Huren aus Dortmund zogen für den Straßenstrich bis vor’s Rathaus: “Nicht zumachen!”

Um entschlossen für ihre Arbeitsplätze auf dem Dortmunder Straßenstrich auch öffentlich sichtbar für die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger zu kämpfen, machten sich heute nachmittag laut Polizeibericht etwa 75 Prostituierte auf den Weg von der Ravensburger Straße zum Dortmunder Rathaus. Dort soll am 31. März die Schließung des Dortmunder Straßenstrichs beschlossen

presse_stille_HurendemoDortmund2011_01.jpgUm entschlossen für ihre Arbeitsplätze auf dem Dortmunder Straßenstrich auch öffentlich sichtbar für die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger zu kämpfen, machten sich heute nachmittag laut Polizeibericht etwa 75 Prostituierte auf den Weg von der Ravensburger Straße zum Dortmunder Rathaus. Dort soll am 31. März die Schließung des Dortmunder Straßenstrichs beschlossen werden.

“Wir lassen uns nicht vertreiben!”
Die Frauen hatten ihre Köpfe mit leichten Tüchern bedeckt und die Augen hinter Sonnenbrillen verborgen. Dennoch mochte es einigen von ihnen schon einigen Mut gekostet haben erstmalig in die Öffentlichkeit zu treten, wo man doch sonst nur geschützt vor den Blicken der Passanten in einer Art Gewerbegebiet mehr oder weniger im Dunklen arbeitet. Vielleicht war es auch der Mut der Verzweiflung, der sie antrieb. Eine Sexarbeiterin reckte ein Schild mit Aufschrift “Lieber Prostituierte als HARTZ IV”. Soweit sind wir schon gekommen, denkt man da unweigerlich. Andere Frauen skandierten entschlossen: “Wir lassen uns nicht vertreiben!” Andere wiederum hatten ihre Ängste auf ihre Plakate gepinselt: “Wir haben Angst um ihre Sicherheit” Und immer wieder wurde gerufen, “Wir sind nicht kriminell!” Eine junge Frau mit langem Haar spricht immer wieder kraftvoll in ihr Megaphon: “Nicht zumachen!” Sie meint damit den Straßenstrich, ihren Arbeitsplatz. Den sie bestimmt nicht liebt, aber zum überleben braucht. Die symphatisch wirkende Frau spricht mit Akzent. Vielleicht ist sie aus Bulgarien oder auch Rumänien, wie wiele dieser Frauen hier. Die meisten von ihnen, so liest man in der Lokalzeitung, kommen aus der zweitgrößten bulgarischen Stadt Plowdiv. Dort herrschen in den Vierteln der dort wie fast überall in Europa vernachlässigten, nicht selten bei der Mehrheitsbevölkerung verhassten Roma unhaltbare Zustände und eine Armut zum Gotterbarmen. Aber auch immer mehr deutsche Frauen gehen auf den Strich um ihren Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen: Deutschland im Jahre 2011!

Die Demo als Sensation und ungläubiges Staunen
presse_stille_HurendemoDortmund2011_3.jpgUnterwegs wird der Aufzug der Sexarbeiterinnen zur Sensationen. Viele Männer mit Migrationshintergrund stecken ihre Köpfe aus Kaffee- und Teehäusern oder verlassen die Spielautomaten  in den reichlich vorhandenen Spielhöllen für einen Moment, um das zu sehen. Manche – Machotypen – blicken drein, als wähnten sie sich in einem Traum. Doch ist die Realität. Auf der anderen Seite der Bornstraße – dort ist an einem spillerigen Mästchen eine Deutschland-Fahne aufgezogen – werfen bullige Männer mit Doppelkinnen und Stiernacken, daneben eine Frau in Lederkluft, verächtliche Blicke auf die Huren. Einige türkischstämmige Rotzlöffel, Verlierer der Gesellschaft – wie die Huren doch auch – äußern sich ebenfalls abwertend. Der kleinste schreit oruspu (Hure) und zeigt auf die “Anführerin” des Demonstrationszuges. Autofahrer auf der anderen Fahrbahnseite glauben ihren Augen nicht zu trauen. Huren dürfen nun auch schon demonstrieren?, kann man ihren Gesichtern ablesen. Ja so ist das. Für die Einen ist die Demo der bunten Hurentruppe eine Frechheit, für wieder andere die pure Sensation – eine interessante Abwechslung im trüben Alltag – doch für die Frauen, denen nur der Job der Prostituierten blieb, bitterer Ernst: weil eine Möglichkeiten des Überlebens. Verdutzt stehen gebliebenen Passanten bekommen von den Huren Rosen überreicht. Ein Lächeln huscht über die Gesichter. Die der Nehmenden und die der Gebenden. Allenthalben offene Münder und ungläubig staunend aussehende Passantengesichter. Der Zug wird von einem ganz annehmlichen Medientross – Photographen, TV-Kameraleute und Radiomenschen mit ihren Aufnahmegeräten – begleitet…
Als der Demozug den Friedensplatz und das Dortmunder Rathaus erreicht ist er laut Polizeireport auf ca. 100 Personen angewachsen. Hier nun werden die Rufe der Huren noch einmal um einiges laute: “Wir lassen uns nicht vertreiben – der Straßenstrich soll bleiben!” Andre Mädels rufen mit den Mut der Verzweifelung aber noch immer mit einem freundlichen Lächeln auf den Gesichtern: “Nicht zumachen, nicht zumachen!” Und der Chronist, der diese Zeilen nun niederschreibt hofft bange, dass daraus der Rat der Stadt nicht macht: “Nicht(s) zu machen, nicht(s) zu machen”…

