Jüdische Kulturtage – Heute in Dortmund eröffnet

Das Opernhaus des Theater Dortmund  öffnete heute nachmittag unter blauem Himmel und bei prächtigen Sonnenschein seine Pforten für eine ganz besondere Veranstaltung. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau gab denn auch via seines Grußwortes seine große Freude darüber zum Ausdruck und sprach davon, dass es eine Ehre für die Stadt Dortmund und

presse_stille_juedischekulturtage1.jpgDas Opernhaus des Theater Dortmund  öffnete heute nachmittag unter blauem Himmel und bei prächtigen Sonnenschein seine Pforten für eine ganz besondere Veranstaltung. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau gab denn auch via seines Grußwortes seine große Freude darüber zum Ausdruck und sprach davon, dass es eine Ehre für die Stadt Dortmund und die Dortmunderinnen und Dortmunder sei, die Eröffnung der Jüdischen Kulturtage ausrichten zu dürfen . Die Jüdischen Kulturtage finden vom 20. März bis zum 17. April 2011 in 52 Städten und 14 beteiligten jüdischen Gemeinden Nordrhein-Westfalens statt. Sie stehen diesmal unter dem Motto “einblicke – jüdisches (er)leben”. Mit Fug und Recht ist in Bezug auf das diesjährigen Ereignis von einem großen Kulturereignis die Rede: Erstmals sind über 500 Veranstaltungen geplant. Zu sehen sein wird jüdische Kultur in all ihren Facetten. Die Jüdischen Kulturtage blicken inzwischen auf eine gute Tradition zurück. Unterdessen werden sie zum vierten Male veranstaltet (nach 1998, 2002 und 2007). Das Land NRW (17 Millionen Einwohner) spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle. Hier lebt nicht nur ein Viertel der Bundesbevölkerung, sondern auch ein Viertel der Menschen jüdischen Glaubens. In den vergangenen 20 Jahren sind in NRW eine Vielzahl von jüdischen Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken ausgenommen und integriert worden. Für die jüdischen Gemeinden war das eine Herausforderung und ausgeprochene Bereicherung zugleich. Nicht wenige der eingewanderten Menschen jüdischen Glaubens haben sich bereits in ihren Heimatländern mit Kunst und Kultur beschäftigt. Nun profitieren die jüdischen Gemeinden hier und darüberhinaus die gesamte Gesellschaft in der sie nun verwurzelt sind von dem kulturellen Wissen der Einwanderer.

