Durch die wachsende Globalisierung sind die Auswirkungen von Ereignissen weltweit unmittelbar spürbar €“ sei es die internationale Finanzkrise, Klimakatastrophe, oder aktuell die Atomkatastrophe von Fukushima. Der Schrecken des Reaktorunglücks hat die schlummernde Angst vor der Kernenergie in den Menschen wieder geweckt und ruft Atomkraftgegner auf den Plan.
Doch Atomkraft ist ein Teil unseres Lebens, und beeinflusst auch Bereiche, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind: beispielsweise Geldanlagen. Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, berichtete vergangene Woche: “Es gibt so gut wie keine deutsche Großbank, die nicht Milliarden in Atomenergie investiert hat.” Er warnt weiter: “Deutsche Anleger finanzieren so €“ weitgehend ungewollt – Atomkatastrophen wie in Japan mit.”
Immer mehr Verbraucher können und wollen das mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren und suchen €“ nicht erst seit dem Reaktorunfall in Japan €“ ethische und nachhaltige Geldanlageformen. Ethisches Investment ist allerdings keine neue Entwicklung. Sie hatte ihren Ursprung bereits in den 70er Jahren, als Verbraucher sich weigerten die Apartheid in Südafrika und den Viatnamkrieg indirekt zu unterstützen. So entstanden erste Alternative Banken für Kunden, die nicht mit ihrem Geld das finanzieren wollen, was sie mit ihrem politischen Gewissen nicht vereinbaren können. Diese ethisch-ökologischen Banken finanzieren bevorzugt ökologische und nachhaltige Projekte und verfolgen strikte Politiken hinsichtlich Atomenergie und Rüstungsindustrie.
Wie bei jeder Geldanlage gilt es auch bei “grünen Investitionen”, sich vorher gut zu informieren.
Jürg Zeltner CEO Wealth Management UBS erklärt: “Die Zahl der Anlage- und Investitionsmöglichkeiten ist bereits heute fast unüberschaubar geworden und wächst täglich an Zahl und Produktvarianten. Gleichzeitig müssen Investitions- und Anlageentscheidungen immer schneller und zeitgleich zu den jeweiligen Marktzeiten getroffen werden, und das vor dem Hintergrund einer weltweiten Verkettung von Informationen, Ereignissen und Märkten. Kurz gesagt: Nie war die Komplexität der internationalen Finanzmärkte höher als heute, und sie nimmt ständig zu.”
Klar, dass dieser ohnehin komplexe Markt noch schwieriger zu durchschauen ist, wenn man dabei auch noch ethisch-ökologische Ziele verfolgt. Es ist wichtig genau hinzuschauen, und sicherzugehen, dass die gewählte Bank bzw. das Produkt der Wahl mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmt €“ denn einheitliche Qualitätssiegel gibt es für ethische Finanzprodukte noch nicht.
Auch wer sein Vermögen in Fonds anlegen möchte, kann dies mit reinem Gewissen tun. Es existieren ethisch, ökologisch bzw. nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds, die bei der Auswahl der Unternehmen, in die sie investieren, ethische Aspekte berücksichtigen. Hier sollte man als Anleger allerdings besondere Vorsicht walten lassen und sich vor dem Kauf gut über die Zusammensetzung der Fonds informieren. So schließen manche Fonds Atomenergie nicht von vornherein aus, andere unterstützen zusätzlich Förderung von Erdöl und Erdgas. Bei der Auswahl helfen spezielle Rating-Agenturen, die die Unternehmen in Bezug auf ökologische und soziale Kriterien beurteilen. Auch wer einzelne Aktien kauft, sollte seine Anlage gut durchdenken. Da viele der sogenannten “grünen Unternehmen” noch am Anfang stehen, ist das Risiko oft schwerer kalkulierbar. Auf schnelles Wachstum kann oft auch ein drastischer Einbruch folgen. Experten raten daher davon ab, sich auf grüne Aktien als einige Anlageform zu verlassen.
Denn jedes Investment, ob dabei politisch-ökologische Ziele verfolgt werden, oder nicht, ist “Teil der Weltwirtschaft und dem Spiel der Konjunkturen, Krisen und Markteuphorien ausgesetzt”, so Stiftung Warentest. Wie bei jeder Geldanlage ist professionelle Beratung und umfassende Information vor jeder Anlage Pflicht.
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