Die so genannte “friedliche Nutzung der Atomenergie” galt einmal als die perfekte Lösung unserer Energieprobleme bis weit in die ferne Zukunft hinein. Da lagen die US-Atombombenabwürfe – deren Folgen noch heute Opfer fordern – auf Hiroshima und Nagasaki noch gar nicht lange zurück. Wohl deshalb wurde uns später stets auch explizit von einer “friedlichen Nutzung der Atomenergie gesprochen. Das Eine (böse) sollte so fein säuberlich und öffentlichkeitswirksam vom Anderen (vermeintlich Guten) geschieden sein: Atombomben=Krieg.
Energieerzeugung mittels Atomernergie=eine saubere Sache, die noch dazu den Anschein vermittelte, billig zu sein. Etwaige Gefahren? Iwo: Atomenergie sei von Menschenhand beherrschbar und demzufolge auch sicher. Nicht wenige Menschen in der BRD wie der DDR – und vielen anderen Ländern ebenfalls – (nicht zu vergessen: auch die Medien) saßen diesem gefährlichen Trugschluß auf. Spätestens aber seit der schreckliche Reaktorkatastrophe von Tschernobyl von vor 25 Jahren konnte auch der Letzte wissen: Die Atomenergie ist unbeherrschbar und deshalb eine hochgradig unsichere Technologie.
Nehmen wir entgegen unserem derzeitigen Kenntnisstand nun aber einmal an, die Atomenergie wäre doch beherrschbar und demzufolge sicher. Gleich stünden wir vor der nächsten nicht beantwortbaren Frage: Was geschieht dann mit dem anfallenden Atommüll? Weltweit gibt es bekanntlich kein einziges Atommüllendlager, das diesen Namen verdient.
Dieser Tage haben wir die schreckliche Katastrophe von Tschernobyl wieder vor Augen
Dieser Tage nun verursachten die verheerenden Ereignisse in Japan infolge eines der schwersten Erdbeben seit Menschengedenken hunderttausendfaches menschliches Leid. Die davon betroffenen Menschen in Japan gilt unser Mitgefühl. Wieder haben wir die Katastrophe von Tschernobyl vor Augen. Warum lernte die Menschheit nichts daraus?
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac erklärt zu den Ereignissen in Japan:
“Die nukleare Katastrophe, die den Erbeben und dem Tsunami nun folgt, führt weiltweit die Unbeherrschbarkeit der Atomenergie eindringlich vor Augen. Aus diesem Grund kämpft Attac gemeinsam mit der Anti-Atom-Bewegung gegen die verantwortungslose Atompolitik der Bundesregierung und der EU. Banken und Energiekonzerne verdienen an dieser Todestechnologie Milliarden (mit einem Atomkraftwerk wird an nur einem Tag eine Million Euro verdient; d. A.) und setzen ihre Interessen deshalb rücksichtslos durch. Doch wir machen Druck – für den sofortigen Atomausstieg!
Es reicht nicht, drei Monate sieben Atomkraftwerke stillstehen zu lassen, wie dies Schwarz-Gelb ankündigt! Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist. Für einen sozial gerechten, ökologischen, atomenergiefreien Umbau der Wirtschaft!”
Am 26. März: Antiatom-Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München
Für den kommenden Sonnabend hat ein bundesweites Demobündnis vier große Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München organisiert. Auf der zentralen Demoseite hat Attac alle wichtigen Informationen über Ablauf, Anfahrt und Organisatorisches zusammengefasst. Weitere Informationen sind auf der Demo-Mobilisierungsseite von Attac aufgeführt.
Auf der Demonstration in Berlin sprechen Michael Sommer (Bundesvorsitzender des DGB), Hubert Waigen (Vorsitzender BUND) und Michael Müller (Vorsitzender der NaturFreunde Deutschland). Musikalisch wird die Berliner Demo von Kleingeldprinzessin, Mono&Nikitaman sowie der Band “Wir sind Helden” unterstützt.
In Hamburg sollen Jürgen Bollmann (Hamburger Bischoff) und Dr. med. Martin Sonnabend vom IPPNW (Internationale Ärtze für die Verhütung eines Atomkrieges) auf der Kundgebung sprechen.
In München spricht Azhar Kamal. Dabei sein werden dort beispielsweise auch die Sambagruppe “Münchner Ruhestörung”, The Notwist und der Kabarettist Urban Priol.
In Köln treten Jutta Sundermann (Attac Deutschland), Alex Rosen (IPPNW) sowie Pfarrer Jens Sannig (Superintendent d. Kirchenkreises Jülich) ans Rednerpult. Für die musikalische Unterstützung sorgen Klaus der Geiger und Orchester sowie Wolf Maahn. Kabarettistisch vom Leder wird Wilfried Schmickler ziehen.
Auch Campact mobilisiert. E-Petition auf der Bundestagsseite gestern freigeschaltet
Für den Atomausstieg mobilisiert ebenfalls das Kampagne-Netzwerk Campact. Die Aktivisten weisen darüber hinaus noch auf die Aktion “Sofort abschalten!” und auf die gestern freigeschaltete Bundestags-e-Petition 17036 hin. Die von Andreas Kemper eingereichte e-Petition kann bei entsprechender Anmeldung auf der Bundestagsseite mitgezeichnet werden.
Bürgerinnen und Bürger, welche an einer Demonstrationen in ihrer Region teilnehmen möchten, finden z. B. auf der Attac-Seite Anti-Atom-Großdemos Informationen über Anreisemöglichkeiten bzw. den Ablauf der Veranstaltungen.
Aber auch von Parteien und anderen Organisationen werden hier und dort Busfahrten zu den Demonstrationen geplant. In Dortmund etwa haben die örtlichen Grünen etwas organisiert. Die Busfahrt von Dortmund nach Köln und zurück soll laut Informationen der Grünen Dortmund 10 Euro pro Person kosten.
Readers Edition wird von der Demonstration in Köln berichten.
Wir sehen uns: Am kommenden Samstag!