Filmfestivals für Fortgeschrittene: Fantasy-Filmfest-Nights 2011

Alle Jahre wieder. Im Sommer findet das Fantasy-Filmfest statt. Was 1987 in einem Hamburger Programmkino als Spartenfestival für Fans des Besonderen begann, entwickelte sich innerhalb von wenigen Jahren zum Tourneefestival für Fans und ist mittlerweile ein bundesweites Kommerzfestival. Mein erstes Fantasy-Filmfest war 1994. Seitdem änderte sich viel beim Festival, beim

FFN11_Poster1.jpgAlle Jahre wieder. Im Sommer findet das Fantasy-Filmfest statt.

Was 1987 in einem Hamburger Programmkino als Spartenfestival für Fans des Besonderen begann, entwickelte sich innerhalb von wenigen Jahren zum Tourneefestival für Fans und ist mittlerweile ein bundesweites Kommerzfestival. Mein erstes Fantasy-Filmfest war 1994. Seitdem änderte sich viel beim Festival, beim Spektrum der Filme und in der Medienlandschaft allgemein.

Innerhalb von Frankfurt wechselte das Festival bereits zweimal das Kinocenter; seit 2004 wird es im Frankfurter Metropolis gezeigt, welches zum Cinestar-Konzern gehört. In den letzten Jahren bis einschließlich 2008 musste es als positiv muss bemerkt werden, dass zu den beiden Festival-Sälen einer der beiden größten des Kinocenters gehört; in dem Riesenkino mit ca. 650 Plätzen saßen zu manchen Nachmittagsvorstellungen nur wenige Festivalgäste und durch einen zwischenzeitlichen Wechsel hätte das Kino eventuell mehr Geld verdient, indem dort einer der aktuellen Blockbuster gezeigt worden wäre. Dieses Lob entfällt seit 2009. Abgesehen vom Eröffnungsabend wurden wir in ein wesentlich kleineres abgeschoben.

Da es im kommerziellen Fimfestivalbetrieb auch immer schneller, weiter, größer (außer den Kinos) werden muss, wurde 2003 ein Frühlingsableger unter dem Namen “Die Nacht der 1000 Schreie installiert. An einem Abend liefen drei Genreproduktionen. In den darauf folgenden Jahren wurden unter dem Namen “Fantasy-Filmfest-Nights” (muss ja heute alles englisch heißen) immer mehr Vorführungen eingebaut und wir sind mittlerweile bei zwei Tagen mit je fünf Vorstellungen.

Dieses Jahr ging bzw. gehe ich auf volles Risiko und leiste mir seit Jahren wieder mal das volle Programm mit Hilfe einer Dauerkarte. Der Spaß kostet mittlerweile € 65,00 für das Fantasy-Nights-Wochenende und € 185,00 für die Woche Ende August im Gegensatz zu einer Einzelkarte für € 9,00 bzw. € 12,00 für eine 3D-Vorstellung.

Jetzt kommen die Filmbesprechungen. Alle Filme werden in der jeweiligen Originalfassung gezeigt. Filme, die nicht in englischer Sprache gedreht sind, werden mit englischen Untertiteln gezeigt; in wenigen Ausnahmen werden Filme, die bereits auf anderen deutschen Festivals liefen, mit deutschen Untertiteln gezeigt. Für viele Kinobesucher ist das sehr gewöhnungsbedürftig, daher ist die Bezeichnung “Filmfestival für Fortgeschrittene” nicht unberechtigt.

Zunächst gebe ich den Text der Filmbesprechung aus dem Programmheft bzw. von der Internetseite des Festivals wieder, dann kommentiere ich, gebe Zusatzinformationen und vergebe Bewertungen analog von Schulnoten (1 = sehr gut; 6 = unzumutbar).

OF = Originalfassung

OmeU = Originalfassung mit englischen Untertiteln

OmdU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Freitag, 25. März

An diesem Tag arbeite ich noch von 7:00 Uhr bis 13:00 Uhr und fahre mit der U-Bahn zum Festivalkino. Die U-Bahn-Station ist direkt am Kinocenter, was sehr praktisch ist.

Im Kinofoyer ist an der Kasse eine beträchtliche Schlange, die nur von einer Kassiererin bedient wird. Zwischenzeitlich entdecke ich einen Mann an einem Stand, der mir auf Nachfrage mitteilt, dass er vom Festival ist und die Dauerkarten verteilt. So komme ich rechtzeitig ins Kino.

