Nicht nur im Ländle herrscht Wechselstimmung. Und der Wechsel ist möglich. Das Landtagswahlergebnis von Baden-Würrtemberg zeugt davon. Nach fast 60 Jahren an der Regierung wurde die dortige CDU von Wählerinnen und Wählern vom Throne gestossen. Manchmal ist eben ein Maß voll und sogar übervoll. Quantität schlägt in eine neue Qualität um.
Am vergangenen Sonnabend gingen 250.000 Menschen deutschlandweit gegen Atomenergie auf die Strasse (RE berichtete über die Demo in Köln). Das stellt einen Riesenerfolg für die neu erstarkte Anti-Atomkraft-Bewegung dar. Dennoch sind sich Organisatoren dieser Proteste, darunter Attac, vollkommen im Klaren darüber, dass der Druck auf die herrschende Politik nun erst recht nicht nachlassen darf. Abschalten der AKW – so hieß es auf der Demo in Köln-Deutz – sei Handbetrieb. Ganz in diesem Sinne werben NGOs wie Attac und “urgewald” verstärkt für einen Stromanbieterwechsel. Nur da, betont Attac, sei man als Kunde wirklich hundertprozentig sicher, nicht für Atomstrom zu zahlen.
Alex Rosen, ein bei der Organisation IPPNW engagiert tätiger Kinderarzt, zeigte sich in Köln dermaßen empört über die Profitgier auch der vier in Deutschland tätigen Megastromkonzerne, dass er dazu aufrief, diese doch einfach zu boykottieren. Per Handarbeit ist das ganz einfach möglich: Einfach zu einem der Ökostromanbieter wechseln. Viele Menschen tragen sich deslängeren mit einem solchen Schritt. Sie haben nur Angst, danach eventuell plötzlich ohne Strom dazustehen. Diese Angst aber ist ungebegründet. Sollte tätsächlich der neue Stromanbieter Probleme haben, ist der laut Gesetz der alte Anbieter dazu verpflichtet Strom zu liefern.
Auf Ökostrom umsteigen?
Wer sich also tatsächlich mit Wunsche trägt, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln findet auf der Webseite der Albert-Schweitzer-Stiftung (Stromwechseln hilft) oder hier Orientierung und Hilfe.
Die Bank wechseln? Attac-Aktion “Krötenwanderung jetzt! Bank wechseln”
“Die Rolle von Banken bei der Finanzierung von unsicheren Atomkraftwerken ist höchst kritikwürdig. Wo große Gewinne winken, spielen Informationen über massive Sicherheitsprobleme und und Störfälle keine Rolle. Auf der Jagd nach der größtmöglichen Rendite setzen Banken Millionen Menschenleben aufs Spiel”, gibt das globalisierungskritische Netzwerk Attac zu bedenken. “So gaben die Deutschen Bank und die WestLB für Tepco, dem Betreiber des japanischen Katastrophenreaktors, Anleihen in Höhe von zwei Mal rund 30 Millionen Euro aus; die Muttergesellschaft der ING Diba, die niederländische ING Groep, kaufte Tepco-Anleihen für rund 15 Millionen Euro. Alle drei Banken haben sich weder für die bekannte Vertuschung von Mängeln und Störfällen durch Tepco interessiert, noch für die schon vor Jahren offenkundigen Folgen kleiner Erdeben in den japanischen AKW.”
Dies seien laut Attac keine Einzelfälle, “normale” Banken prüften bevor sei ein Geschäft eingingen nur die Bonität und die Sicherheiten ihres Gegenüber. Mit den Aufleben von Anleihen gingen die Banken keinerlei Kreditrisiko ein. Was zählt, sei lediglich der finanzielle Erfolg (Profit), ethische Kriterien spielten keinerlei Rolle.
Es mag auch hierzulande genügend Menschen geben, die mit derlei Geschäftspraktiken keine Probleme haben. Andere wiederum wollen da womöglich nicht mehr mitspielen. Die NGO “urgewald” hat dem Büchlein “Wie radioaktiv ist meine Bank?” herausgebracht, in welchem Untersuchungen über Finanzdienstleistungen elf deutscher Banken öffentlich gemacht werden (mehr: hier).
Sowohl “urgewald” als auch Attac rufen nun Bankkundinnen und Kunden dazu auf, “Banken den Rücken zu kehren, die Atomkonzernen Geschäfte machen”. Attac nennt ihre Bankenwechselkampagne, “die gesellschaftsschädliche von Großbanken in den Fokus rückt”. Unter der Überschrift “Krötenwanderung jetzt! Bank wechseln, Politik verändern” lädt Attac dazu ein. Auf dieser Seite finden Sie einen Kritierienkatalog mit Negativkriterien und Positivkriterien – also Hinweise darauf, warum eine Bank nichtakzeptabel ist bzw. als Kontrast dazu Punkte, die explizit für eine Bank sprechen – vor.
Am Wechsel interessierte Kundinnen und Kunden – ob Stromanbieter oder Hausbank betreffend - haben die Wahl. Die aber muss gar keine Qual sein. Zugegeben, dürfte der Wechsel des Stromanbieters weniger Bauchschmerzen verursachen, als ein Bankwechsel. Muß man bei letzteren doch darauf achten, dass die neue, ethisch vertretbare, Bank auch eine Filiale in Wohnnähe hat. Das Eine oder Andere ist jedoch machbar. Der Wechsel möglich. Und zwar in Handarbeit.
Photo/Quelle: Dieter Schütz via Pixelio.de
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