, Staaten- Kontinents-Perspektive) und den Gesamtzusammenhang zu sehen?

Sollte nicht endlich deutlich geworden sein, dass die in den letzten Jahrzehnten forsch aufgebaute Großstechnologie mit ihrer weltweiten Verflechtung und Vernetzung eine Kehrseite hat. Diese Schattenseite ist nicht zu beherrschen, gerade auch wegen ihres komplexen Charakters.

Wo bleibt die Empörung und die Auflehnung?

In Japan, in Frankreich, in Russland? Ist alles Schicksal und Naturkatastrophe? Müssen es die einfachen Menschen hinnehmen und fürs Überleben dankbar sein? Das beschwichtigende “Wir haben es im Griff” und “Business as usual”, das bleiben anscheinend unbeirrt die beiden politischen Orientierungsmarken der herrschenden Mächte. Wenn auch dieser Anspruch an etlichen Punkten augenscheinlich kaum noch zu halten ist.

Aus Japan wird mir “traditionelle Gefasstheit” übermittelt. Im fernen Deutschland meldet sich öffentlich zum Glück wenigstens die Angst!

Wo bleibt die Erschütterung der Normalität, sie ist faktische Gewalt in den betroffenen japanischen Regionen €“ uns werden aber “unerschütterte”, tapfere Betroffene oder arbeitsame Hauptstädter des Landes als bewundernswertes Modell gezeigt.

Wo könnte eine instinktive (gelebte und gezeigte!) Angst helfen sich politisch zu artikulieren und endlich die richtigen Schlussfolgerungen zu fordern?

Wie viel Geduld, wie viel Gleichmut und braves Kirchturmdenken ist den Menschen und der Menschheit noch zuträglich?

Wie viel german Angst fehlt dem amerikanischen Optimismus oder der asiatischen Ausgeglichenheit? Woraus wird wann endlich gelernt? Wann ist die “angstphobische” Dauereinflüsterung der Macher- wie auch der Gelassenheitsfraktion endlich am Ende mit ihrem: Wird schon wieder -  Ist nicht so schlimm – nur keine Panik €“ uns geht’s ja noch gut – das Positive in den Blick fassen – nach vorne schauen – bitte keine Emotionalisierung – wir brauchen erst einmal eine gesicherte Informationsbasis, usw usf.

Ich kann es nicht mehr hören, denn ich ahne, was es bewirken soll. —Oder bin ich zu ungeduldig und sollte mich zügeln…? — Und bin ich gar ungerecht der leidenden japanischen Bevölkerung gegenüber?

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