14:00 Uhr, Kino 8 (ca. 350 Plätze)

13 Assassins


Japan, Großbritannien, japanische OmeU

Sieben Samurai reichen nicht. Für den japanischen Fürst Naritsugu, ein Bastard des Shogun und ein Regent von unermesslichem Sadismus (das will etwas heißen in Japan), braucht es schon 13 hochqualifizierte Assassinen, die zu allem entschlossen sind. Angetrieben von der Kunde über bestialisch entstellte Folteropfer, bereiten sie sich auf das Himmelfahrtskommando vor. “Total Massacre!” sind die einzigen Worte, die eine an allen Gliedmaßen, selbst der Zunge amputierte und dem Tode überlassene Sexsklavin des Wüterichs den Samurai als Nachricht aufschreibt. Und diese Forderung wird Programm bei Nippons Kinochamäleon Takashi Miike, der von AUDITION bis hin zu SUKIYAKI WESTERN DJANGO immer wieder überrascht und sich auch mit diesem sorgfältigen Tribut an den großen Meister Akira Kurosawa stilistisch neu erfindet. Gore-Hounds dürften mit der Bodycount-Strichliste kaum nachkommen, wenn das ästhetisch erstklassig old school inszenierte Chambara-Kino die Erde blutrot färbt. Natürlich ahnt der teuflische Shogun längst, dass er gemeuchelt werden soll und umgibt sich mit einer Zweihundertschaft blindwütig bewaffneten Büttels. Für eine solch drohende Gefahr gibt es denn auch besondere Fallen, die in der ersten Hälfte des Films errichtet und in der sagenhaften Schlachtplatte der zweiten Stunde mit kühner Kriegskunst und ausgeprägtem Sinn für Humor zuschnappen. Ein drastisches Actionfest, das wehmütig alte Männerfilm-Tugenden beschwört.

Tja, es ist nicht unbedingt einfach, zwei Wochen nach der Katastrophe von Japan ein Filmfestival mit einem Kriegsfilm aus Japan zu beginnen.

Takashi Miike ist der vermutlich fleißigste und weltweit bekannteste japanische Filmemacher. Er hatte zwischenzeitlich angeblich einen Ausstoß von bis zu 20 Filmen im Jahr. Selbst, wenn wir seine Filmographie hier überblicken, entdecken wir Jahre mit acht Filmen, was eine durchschnittliche Produktionsdauer von sechs Wochen bedeutet. Miike dreht alles vom Wirtschaftskrimi bis zum Jugendbandenthriller, wildem Fantasyfilm und dem komplexen Kunst-Splatter-Film ICHI – DER KILLER. Lesen wir diese Einleitung aus dem Programmheft, müssen wir mit einem zweistündigen Nonstop-Blutbad rechnen, was es bei Miike teilweise schon gab. Und so gesehen ist die Einleitung aus dem Filmprogramm ist freundlich formuliert Etikettenschwindel. Es dauert bestimmt eine ¾ Stunde, die wir einem eher dicht inszenierten Diplomatie-Kammerspiel aus dem alten feudalen Japan folgen. Zwar sehen wir die Im Programmheft beschriebene verstümmelte Frau mit den Arm- und Beinstümpfen (wahrscheinlich ein Digitaltrick), deren Wunden verheilt sind und die nur noch beim Pinselschreiben aus der verstümmelten Zunge blutet, sowie eine Familie, die vom grausamen Fürsten als menschliche Zielscheiben für Pfeil und Bogen missbraucht werden. Das sorgt aber insgesamt bei Einigen der blutgeilen Festivalbesucher eher für Enttäuschung. Wer Miike sehen wird und diesen Text liest, erwartet Massaker. Beim sehr langen finalen Kampf zwischen den 13 Attentätern – vom Alt-Samurai bis zum Jugendlichen und dem Vagabunden, der sehr geschickt mit Steinschleudern umgeht, ist alles vertreten – mit der ca. 200 Mann starken Leibgarde des Fürsten wird in der Tat sehr viel gehackt, geschnitten, geschossen, geschlagen, abgefackelt – kurz getötet und gestorben. Doch wer im japanischen Schlachtengemälde durchaus übliche Blutfontainen erwartet, wird auch hier enttäuscht. Die Kämpfe sind vergleichsweise zurückhaltend inszeniert, anstatt spritzendem Blut und fliegenden Körperteilen sehen wir Kämpfer, die auf blutgetränktem Boden theatralisch verenden. Ja, das klingt alles so, als ob ich unheimlich pervers und sadistisch bin. Stimmt nicht unbedingt. Ein gepflegtes Massaker kann im einen oder anderen Film nicht schaden, da bin ich manchmal gerne dabei, aber ein solcher Stoff ist mir zu ernst, um mich an so etwas aufzugeilen. Es gibt aber Festivalgänger, die es auf so etwas absehen, und die sollen wissen, was sie erwartet, wenn sie den Film bei Gelegenheit als DVD kaufen wollen.

