Mein Hobby sind Filme und Kino und ich gehe gerne ins Kino. Meiner Meinung nach kenne ich mich gut aus, aber ich bin kein professioneller Filmkritiker. Wenn Sie heute oder am nächsten Wochenende ins Kino gehen möchten und im Multiplexer vor den Anzeigetafeln stehen, möchten Sie vielleicht wissen, was Sie hier und da erwartet – aus meiner ganz subjektiven Meinung. Für die Filme vergebe ich Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (zum Davonlaufen).
1.) SUCKER PUNCH
USA, 110 Minuten, Regie: Zack Snyder
Eine junge Frau (Babydoll) wird von ihrem Stiefvater in eine Nervenheilanstalt abgeschoben. Das Ambiente sagt uns, dass dies die 50er Jahre oder späten 40er sein müssen. Die Mutter verstarb kürzlich. In ihrer Verzweiflung träumt sie sich in eine Scheinwelt, in der das Leben nicht unbedingt besser, aber anders ist; in einem riesigen bordellartigen Nachtclub wird sie im Tanz unterrichtet und vorgeführt, bis sie an zahlungskräftige interessierte Kunden abgegeben werden soll. Klein-Mädchen-Träume (Tanzen, aber keine Pferde) treffen in durchaus subversiver Weise auf Alt-Männer-Fantasien (junge Mädchen in kurzen Röckchen, Missbrauch, Frauenknastfilme). Der Tanz versetzt in Trance, welche sie in eine weitere Scheinwelt führt; hier erklärt ihr ein alter Magier-artiger Mann dass sie gemeinsam mit ihren Leidensgenossinnen in verschiedenen Abenteuern vier verschiedene Gegenstände sowie ein Rätsel besorgen muss. Die Abenteuer führen sie dann in ein Kriegsgebiet, in dem sich die Mädchen wie Kriegsamazonen gegen gasbetriebene Soldatenzombies, Doppeldeckerflugzeuge und Zeppeline verteidigen müssen, um an eine Karte zu kommen – der erste Weltkrieg lässt grüßen. Um einen Feuerstein aus dem Rachen eines Drachen zu stehlen, begeben sie sich in ein Kampfgetümmel irgendwo zwischen Wikinger-Film und Herr der Ringe. Später müssen sie noch eine Bombe aus einem fahrenden Zug auf einem futuristischen Planeten bergen. Im Zentrum dieser Fantasien steht jeweils in anderem Stadium das Gebäude der Nervenheilanstalt – mal als Ruine, mal als Ritterburg, mal als Zentrum einer futuristischen Stadt und es wirkt jeweils wie eine bizarre Horrorvariante von Harry Potters Schulschloss Hogwarts.
Die schauspielerischen Leistungen sind nicht sensationell, aber OK bis gut, die Bildgestaltung, Ausstattung und die Optik sind wirklich sehr beeindruckend. Die Schauwerte sind nicht nur etwas für das Auge sondern auch ein geeignetes Medium, um eine wirklich traurige Geschichte eines misshandelten und missbrauchten Mädchens zu erzählen.
Allerdings müssen auch diese Kampfamazonen einige Stufen unter den asiatischen Filmkämpferinnen aus der Glanzzeit des Hong-Kong-Genrekinos eingeordnet werden.
Von der inflationären und teilweise schon abgenutzten Masche, immer mehr Filme in 3D zu präsentieren, halte ich nicht viel. AVATAR von James Cameron war bisher der einzige A-Film, der mich wirklich überzeugen konnte. Sonst hat 3D meiner Meinung nach seine Bereichtigung im Bereich des Horror-, Thriller-, und Serienmörderkinos, wenn es darum geht, dass uns der Saft, die Brocken und die Mordwaffen fast ins Gesicht fliegen. SUCKER PUNCH (bedeutet übersetzt so viel wie Schlag in die Magengrube) hätte in 3D durchaus seine Berechtigung gehabt und viele weitere Reize auspielen können.
