Blutige Bananen

Jeder kennt Chiquita-Bananen und andere tropische Früchte von Chiquita, welche in den Obst-Regalen unserer westlichen Welt liegen. Doch kaum jemand kennt die Geschichte des Chiquita-Konzerns, der mit seinem Obsthandel gar nicht so ungefährlich ist, wie er sich gerne darstellt. Die Firmengeschichte ist gekennzeichnet von Ausbeutung, Landraub, Umweltzerstörung, Kokainschmuggel, Mord, Regierungsstürzen,

Jeder kennt Chiquita-Bananen und andere tropische Früchte von Chiquita, welche in den Obst-Regalen unserer westlichen Welt liegen. Doch kaum jemand kennt die Geschichte des Chiquita-Konzerns, der mit seinem Obsthandel gar nicht so ungefährlich ist, wie er sich gerne darstellt. Die Firmengeschichte ist gekennzeichnet von Ausbeutung, Landraub, Umweltzerstörung, Kokainschmuggel, Mord, Regierungsstürzen, Errichtung von faschistischen Militärdiktaturen und anderer Schweinereien.

Am 30.3.1899 wurde in Boston das Unternehmen unter dem Namen “United Fruit Company€ gegründet. Die Firma entstand aus dem Zusammenschluss der Firma “Boston Fruit€, gegründet von Lorenzo Dow Baker und Andrew W. Preston, und der von Minor C. Keith gegründeten Firma “Tropical Trading and Transport Company€. Preston hatte Eisenbahnen in Costa Rica gebaut und war darüber ins Früchtegeschäft eingestiegen. (Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg – CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 72ff.)

Das erste Verbrechen, welches bekannt wurde, spielte sich 1910 in Honduras ab.

Ein Schiff mit angeheuerten Söldnern, von denen die meisten ehemalige Sträflinge waren, wurde von New Orleans nach Honduras geschickt, um den dortigen Präsidenten zu stürzen. Der Präsident von Hunduras hatte sich geweigert, der United Fruit Company Steuererleichterungen zu gewähren. Der Putsch gelang und die United Fruit Company war für 25 Jahre (!) von jeglichen Steuern in Honduras befreit. Wenn ein großes Unternehmen in einem Land wie Honduras keine Steuern zahlen muss, kann man sich vorstellen wie sich dieses auf den Finanzhaushalt eines Landes auswirkt und verdeutlicht auch, wieso diese Länder der westlichen Welt so “hinterher hinken€.

Die nächste ungeheuerliche Missetat spielte sich 1923 in Ciénaga (Kolumbien) ab. Dort demonstrierten Arbeiter gegen die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Plantagen der United Fruit Company woraufhin die Firma ca. 1000 Arbeiter von Militärtruppen ermorden ließ. Dieses Verbrechen ging als das “Masacre de las Bananeras€ (Bananenarbeitermassaker) in die Geschichte Kolumbiens ein.

Da die United Fruit Company die meisten Landflächen in Mittelamerika besaß, war sie dort auch die treibende Macht, da sie durch ihre Wirtschaftskraft die Lenkung der jeweiligen mittelamerikanischen Staaten dominierte.

So verwundert es auch nicht, dass die wirtschaftlichen Interessen der United Fruit Company häufig Anlass für das politische Eingreifen der USA in Mittelamerika war.

Frei der nach dem 5. Präsidenten der USA James Monroe benannten Doktrin, Monroe-Doktrin (€Amerika den Amerikanern€ ; Kriegsschiffe zum Schutz amerikanischer Handelsinteressen in der Karibik, im Mittelmeer und an der Küste von Afrika), welche in den USA bis heute noch Gültigkeit besitzt, unterstützte die US-Regierung 1954 finanziell und logistisch den Regierungsumsturz in Guatemala. Bis 1944 regierte dort der Diktator Jorge Ubico, welcher der United Fruit Company zollfreie Importe auf Baumaterialien und geringe Ausfuhrzölle auf Bananen gewährte. 1944 wurde jedoch die Diktatur in Guatemala gestürzt und daraufhin Juan José Arévalo als neuer demokratischer Präsident gewählt, 1951 wurde Jacobo Arbenz sein Nachfolger. Die neue Regierung enteignete gegen eine Entschädigung etwa 530 Quadratkilometer Land von der United Fruit Company und verteilte es an Kleinbauern. Außerdem schaffte sie bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Sozialleistungen. Die United Fruit Company protestierte daraufhin beim amerikanischen Außenministerium und forderte unter dem Vorwand, die neue Regierung sei kommunistisch, deren Sturz. Der damalige Außenminister der USA, John Foster Dulles, der früher als Anwalt bei UFC arbeitete sowie sein Bruder Allen Dulles, Chef der CIA, leiteten dann am 16. Juni 1954 mittels einer Söldnertruppe von nur 400 Mann um den Exil-Guatemalteken Castillo Armas den Sturz der guatemaltekischen Regierung ein (Operation PBSUCCESS). Als Präsident Arbenz endgültig die Kontrolle über sein Land verlor, trat er am 27. Juni 1954 zurück und überließ Castillo Armas das Amt. Als eine der ersten Amtshandlungen gab er der United Fruit Company das enteignete Land zurück und strich sämtliche Arbeitnehmerschutzgesetze. Es folgte eine fast 40 Jahre andauernde, von der CIA unterstützte Militärdiktatur, die vermutlich über 100.000 Todesopfer forderte, von denen viele zu den sogenannten “Verschwundenen€ zählen.

“Verschwundene€ waren in lateinamerikanischen Diktaturen Menschen, die nicht in das faschistische System passten. Wie in Argentinien, Uruquay, Guatemala, Kulumbien wurden Systemkritiker verhaftet, monatelang unvorstellbar gefoltert und danach unter dem Vorwand der Freilassung in Militärflugzeuge oder Hubschrauber verfrachtet und lebendig über dem offenen Meer in den Tod gestürzt.

Ich für meinen Teil esse keine blutigen Bananen.

Kommentare

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  1. Ja ja die USA. Hort der Demokratie, Menschenrechte und Freiheit. Da möchte man sich nur noch den Finger in den Hals stecken…