Eine sehr unschöne Szenenabfolge gibt es. Die 13 Attentäter dezimieren ihre Gegner, indem sie eine Horde brennender Bullen auf sie los lassen. Hier wurden sicher keine echten Bullen lebendig angezündet, es ist ganz offensichtlich ein Digitaltrick; so etwas leistet sich mittlerweile fast kein Filmemacher mehr und es handelt ja auch um eine japanisch-britische Co-Produktion. Sicher soll es eine realistische Darstellung altertümlicher Gefechtstaktik handeln. Ich hasse es trotzdem, schaue weg, während die brennenden Bullen vorbei laufen und gebe dem Film entsprechenden Punktabzug.

Bildgestaltung, Ausstattung und Kostüme sind vom Feinsten, für die Dramaturgie der Geschichte fehlt wahrscheinlich nötiges Hintergrundwissen. Insgesamt ist der Film etwas zu lange und die Gefechte sind etwas chaotisch inszeniert.

Entgegen der Ankündigung im Filmprogramm handelt es sich offensichtlich nicht um eine 35mm-Version sondern um eine Digitalprojektion. Wenn eine Filmrolle beim Transport verschwindet, habe ich für so etwas im Einzelfall Verständnis, wenn es entsprechend angekündigt und kommuniziert wird, aber hier wird nicht einmal darauf aufmerksam gemacht. Unser Geld haben sie ja, der Rest ist egal.

Note = 3-

16:30 Uhr, Kino 8

THE HOLE – 3D

USA, englische OF

Der siebzehnjährige Dane und sein zehn Jahre alter Bruder Lucas ziehen mit ihrer Mutter von New York in eine verschlafene Kleinstadt. Was sie nicht ahnen: Ihr neues Zuhause birgt ein düsteres Geheimnis, dem die jugendliche Neugierde natürlich nicht widerstehen kann. Gemeinsam mit ihrer neuen Nachbarin, der hübschen Julie, entdecken sie eine gut verschlossene Falltür im Keller. Diese zu öffnen, entpuppt sich als großer Fehler, denn fortan werden die drei von ihren schlimmsten Ängsten heimgesucht. Mühelos gelingt es Suspense-Master Joe Dante, starke Gegensätze aufeinander prallen und zu Gemeinsamkeiten verschmelzen zu lassen: Licht trifft auf Dunkelheit, menschliche Urängste auf kindliche Unschuld, Altbewährtes sorgt für wunderbar erfrischende Gänsehaut. So zeigt sich THE HOLE 3D in seinen unheimlichsten Momenten effektiver als die Summe des Hollywood‘schen Gruselkinos der letzten Jahre. Aber gleichzeitig ist es auch ein Horrorfilm für das Kind in uns, der unweigerlich Erinnerungen an alte Tage hervorruft, als wir den ersten Schocker unseres Lebens mit wackligen Knien und klopfendem Herzen aus sicherem Abstand hinter der Couch und den älteren Geschwistern bestaunt haben. Vielleicht war das sogar ein Joe Dante-Film. Wen würden wir also sonst lieber mit unseren schaurigsten Alpträumen spielen lassen, wenn nicht ihn?

Das Loch scheint keinen Boden zu haben. Dinge, die hinein geworfen werden, verschwinden, ohne unten aufzuschlagen, Seile werden abgeschnitten. Ein tot aussehendes Mädchen und eine Horror-Harlekinpuppe wohnen dort. Hui.

Joe Dante, der Regisseur des Ur-Piranha, leistet wirklich ganze Arbeit. Auf ganz altmodische Art – in positivem Sinn – baut der die Spannung auf und kreiert richtig gute Gruselstimmung. Dabei gelingt es ihm, die moderne 3D-Optik ohne vordergründige Effekte einzubauen und zur Unterstützung für die Atmosphäre zu nutzen. Später ist der Fantasiekeller unter dem Loch mit wunderbaren expressionistischen Kulissen ausgestattet, allerdings geht das Finale tricktechnisch etwas zu weit.

Note = 2

Der Zeitplan ist sehr knapp. Normalerweise ist beim Fantasyfilmfest so, dass mit geringen bis mittelprächtigen Verspätungen zu rechnen ist. Daher entschließe ich mich, auf die Schnelle, einen kleinen Salat und eine Pizza zu verdrücken. Trotz aller Eile bin ich spät dran und stehe in einem komplett leeren Kino 8. Niemand hielt es am Einlass für nötig, mich darauf aufmerksam zu machen, dass dieser Film jetzt in Kino 1 (ca. 250 Plätze) laufen wird. Eine viertel Stunde komme ich zu spät.