Schirmherrin der Jüdischen Kulturtage ist NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft
Die Schirmherrschaft für die Jüdischen Kulturtage hat NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) übernommen. In ihrem Grußwort vor 500 Gästen im Saal des Dortmunder Opernhauses verwies Kraft darauf, dass die Jüdischen Kulturtage noch nie so umfangreich gewesen seien wie 2011. Die Ministerpräsidentin zeigte sich von der Vielfalt des Programms begeistert. Besonders hob Kraft die geplanten Gespräche zwischen den Religionen hervor. Beim Fest der Gelassenheit wäre sie gern selber dabei, bekannte die NRW-Premierministerin (und man glaubt ihr das sofort, weil man ahnen kann, warum sie das sagte). Sie strich die Veranstaltungen zum “Friedensauftrag der Religionen” besonders heraus. In diesem Zusammenhang erinnerte Hannelore Kraft an ihre noch gar nicht so lange zurückliegende Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete. Die Jüdischen Kulturtage böten, so Kraft weiter, Einblicke in jüdisches Leben hierzulande zu bekommen und ermöglichten gleichzeitig, sich darüber gegenseitig näher zu kommen. Die Ministerpräsidentin beendete ihr Grußwort mit einem herzlichen
“Masel tov”.
Dr. Dieter Graumann: Wer heute miteinander Kultur erlebt, wird sich morgen nicht fremd gegenüber stehen
Ein weiteres Grußwort sprach Dr. Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dank der Jüdischen Kulturtage bestünde die Möglichkeit jüdische Kultur pur zu erleben, führte Graumann aus. Er dankte den zahlreichen Freunden und Helfern, die für das zustande kommen des Kulturereignisses verantwortlich seien. Hierüber gelänge es Menschen wunderbar zueinander zu bringen. Graumann: “Jüdische Kultur bedeutet mehr…so viel mehr als nur Shoah und Holocaust (…), auch Leidenschaft und Lebendigkeit.” Dieter Graumann sagte, das nationsozialistische Deutschland habe sich, indem es Juden – Juden, die Deutschland als ihr Heimatland betrachteten und liebten -  ermordete, verfolgte oder ins Ausland vertrieb, gewissermaßen selbst verstümmelt. Ein großer Verlust. Jüdische Kultur sei schon immer voller Reichtum und Phantasie gewesen. Auch Graumann kam auf die Einwanderer aus der gewesenen Sowjetunion zu sprechen. Sie verstärkten die jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht nur personell, sondern eben dankenswert auch kulturell. Graumann optimistisch: “Es ist wunderbar, das Motto der diesjährigen Kulturtage “einblicke – jüdisches (er)leben so eindrucksvoll in die Realität umzusetzen und gleichzeitig dieses dafür zu nutzen, Brücken und Freundschaften aufzubauen. Denn wer heute miteinander Kultur erlebt, wird sich morgen nicht fremd gegenüber stehen. Gemeinsam erlebte Kultur bindet und verbindet Menschen. Das neue plurale Judentum in Deutschland ist im Wachsen und im Werden – und mit ihm wächst aufs Neue jüdischen Kultur in Deutschland, die in jahrhundertelanger Tradition steht und doch zeitgleich so viel Neues in sich birgt.” Alles werde “bunter und bunter”. Das Ganze, die Kulurtage seien “auch ein Fest – ja: ein Festival der Vielfalt.” Diese jüdische Vielfalt und Frische wolle man in eine Gesellschaft einbringen, “die uns als jüdisch respektiert und die uns gleichzeitig nicht abgrenzt.”

Es steht außer Frage: Die schmerzliche Geschichte der jüdischen Menschen auch bei derartigen Veranstaltungen immer mit gedacht werden. Jedoch steht sie bei den Jüdischen Kulturtagen nicht explizit im Fokus der Veranstaltungen. Dies war schon der heutigen Eröffnungsveranstaltung im Dortmunder Opernhaus anzumerken. Auch was das “neue plurale Judentum” ist – vom welchen Dieter Graumann in seinem Grußwort sprach – bekam man dort in Teilen zu spüren.

Jüdische Kultur pur und koschere Leckereien
Bei früheren Jüdischen Kulturtagen, merkte  Hanna Sperling, Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe in ihrem Grußwort an, habe man nicht selten auf Künstler aus Israel oder den USA zurückgreifen müssen – heute dagegen, sind hier in Deutschland wieder viele hervorragende Künsterlinnen und Künstler ansässig, die in den Kulturveranstaltungen auftreten.

presse_stille_juedischekulturtage2.jpg Heute bestritten den kulturellen Teil des Eröffnungsprogramm das Morgenstern Trio (mit der fulminanten Pianistin Catherine Kipfel am Flügel), Ensemblemitglieder des Schauspiels Dortmund lasen aus Werken jüdischer Autoren und das Duo Maxitaliy und MatovsGarage-Trio (auf dem aus luftiger Höhe geschossenen Photo) begeisterte die Gäste mit einem furios musiziertem Potpourri moderner Klezmer-Jazz-Interpretationen. Last but not least zeigte das gut aufgelegte Kinderensemble der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund (Leitung, Drehbuch, Musik, Regie: Irina Weinschenker) Ausschnitte aus dem Kindermusical “Ein Traum wird wahr”. Zum Ausklang reichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Theater-Gastronomie im Foyer des Dortmunder Opernhauses Getränke und koschere Leckereien.

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