Note = 2+
2.) THE MECHANIC
USA, 93 Minuten, Regie: Simon West
Bishop (Jason Stratham) ist Auftragskiller. Seine Aufträge erledigt er mit größter Vorsicht und viel Vorbereitung so, dass es nach Unfall oder Drittverschulden aussieht und ihn niemand bemerkt. Vom vielen Geld leistet er sich ein schönes Lucushaus am Rand der Sümpfe von New Orleans (waren dort nicht ein Hurrican, der die Gegend zerstörte, und eine Ölpest wegen des geplatzten Bohrlochs von BP ?!?), einen Luxussportwagen, an dem er bastelt, mit dem er aber nie fährt, und er liebäugelt mit einer Luxusjacht. Er trägt feine Anzüge und hört Klassik auf Vinyl-Schallplatten.
Dann erhält er den Auftrag, einen seiner alten Freunde aus dem Syndikat zu töten (Donald Sutherland). Nach kurzer Bedenkzeit nimmt er den Auftrag an, denn der alte Harry soll die Organisation betrogen und um Geld gebracht haben. Auf dem Friedhof trifft Bishop auf Harrys Sohn, nimmt ihn bei sich auf und bildet ihn aus. Der erste eigenständige Auftrag von Sohn Steve (Ben Foster) geht voll daneben, da er alles falsch macht, was falsch zu machen ist. Um die Handlung im Schnelldurchlauf abzuschließen: Bishop erfährt natürlich, dass dass die Hintergrundinformationen über Harry gefälscht waren, Steve erfährt, dass Bishop der Auftragnehmer beim Mord seines Vaters war, das Syndicat gibt Bishop zum Abschuss frei. Zum Schluss des Films gibt es zwei Flammeninfernos.
Dass die Mordopfer von Bishop & Co. ein kolumbianischer Drogenhändler, ein homosexueller Aufragskiller des Konkurrenz-Syndikats, ein vermutlich päderastischer Religions- und Sektenunternehmer sind und ein schwarzer Autodieb noch mit dem Leben davon kommt, könnte man als rassistisch und reaktionär bezeichnen. Der Meinung bin ich nicht; es wurden ganz einfach die üblichen Actionfilm-Klischees zusammengerührt; neben dem kolumbianischen Drogenhändler und dem schwarzen Audodieb hätten auch noch ein italienischer Mafioso, ein chinesischer Triadenhäuptling mit Kampfsport-Ambitionen oder ein deutscher (Neo-)Nazi eingebaut und beseitigt werden können. Es ist einfach schlampig und plump entwickelt. Wozu sollte auch noch eine eigenständige Handlung entwickelt werden, wenn sowieso ein alter Actionklassiker aus den 70er Jahren ausgeschlachtet werden kann.Der kultivierte und wohlhabende Auftragskiller, der alleine lebt, Kashmeer trägt und Vinylplatten hört, war bzw. wäre eine gute und glaubwürdige Rolle gewesen für die Alpha-Männer des klassischen Actionkinos: Clint Eastwood, Steve McQueen, Burt Reynolds, nicht unbedingt Charles Bronsen (der die Rolle Bishop in den 70er Jahren spielte), vor 10 / 20 Jahren Sean Connery und heute vielleicht noch Nicholas Cage. Jason Stratham, ein durchtrainierter Athlet, der in Actionszenen gut zur Geltung kommt, ist dagegen eine absolute Fehlbesetzung. Er und sein Partner Ben Foster haben beide das Charisma eines Fahrkartenautomaten und die einzigen überzeugenden schauspielerischen Leistungen stammen von Donald Sutherland und – ja leider – von einem Chihuahua.
Die Actionszenen, die Kampf- und Verfolgungsszenen sind durchaus gut in Szene gesetzt. Allerdings nerven eine nachlässige Bildgestaltung und eine phasenweise sehr hektische Montage. Ein bischen Ironie und und Humor hätten nicht unbedingt geschadet. Aber dazu war offensichtlich niemand in der Lage.
Großer Mist. Note = 5
Photo: sugu, via flickr
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