18:30, Kino 1

KIDNAPPED

Spanien, spanische OmeU

Es sollte ein perfekter Abend werden: Jaime und Marta, seit vielen Jahren glücklich verheiratet und nur ein wenig geplagt von der rebellischen Trotzköpfigkeit ihrer pubertierenden Tochter, feiern gerade den Einzug ins neue luxuriöse Heim, als ihre heile Welt zusammen mit dem Schlafzimmerfenster jäh in einem Scherbenregen explodiert. Eine brutale Bande dringt in die Villa ein und nimmt sie als Geiseln. Für die verängstigte Familie beginnt eine Nacht unfassbaren Terrors… Es ist schier atemberaubend, mit welch chirurgischer Präzision Regisseur Miguel Ángel Vivas die Atmosphäre in den zwölf Sequenzen seines zweiten Spielfilms zu einem nervenzerfetzenden Höllenszenario verdichtet. KIDNAPPED orientiert sich dabei weniger an den modisch-morbiden Terrorhits aus Hollywood, sondern schuldet seine unerbittlich klinische Bildsprache dem Entsetzen, mit dem uns einst europäische Filmemacher wie Michael Haneke oder Gaspar Noé konfrontierten. Wie schon im modernen Home-Invasion-Klassiker FUNNY GAMES bricht auch in KIDNAPPED die hässliche Fratze der Gewalt ohne Vorwarnung durch den nur scheinbar sicheren Mikrokosmos einer bürgerlichen Existenz und reduziert deren geordnete Struktur auf ein barbarisches Chaos aus Blut, Gewalt und Tod. Vivas sucht die Nähe zu seinen Darstellern, bleibt im Notfall mittels Split Screen dicht am Geschehen und serviert seinem Publikum einen bitterbösen Brocken, dessen letzte Bissen dem einen oder anderen noch lang im Hals stecken bleiben.

Mir bleiben nur zwei Minuten Zeit um die Familie kennen zu lernen, da fallen auch schon die maskierten Einbrecher ein, nehmen Telefone und Kreditkarten an sich und bedrohen und misshandeln die Familienmitglieder. Der inflationäre Einsatz der Handkamera, mit der auch ausgiebig gewackelt und geschaukelt wird, nervt sehr. Die Einbrecher sind schlecht vorbereitet und verlieren schnell die Nerven. Diese Handlungselemente scheinen sich auf die Dreharbeiten übertragen zu haben, die Entwicklung der Handlung und die Dramaturgie wirken nachlässig. Wirklich brilliant ist eine Szenenabfolge: Der Vater baute eben auf dem Weg zwischen zwei Banken absichtlich einen Autounfall, um seinen Beifahrer auszuschalten; die Tochter entledigte sich eben eines Peinigers. Beide Szenen sind in jeweils einer Einstellung zu sehen und zwar in Split-screen – das Bild ist geteilt und zeigt nebeneinander beide Szenem. Als der Vater in die Wohnung kommt und auf die Tochter trifft, vereinigen sich beide parallelen Handlungen zu einem Bild und der Vater nimmt die Tochter in den Arm. Das ist dann der Höhepunkt dieses Films. Die Spanier haben es wirklich drauf, wenn es um Horrorfilme und Thriller geht. Da sind wir Besseres gewohnt. Das hier war leider eher eine Enttäuschung.

Note = 4

Vorsichtshalber frage ich, in welches Kino ich mich begeben muss. Weder die Frau von der Festivalleitung noch die Kinoangestellten wissen es. Erst der vierte Kinoangestellte, der dazu kommt, sagt Kino 8 an. Es ist schlampig organisiert.

20:30 Uhr, Kino 8

THE TROLL HUNTER

Norwegen, norwegische OmeU

Monströs unterhaltsame Mockumentary, die uns die Wahrheit über die nordische Mythologie verkündet: Trolle gibt es nicht nur in Tolkiens Fantasiewelt Mittelerde. Es handelt sich bei den grummeligen Gesellen vielmehr um nachtaktive, strunzdumme Raubtiere, die in den Wäldern Skandinaviens randalieren. Natürlich ist das top secret. Die Regierungen halten die Existenz der aggressiven Wesen mit allen Mitteln geheim und tischen den Einheimischen dreiste Lügen auf. Bis drei findige Studenten eines Tages auf die Story ihres Lebens und den einzigen Trolljäger Norwegens stoßen: Hans. Aber der Staat zahlt schlecht für die gesundheitsgefährdende Kärrnerarbeit. Deshalb ist er jetzt bereit, auszupacken und zeigt dem ungläubig staunenden Trio, wo die Wilden Kerle wohnen. Für Thomas, Kalle und Johanna, die trotz infizierten Trollbissen zunächst daran festhalten, der schräge Typ habe nicht mehr alle Tassen im Schrank, eröffnet sich bald eine Parallelwelt, wo baumhohe Untiere per UV-Flashs versteinert, mit blökenden Schafen geködert oder schlicht gesprengt werden. Gegen diese gigantisch unterhaltsame Verschwörungs-Satire hilft keine Tetanus-Spritze: Thrill und Pointen liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen in dem genuinen Kleinod, das wie aus dem Nichts der verwunschenen Fjordlandschaft aufgetaucht ist. Ein halsbrecherisches Praxis-Semester in Trollkunde, einfallsreich wie kein Found-Footage-Fun zuvor. Ein sehr lustiger und unterhaltsamer Film. Leider bin ich übermüdet und verschlafe längere Passagen. Aber das muss ich mir noch mal anschauen.

