Auf den Spuren der Literatur – Teil 11

SAPPHO An Aphrodite Golden thronende Aphrodite, Listen sinnende Tochter des Zeus, Nicht mit Angst und Sorgen belaste, Hocherhabene, dies pochende Herz! Sondern komm, wenn jemals dir lieblich Meiner Leier Saiten gefiel, Deren Klänge du oftmals gelauscht, Verlassend des Vaters goldenes Haus. Du bespanntest den schimmernden Wagen Und deiner Sperlinge fröhliches

Lesepause-mittel11111111.jpgSAPPHO

An Aphrodite

Golden thronende Aphrodite,

Listen sinnende Tochter des Zeus,

Nicht mit Angst und Sorgen belaste,

Hocherhabene, dies pochende Herz!

Sondern komm, wenn jemals dir lieblich

Meiner Leier Saiten gefiel,

Deren Klänge du oftmals gelauscht,

Verlassend des Vaters goldenes Haus.

Du bespanntest den schimmernden Wagen

Und deiner Sperlinge fröhliches Paar,

Munter schwingend die graubraunen Flügel,

Trug dich vom Himmel zur Erde herab.

Göttliche! Auf der unsterblichen Stirn

Trugst du die Frage, was mich bedrückte,

Warum der Flehenden Ruf erscholl;

Und du kamst mit lieblichem Lächeln.

Was das schwärmende Herz begehre?

Wen sich ersehne die schlagende Brust

Sanft zu bestricken im Netz der Liebe?

Wer ist es, Sappho, der dich verletzt?

Flieht er dich jetzt, bald wird er dir folgen,

Verschmäht er Geschenke, er gibt sie noch selbst,

Liebt er dich nicht, schon bald wird er lieben

Folgsam gehorchen jeglichem Wink.

Komm auch jetzt und löse den Kummer,

Der mir lastend den Busen beengt,

Hilf mir erringen, wonach ich ringe,

Sei mir Gefährtin im lieblichen Streit!

(Übertragen: von Klaus Grunenberg in Anlehnung an Grillparzer)

 

Mitternacht

 

(“Deduke men a selawa

Kai Pleiades.  Messi de

Nyktes. Para d`erchet Ora.

Ego de mona kateudo.€)

Untergegangen ist schon der Mond

Und die Pleiaden. Mitternacht ist es.

Vorbei geht Stunde um Stunde.

Ich aber liege allein.

(Übertragen von Klaus Grunenberg)

Analyse

Sappho ist eine Lyrikerin aus dem alten Griechenland. Sie gehört(e) zu den neun Lyrikern im damaligen Kanon, die von der Hochschule in Alexandria für lesenswürdig gehalten wurden, genau wie z.B. auch Alkman und Alkaios. Über beide demnächst mehr. -

Die Dichterin lebte etwa um 620 bis 570 v. Chr. und dichtete im äolischen Dialekt. Das erste der Beispiele der obigen Gedichte ist aus dem vergriffenen  Buch: “Gedichte des Abendlandes”, Fischer Bücherei, entnommen, das zweite Beispiel stammt aus “Wikipedia” und der griechische Wortlaut wurde von mir in lateinischen Buchstaben gesetzt, damit jeder sich in etwa den Wortklang vorstellen kann. -

Sappho dichtete in der nach ihr benannten vierzeiligen Strophe, was einen besonderen Reiz in sich trägt, wenn man es bewusst genießt. Anscheinend war in damaliger Zeit die homoerotische Beziehung bei Frauen, jedenfalls in Sparta, ähnlich wie bei den Männern, ein Erziehungsziel, deshalb hat auch der Ausdruck “lesbisch” (eigentlich: “aus Lebos”) diese sich beziehende Bedeutung. -

Man sollte sich vielleicht einmal näher mit dem noch vorhandenen Werk dieser Dichterin beschäftigen, Reste sind vorhanden, das Hauptwerk ging leider verloren.

Klaus Grunenberg

Photo: birgitH, via pixelio.de

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