Am Rathaus warten die nun 100 Frauen vergebens auf die Oberen der Dortmunder Politik. Nur LINKE und B90/Die Grünen lassen sich sehen
Hurendemo_Helmut_Manz.jpgDie um ihren luftigen Arbeitsplatz auf der Straße bangenden Prostituierten werden von den großen Parteien im Dortmunder Rat mit Mißachtung gestraft: Keiner ihrer Vertreter tritt aus dem hohen Stadthause und hat ein Wort für sie. Aber Helmut Manz (DIE LINKE) ist herausgekommen. Mit Mikro und Verstärker. Der Frauen beklatschen ihn. Helmut Manz verliest die Erklärung zur Sache, die die Prostituierte “Dany” verfasst hat. Man kann sie bei KOBER nachlesen. Als Manz den Satz “Wir brauchen unseren Bereich, in dem wir sicher und ohne Probleme arbeiten können.” verlesen hat, brandet Jubel auf. Die lächelnden Frauen mit den Tüchern und Sonnenbrillen lassen Rosen auf Helmut Manz regnen. Wann passiert einem Politiker schon einmal so etwas? Man muss jedoch gleich hinzufügen und die verständlichen Hoffnungen der Huren etwas mindern: DIE LINKE hat leider nicht die Macht CDU und SPD im Rat zu überstimmen. Als Manz, wieder “Dany” zitierend ins Mikrofon spricht “Wir leisten einen wichtigen Beitrag in dieser Gesellschaft..”, fügt der Linkenpolitiker süffisant ein: “Das kann bestimmt der eine oder ander Kommunalpolitiker bestätigen.” Gelächter bei den umstehenden Bürgerinnen und Bürgern. Die Huren trillern dazu auf ihren Pfeifen. Helmut Manz forderte für die LINKE “einen anderen Ansatz zur Lösung dieser Probleme (Missstände auf dem Wohnungsmarkt und die sozialen Zustände in der Nordstadt; d. A.). Zum Beispiel Unterstützung der Integration). Dass sich die Politik den Straßenstrich als Wurzel all dieser Probleme einredet sei einfach nicht wahr. Er fordert nachaltig den Erhalt des Dortmunder Straßenstrichs bzw. einen alternativen Standort.

Gegenüber einem türkischsprachigen Kameramann macht eine der Frauen deutlich, warum sie diesen Job in Ermangelung anderer Alternativen quasi machen müssen. Die offenbar türkischstämmige Bulgarin sagt auf Türkisch: “Üctane cocuk var ev’de” (drei Kinder sind zu Hause)” und “Keine Arbeit.”

Utz Kowalewski, ebenfalls von der LINKEN, befürchtet, dass die Schließung des Straßenstrichs schlimme Konsequenzen hat: “Wer den  Straßenstrich an der Ravensburger Straße schließt, nimmt in Kauf, dass die Prostitution tatsächlich in die Wohngebiete der Nordstadt zieht. Wer den Straßenstrich schließt, der erleichtert es Menschenhändlern und Zuhältern unbeobachtet ihren kriminellen Machenschaften nachgehen und sich den Straßenstrich wieder zurückerobern.” Kowalewski stellt jedoch klar: “Wir von der LINKEN sind keine Freunde der Prostitution. Denn ist eine sehr bittere Realität, dass Frauen in unsere Stadt gezwungen sehen so”, den Lebensunterhalt zu finanzieren. “Aber, gut bezahlte, sichere Arbeit ist selten geworden. Nicht nur in Dortmund.” Prostitution habe es immer schon in der Stadt gegeben. so Kowalewski. Wer denke, die Prostitution verschwinden lassen zu können – per Ratsbeschluß oder via Polizei – befände sich auf einem Holzweg. “Die LINKE steht auf Ihrer Seite, indem wir um annehmbare und sichere Arbeitsbedingungen für Sie kämpfen. Deshalb stimmen wir am 31. März im Rat gegen die Schließung der Ravensberger Straße.” Applaus und wieder ein Blumenregen. Und Kowalewski merkt beklagt, dass in Dortmund keine vernünftige Sozialpolitik betrieben würde. Und weil die Romafrauen unter den Huren EU-Bürgerinnen seien und sich legal in Dortmund aufhielten, versuchte man sich ihrer mittels Schließlung des Strichs zu entledigen. Die LINKE wolle sich auch betreffs dieses Problems an das einst von Johannes Rau geprägte Motto “Versöhnen statt Spalten” halten.

Zu Schluss tauchte noch Ulrike Märkel von B90/Die Grünen auf. Sie versicherte, ihre Fraktion werde sich für eine Lösung starkmachen, die Anwohnern und den Frauen vom Straßenstrich gerecht werde.

Da ist einer Zuhörer wach geworden – sichbar auch ein Verlierer der Gesellschaft – und lallt: “Ja, noch mehr Nutten aus Bulgarien…” Eine Frau wendet ein: “Weißt du, was die zuhause alles durchgemacht haben?” Eine Bierflasche fällt um. Schluss…

Eine Initiative der Kunden und Frauen der Ravensberger Straße weißt daraufhin, was die Schließung des Straßenstrichs bedeutet:

-Versprengung der Prostiutierten in alle Stadtteile von Dortmund

- Unkalkulierbare Kosten für das Gesundheitssystems durch unvernünftige Freier und Prostituierte die keine Wahl haben

- Anstieg der Beschaffungskriminalität

- Unnötig hohe Personalkosten durch Polizei und Ordnungsamt, die der Steuerzahler zahlen muss

- Verdrängung in die ungewollte Kriminalität

- Vergewaltigungen werden sich häufen!

- Menschenhandel wird nicht mehr so leicht erkannt und angezeigt!

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