Note = 2 (unter Vorbehalt)

22:30 Uhr, Kino 1

I SPIT ON YOUR GRAVE

USA, englische OF

Die junge Schriftstellerin Jennifer Hills zieht sich für die Arbeit an ihrem neuen Roman in ein Ferienhaus am See zurück, irgendwo in den fast menschenleeren Wäldern Louisianas. Das Idyll bekommt jedoch schon bald hässliche Risse, als sie an der Tankstelle einer zwielichtigen Gruppe Einheimischer begegnet, die immer zudringlicher werden. Eines Nachts liegt ein toter Vogel vor Jennifers Tür und damit eskalieren die Ereignisse: Die junge Frau wird mehrmals mit unvorstellbarer Brutalität vergewaltigt. Als sich die Verzweifelte nach der Tat von einer Brücke ins Wasser stürzt, geben die Peiniger, im Glauben sie sei tot, die Suche nach ihrem zerschundenen Körper bald auf und kehren zum Alltag zurück. Doch Jennifer Hills lebt – und ihre Rache wird bestialisch sein! 32 Jahre nach Meir Zarchis infamem Rape&Revenge-Klassiker I SPIT ON YOUR GRAVE aka DAY OF THE WOMAN erzählt Steven R. Monroe die jedem Horrorfan bekannte Geschichte von Jennifer Hills erneut. Im Original von Camille Keaton noch mit verzweifelter Zerbrechlichkeit verkörpert, schlüpft im Remake nun Hollywood-Hardbody Sarah Butler als selbstbestimmtes tough girl in die Rolle der rächenden Furie, aber am bewährten Rezept ändert das nichts: I SPIT ON YOUR GRAVE zelebriert Grindhouse-Kino vom Feinsten und rührt im Finale ein derart brachiales Blutbad an, dass zartbesaiteten Seelen schon vorsorglich der rechtzeitige Abgang empfohlen sei.

Neuverfilmung Nr. 1. Es gab in den 70er und 80er Jahren eine Reihe von besonderen jungen Filmemachern. Sie hatten kaum Geld, wenig Erfahrung, ein paar Ideen (manchmal nur eine Idee pro Film) und drehten einfach drauf los. Die Sorglosigkeit und Unverkrampftheit, mit der sie an die Arbeit gingen, hatte dann oft Horror- Terror- und Thrillerfilme zur Folge, die ihr Publikum unerwartet, überfallartig und aus dem Hinterhalt trafen. Von hinten durch die Brust ins Auge – wie es so schön heißt. Diese alten Klassiker werden nun der Reihe nach neu verfilmt, weil Hollywood nichts mehr einfällt. Das Ergebnis ist häufig ein an moderne Sehgewohnheiten angepasster vorhersehbarer Abklatsch, in dem nichts von der ursprünglichen Atmosphäre übrigbleibt. Die einzige mir bekannte Ausnahme ist die Neuverfilmung von THE HILLS HAVE EYES Neuverfilmung Nr. 1. Es gab in den 70er und 80er Jahren eine Reihe von besonderen jungen Filmemachern. Sie hatten kaum Geld, wenig Erfahrung, ein paar Ideen (manchmal nur eine Idee pro Film) und drehten einfach drauf los. Die Sorglosigkeit und Unverkrampftheit, mit der sie an die Arbeit gingen, hatte dann oft Horror- Terror- und Thrillerfilme zur Folge, die ihr Publikum unerwartet, überfallartig und aus dem Hinterhalt trafen. Von hinten durch die Brust ins Auge – wie es so schön heißt. Diese alten Klassiker werden nun der Reihe nach neu verfilmt, weil Hollywood nichts mehr einfällt. Das Ergebnis ist häufig ein an moderne Sehgewohnheiten angepasster vorhersehbarer Abklatsch, in dem nichts von der ursprünglichen Atmosphäre übrigbleibt. Die einzige mir bekannte Ausnahme ist die Neuverfilmung, in dem kanibalische Mutanten, die in einem ehemaligen Nuklearwaffentestgebiet hausen, Jagd auf Durchreisende machen (in der Synchronfassung des Originals wurden aus den Nuklearmutanten während der ersten Welle von Anti-Kernkraft-Aktionen wunderlicherweise Außerirdische, ja wirklich).Einer der Filme aus den späten 70ern war ICH SPUCK AUF DEIN GRAB. Eine junge Frau auf Urlaub wird von vier Männern mehrfach brutal vergewaltigt, taucht danach kurz unter und nimmt Rache an allen.

