Prostituierte gehen morgen in Dortmund für ihre Arbeitsplätze auf die Straße

Skandal im Sperrbezirk!, Skandal um Rosa…, so lautete einst ein gedichteten Liedtext. Nun gibt es einen Skandal im Dortmunder Sperrbezirk. Nur ist der kein Kunstprodukt: Dieser Skandal ist Realität. Seit Monaten erregt die an der Dortmunder Ravensberger Straße angebahnte und je nach dem dann auch abgewickelte Straßenprostitution die Gemüter. Erst

485165_R_B_by_Gerd-Altmann-Jana-Werner_pixelio.de.jpgSkandal im Sperrbezirk!, Skandal um Rosa…, so lautete einst ein gedichteten Liedtext. Nun gibt es einen Skandal im Dortmunder Sperrbezirk. Nur ist der kein Kunstprodukt: Dieser Skandal ist Realität. Seit Monaten erregt die an der Dortmunder Ravensberger Straße angebahnte und je nach dem dann auch abgewickelte Straßenprostitution die Gemüter. Erst führte der Dortmunder Rat eine Steuer für die Frauen ein. Dann sollten auch die Freier an diversen Schlagbäumen einen Obulus abführen. Der Dortmunder Kämmerer damals sinngemäß dazu und dabei vor der TV-Kamera schmunzelnd: In den Bergen zahlt man ja auch  Maut, warum nicht am Straßenstrich? Nun ja…

Nun auf einmal soll der Straßenstrich gar ganz weg

Sicher, es stimmt: dort arbeiten viele Prostituierte aus den EU-Staaten Bulgarien und Rumänien. Und, so heißt es bei Bürgern, dem Polizeipräsidenten und hier und dort auch im Dortmunder Rat: Es würden tagtäglich immer mehr Sexarbeiterinnen. Die guten Arbeitsverhältnisse in Dortmund hätten sich – so die Erklärung – hätten sich bis auf den Balkan herumgesprochen. Mag sein. Andere Strich-Kritiker führen wiederum ins Feld: Im nicht versiegenden Strom der nach Dortmund  – legal – einreisenden Frauen würden auch Kriminelle mitschwimmen, die entweder die auf den Strich anschaffenden Huren abkassierten bzw. verbrecherische Delikte im Umfeld der Nordstadt – ohnehin ein sozialer Brennpunkt- verüben. Auch das mag hier und da der Fall sein. Unumwunden steht jedoch ebenso fest: Die Sorgen besorgter Anwohner, darunter viele Familien mit Kindern und Seniorinnen und Senioren, müssen von der Politik ernstgenommen werden. Hin oder her: eine akzeptable Lösung für alle Beteiligten muß her.

Die Beraterinnen von KOBER zeigten sich von einer kürzlich durchgeführten Polizeirazzia bass überrascht

Doch an einer für beide Seiten akzeptablen Lösung sind offensichtlich weder Polizei noch Politik sonderlich interessiert. Genau vor einer Woche rückten Polizei und Ordnungsamt mit großem Tamtam und großem Besteck zu einer Razzia im Viertel an. Die Beraterinnen der direkt am Straßenstrich angesiedelten KOmmunikations- und BERatungsstelle für Prostituierte (KOBER) wurden von dieser Razzia vollkommen überrascht. Claudia Attig-Grabosch von KOBER zeigte sich darüber aufgebracht. Dem Internetportal von Westflälischer Rundschau und WAZ, “der westen.de sagte Grabosch: “Die Frauen halten sich hier legal auf, von denen ist keine kriminell.” Tatsächlich förderte auch die Polizei dies zutage und so gut wie keine kriminellen Männer. Man wird den Verdacht nicht los, man wollte einfach mal ordentlich “Fahndungsdruck” aufbauen. Um die Frauen zu vertreiben? Doch wohin? In eine andere Stadt? Getreu dem Sankt-Floriansprinzip: Zünd’ andere Häuser an, verschone meines?

Doch die Huren des Dortmunder Straßenstrichs denken scheinbar gar nicht daran sich vertreiben zu lassen.  Haben sie überhaupt eine andere Wahl? Denn ihr Problem ist ein Soziales. Sie müssen schlicht und einfach ihre Familien und ihre Kinder in der Heimat über Wasser halten. Deshalb schaffen sie auf dem Dortmunder Straßenstrich an. Niemand wird nun allen Ernstes behaupten, dass diese im übrigen von zig Freiern Tag und Nacht u. an. in sogenannten “Verrichtungsboxen” (mit Sicherheitseinrichtungen für die Frauen) im Auto der Freier diversen erbrachten sexuelle Dienstleistungen den Huren Spaß bereiten. Oft “verdienen” die Frauen dabei ja kaum etwas. Manche Freier erwarten von den Huren eine “Nummer” für lächerliche 15 Euro. Und die Frauen in ihrer Not tun dies dann auch gar nicht mal so selten, wie auch KOBER weiß. Nein, besonders toll ist das nicht. Dennoch: die Frauen wollen bleiben…

Prostituierte des Dortmunder Straßenstrichs demonstrieren am Donnerstag

Zum ersten Mal nun will ein Teil der Prostiuierten – die Rede ist von 50-80 Frauen – dafür auf der Straße gehen: Zur Demo. Unter der Überschrift…

Skandal im Sperrbezirk – Wir Frauen vom Dortmunder Straßenstrich gehen auf die Straße (um die Erklärung in voller Länge zu lesene hier klicken und zur besagten Überschrift abwärts scrollen)

…sagen die Frauen: “Da wir Prostiuierte auch fast 10 Jahre nach Inkrafttreten des Prostiuiertengesetzes noch lange keine gesellschaftlich Akzeptanz erfahren, ist dies ein ganz außergewöhnlich mutiger Schritt. Notwendig wird er aufgrund der Tatsache, dass der Rat der Stadt Dortmund am 31. März über die mögliche Schließung des sicheren und sozialverträglichen Straßenstrichs abstimmen will.”

Und sie fahren fort: “Wir gehen einer legalen Tätigkeit nach und sind keine Kriminellen! Wir haben Angst um unseren Arbeitsplatz…”

Wir haben Angst, wieder ohne Sicherheitslage in abgelegenden Gebieten arbeiten zu müssen und so wieder ungeschützt gewaltbereiten Kund und Schutzgelderpressern aufgeliefert zu sein. Wir haben Angst, den regelmäßigen Kontakt zur Beratungsstelle KOBER zu verlieren und nicht mehr Hilfe in akuten Notlagen, Beratung zum sicheren  Arbeiten, zu Gesundheitsfragen und auch Ausstiegsfragen an unserem Arbeitsplatz in Anspruch nehmen zu können…

Morgen nachmittag 14.30 Uhr starten die Huren an der Ravensberger Straße ihren Protestmarsch. Ihre Demo wird quer durch die Stadt führen und gegen 16.30 Uhr direkt am Rat der Stadt auf dem  Friedensplatz beschließen.

Photo/Quelle: Gerd Altmann via Pixelio.de

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