Peter Shaffers Werk zieht am E.T.A. Hoffmann-Theater alle Register
Er kriecht über die Bühne. Er spuckt, schreit, lacht lauthals und ist so vulgär, dass sich manch einer verschämt zur Seite drehen mag. Das Gebaren seines Kontrahenten fällt weit weniger raumgreifend aus. Gezielte Gesten, ein zeitweise teuflisches Funkeln in den Augen, dazu nur einige, dafür aber umso besser gemachte Kostümwechsel, die das hervorragend gelungene Spiel mit Zeit und Rolle anzeigen.
Genie und Wahnsinn stehen sich gegenüber. Sie gehen auf in einem “fesselnden Werk über den faustischen Handel eines jungen italienischen Musikers mit Gott” und sie erzählen von jenem Kampf mit ihm “angesichts der eigenen Mittelmäßigkeit”: Die Schauspieler Thomas Jutzler in der Titelrolle “Amadeus” und Eckhart Neuberg als dessen Kontrahent, Hofkompositeur Antonio Salieri, ziehen alle Register. Nicht wenige dürften sich schon während der ersten Minuten der Neuinszenierung von Peter Shaffers 1979 uraufgeführtem Stück an Rockgrößen heutiger Tage erinnert fühlen. Ein überdrehter Steven Tylor versus gemächlicher Elton John: Musikalische Urgesteine wie sie geistern durch den Kopf. Und Neid mit all seinen Auswüchsen, der spielt im “Business” damals wie heute eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dazwischen blitzen wohlbekannte Bilder aus der Verfilmung des Stoffes von Milos Forman aus dem Jahr 1984 auf.
Ein Wechselspiel zwischen Fakten und Fiktionen
Doch genug des Spiels mit Assoziationen. Denn eigentlich braucht das die Inszenierung von Peter Bernhardt, die sich auf der wohltuend puristischen Ausstattung von Monika Maria Cleres vollends ausbreiten kann, gar nicht. Die Geschichte von Salieri am Wiener Hof Kaiser Josephs II., der sich als alter Mann an den jungen Wolfgang Amadeus Mozart erinnert, lebt von den beiden Hauptfiguren, denen sich Karoline Bär als Mozarts Frau Constanze Weber selbstbewusst zur Seite stellt.
Das atemberaubende Wechselspiel zwischen Fakten aus dem Leben der beiden Komponisten €“ Anklänge an die Wiener Freimaurerlogen und ausgewählte Takte großer Kompositionen von Zauberflöte bis Requiem sind zu hören €“ und dem sich bis heute haltenden Gerücht, Salieri hätte den “Rockstar seiner Zeit” vergiftet, fesselt von der ersten Sekunde.
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