Die Handlung der Neuverfilmung ist im wesentliche identisch mit dem Original. Neu im Programm sind der Laptop, das Mobiltelefon, das sie ins Klo fallen lässt, die Videokamera, mit welcher die Misshandlungen aufgenommen werden, und – wirkliche Innovation – der Sherrif, der zunächst Rettung bedeutet und das Opfer dann den Vergewaltigern ausliefert und selbst mitmacht. Die Personenkonstellationen und Charakterisierungen sind – mit Ausnahme des Sherrifs – sehr plump und ungeschickt. Eine leichte Verbesserung im Handlungsverlauf ist, dass sich die junge Frau nach der Vergewaltigungsserie versteckt und ihre Peinger aus dem Hinterhalt heraus mit Psychoterror und einem Videoband mit den Vergewaltigungen geschickt ausspielt. Dass die junge Frau sich im Original an den grausamsten der Vergewaltiger heranmacht, um ihn in der Badewanne zu verführen, war doch eher unglaubwürdig. Die Rache an den Gewalttätern ist dann wiklich spektakulär, mit Säurebad, Bärenfalle, Angelhaken am Auge und Flinte im Rektum. In der deutschen DVD wird davon wahrscheinlich kaum etwas übrig bleiben. Wirklich überflüssig in beiden Filmen ist der geistig behinderte junge Mann, der Essen liefert und der zur Vergewaltigung angestiftet wird.

Note = 3

Samstag, 26. März. Sämtliche Vorstellungen finden auf Nachfrage in Kino 1 statt.

14:00 Uhr

ESSENTIAL KILLING

Polen, Norwegen, Irland, Ungarn, Originalfassung (englisch, arabisch, norwegisch, polnisch, teilweise mit englischen Untertiteln)

Ein arabischer Soldat wird bei einem Anschlag in der Wüste von der US-Armee gefangen genommen. Trotz Folter ist dem Mann kein einziges Wort zu entlocken und er wird kurze Zeit später nach Europa deportiert. Als ihm bei einem Unfall überraschend die Flucht in die nahe gelegenen, tief verschneiten Wälder gelingt, setzen sich die Verfolger dicht an seine Fersen und eine gnadenlose Hetzjagd beginnt. Der Titel ist Konzept: Der vielfach ausgezeichnete polnische Regisseur und Autor Jerzy Skolimowski, der seine filmische Karriere einst mit dem Drehbuch zu Polanskis MESSER IM WASSER begann, seziert das mörderische Wettrennen als archaisches Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bildgewaltig geht es um die pure Essenz des Tötens und den vielleicht verzweifelten und ausweglosen, aber stets unbeirrten Überlebenswillen des Protagonisten, der, ohne in dem Film ein einziges Wort zu sprechen, sich durch und durch menschlich zeigt. Skolimowski gelingt ein psychologisches Meisterstück und mit Vincent Gallo hat er einen Schauspieler gefunden, der das Leid dieses einsamen Helden mit Lauten, Mimik und Gestik virtuos verkörpert. Es ist vielleicht Gallos bisher beste Rolle. Quentin Tarantino war als Jury-Vorsitzender in Venedig von dem ungewöhnlichen Film jedenfalls so begeistert, dass er ihn entgegen der Regeln mit gleich zwei Hauptpreisen (Spezialpreis der Jury und Preis für den Besten Hauptdarsteller) ehrte.

Gesprochen wird in diesem beklemmenden Film kaum. Wir werden Zeuge, wie der Mann durch das verschneite Nordosteuropa flüchtet, sich von Ameisen, Baumrinde und einem geklauten Fisch ernährt, auf der Flucht mehrere Soldaten, einen Waldarbeiter und einen Hund zu töten gezwungen ist, immer schwächer wird und schließlich an seinen Verwundungen verreckt. Woran der Mann in seinen besseren Zeiten kämpfte und glaubte und ob es aus unserer Sicht richtig oder falsch ist, wird nicht beleuchtet; es ist hier uninteressant. Stark.

Note = 2

16:00 Uhr

BURKE & HARE

Großbritannien, englische OF

“Bei der nun folgenden Geschichte handelt es sich um eine wahre Begebenheit. – Abgesehen von den Teilen, die erfunden sind.” Wenn ein Film mit einer solchen Prämisse beginnt, lässt sich schon erahnen, was für ein herrliches Spektakel Comedy-Altmeister John Landis mit seinem neuen Streifen präsentiert. Nach zwölf Jahren Regiestuhl-Abstinenz nimmt er sich liebevoll der Geschichte des berühmten Serienmörderduos William Burke und William Hare an, das im Edinburgh des 19. Jahrhunderts – so lautet die Legende – seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Leichen an das Anatomie-Institut des Edinburgh Medical College verdiente. Als jedoch die illegale Produktbeschaffung nach Besuch des örtlichen Friedhofs eher unbefriedigend ausfällt, entscheiden sich die beiden, vorwiegend auf “frische” Ressourcen zurückzugreifen. Und nur ein John Landis kann es wohl schaffen, die nun folgenden Morde in pechschwarzen, schottischen Slapstick zu packen, der mit anatomischen Studien des menschlichen Innenlebens mindestens so wenig geizt wie mit derbem Sprachwitz. Dazu schart sich von Simon Pegg, Andy Serkis, Isla Fisher, Tom Wilkinson, Tim Curry, bis hin zu Christopher Lee und Ray Harryhausen die wohl wahnwitzigste Schauspieltruppe des Vereinigten Königreiches zusammen. Mit so viel Herzblut habt ihr seit euren Lieblingskomödien aus den 90ern nicht mehr gelacht!

Hier waren wirklich Könner am Werk. Bild, Ausstattung, Kostüme sind erstklassig. Die Geschichte ist mit Temperament, Tempo und einem sehr makaberen Humor entwickelt. Und den Darstellerinnen und Darsteller sieht man bis in die kleinsten Rollen an, dass ihnen die Arbeit an diesem Film Spaß gemacht zu haben scheint – so etwas macht viel aus.

Zu den Schauspielern – nur falls die jemand nicht anhand der Namen kennt: Simon Pegg ist einer der bekanntesten Film- und Fernsehkomikern von Großbritannien, hierzulande ist er aus SHAWN OF THE DEAD bekannt. Andy Serkis ist wahrscheinlich der berühmteste menschliche Spezialeffekt. In Peter Jacksons RING-Trilogie und KING-KONG-Neuverfilmung steckte er in einem Ganzkörperanzug voller Sensoren, mit denen die digitalen Charaktere Gollum und King Kong erzeugt wurden. Tim Curry war der Doktor Frank N´Furter in der ROCKY HORROR PICTURE SHOW und Christopher Lee muss wohl niemand vorstellen.

Der Inhaltsangabe habe ich prinzipiell nichts hinzuzufügen. Die Stimmung im Kino ist extrem gut.

Note = 1

18:00 Uhr

MOTHER’S DAY

USA, englische OF

Beth und Daniel sind die Verkörperung des amerikanischen Mittelstands: jung, erfolgreich und auf der Suche nach den eigenen vier Wänden. Kein Wunder, dass sie begeistert den Vertrag für das hübsche Haus am Ende der Straße unterzeichnen. Leider vergisst die Ex-Bewohnerin des Anwesens, ihre drei missratenen Söhne vom Mieterwechsel zu unterrichten – wes-wegen selbige prompt nach einem schief gelaufenen Bankraub in die Housewarming-Party platzen. Nachdem die Eindringlinge den anwesenden Gästen auf höchst brutale Weise klargemacht haben, wo hier der Hammer hängt, ist guter Rat teuer: Nur Mutter kann’s jetzt noch richten. Als das herbei-telefonierte Familienoberhaupt eintrifft, verwandelt sich die bedrohliche Szenerie in ein Blutbad. Darren Lynn Bousman, durch seine Folter-Blockbuster aus der SAW-Reihe unter Splatterheads wohlbekannt, durfte sich mit MOTHER’S DAY an einem Remake des berüchtigten Troma-Nasties versuchen und baut den derben Redneck-Slasher zu einem postmodernen und ultrazynischen Hochglanz-Terrorthriller aus, dessen prototypische Fixierung auf die Zerstörung des Körpers als dramaturgisches Mittel exemplarisch für die neue Welle des Genrekinos ist. Unterstützt wird er von einer großartigen Rebecca De Mornay, die ihre Rolle als Mutter mit beängstigender Präzision hinter einer Fassade kühler Eleganz reifen lässt, bis sich der Irrsinn schließlich Bahn bricht.

Neuverfilmung Nummer 2. Das Original von MUTTERTAG von 1980 habe ich so in Erinnerung, dass zwei junge Rucksacktouristinnen durch das Revier einer Hinterwäldlerfamilie kommt, von den degenerierten Söhnen – wie andere Durchreisende und Tramper auch – gefangen genommen und bestialisch gequält werden, wobei die Mutter der beiden eine besondere treibende Kraft ist. Den Mädels gelingt die Flucht und sie rächen sich angemessen.

Hier ist es nun so, dass die Mutter mit ihren drei (!) Söhnen und einer Tochter nach einem Bankraub in ihr ehemaliges Haus in einer Vorstadtsiedlung eindringen und die Familie, die inzwischen dort lebt, und deren Partygäste im Keller gefangen hält. Einer der Söhne ist angeschossen, einer der Partygäste ist Arzt oder Krankenpfleger oder Medizinstudent (unwichtig) und so kommt zusammen, was zusammengehört. Die Mutter sucht Geld, das früher im Haus deponiert wurde, und hat die Aktionen ihrer mehr oder weniger planlosen Kinder zu koordinieren. Wer nicht spurt oder einen Fluchtversuch unternimmt, hat mit empfindlichen Strafen und Folterungen zu rechnen.

Rebecca de Mornay
war immerhin mal Lebensgefährtin von Tom Cruise und hat eine Schauspielkarriere nicht gerade in der ersten Reihe. Die Ober-Psychopathen-Matriarchin scheint nicht unbedingt eine Traumrolle von ihr zu sein.

Insgesamt ist das doch etwas arg chaotisch und ohne klare Linie.

Note = 3-

20:00 Uhr

I SAW THE DEVIL

Südkorea, koreanische OmeU

Nach der brutalen Ermordung seiner jungen Verlobten Joo-yeon, kennt der vor Trauer halb wahnsinnige Soo-hyun nur noch ein Ziel: Rache. Als aufstrebender Polizeiagent und mit der Rückendeckung von Joo-yeons Vater, der im Polizeidienst ebenfalls einen hochrangigen Posten bekleidet, gelingt es ihm mühelos, die Spur des Killers zu finden. Doch anstatt ihn zu schnappen und der Justiz zu übergeben, schlägt er ihn zu Brei – und lässt ihn anschließend einfach laufen. Um ihn bald erneut in flagranti zu stellen, ihn weiter zu massakrieren und wieder fliehen zu lassen. Während Soo-hyan zu ahnen beginnt, dass Rache alles andere als süß ist und sich mit diesem absurden Katz- und Mausspiel immer tiefer ins moralische Dilemma verstrickt, kommt ein noch viel größeres Problem auf ihn zu – er hat die Stärke seines Gegners unterschätzt… Dieser Film ist ein ab-solutes Brett. Das bizarre Ringen um die eigenen Interessen der Kontrahenten, verstört von der ersten bis zur letzten Minute und lässt die Grenze zwischen Gut und Böse empfindlich verwischen. Sämtliche Darsteller sind top gecastet und spielen exzellent, aber OLDBOY-Star Min-sik Chois Performance als Killer ist wirklich Furcht einflößend. Ji-woon Kim gelingt es mit I SAW THE DEVIL, das koreanische Rachekino auf ein neues Level zu heben. Und findet bei allem Entsetzen, all den schockierenden Bildern und unermüdlichen Wendungen der Story sogar noch Raum für humorvolle Momente. Der reine Wahnsinn.

Der Film erscheint in Kürze auf DVD und ich kann jedem Thriller-Fan die absolute Empfehlung geben.

Als Mitte der 90er Jahre die ersten Fantasy-Filme aus Südkorea auf Genrefestivals auftauchte, war noch viel Skepsis im Publikum. Was, Korea? Autos und Unterhaltungselektronik – OK, aber Filme? In den kommenden Jahren entwickelte sich Südkorea zum Land mit der am schnellsten und kräftigsten wachsenden Filmwirtschaft der Welt. Die Arbeitsweise ist sehr professionell, die Filme sind erzählerisch und technisch meistens auf sehr hohem Niveau. Sie haben gute Ideen und starke Darsteller/innen. Fand in der Filmwirtschaft der ehemaligen britischen Kronkolonie Hong Kong aufgrund der politischen Veränderungen ein Exodus meistens in Richtung Hollywood statt, wurden die Lücken in den filmischen Bereichen Thriller, Action und Horror in anderen asiatischen Ländern wie Thailand und besonders Südkorea geschlossen. Der Ideenreichtum des koreanischen Genrekinos wird inzwischen natürlich auch von Hollywood ausgebeutet und wieder verwertet.

Dieser Thriller geht dauert fast 2 ½ Stunden und ist jede Sekunde spannend, optisch und erzählerisch absolut gelungen und schauspielerisch brilliant.

Note = 1

22:45 Uhr

WAKE WOOD

Großbritannien, englische OF

Die legendären Hammer Studios melden sich mit dem irisch-britischen Wiedergänger-Horror WAKE WOOD zurück. Jene Produzenten, die mit OUTCAST gerade London verfinsterten, kramen wieder tief in ihrer Okkultismus-Kiste. Sie zaubern ein heidnisches Ritual hervor, mit dem die Bewohner des ländlichen Örtchens Wakewood alle vor Jahresfrist Verstorbenen für drei Tage zurückholen können, um sich von ihnen endgültig zu verabschieden. Bald ist davon auch ein junges Pärchen, Tierarzt Patrick und seine Frau Louise, überzeugt und überglücklich als ihnen der Zeremonienmeister (HARRY-POTTER-Wurmschwanz Timothy Spall als wahrer WICKER MAN) ihre bei einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommene Tochter Alice übergibt. Doch der familiäre Frieden ist freilich nur von kurzer Dauer, wir sind ja schließlich nicht bei Disney! Denn mit Alice – herzergreifend gespielt von der Entdeckung Ella Connolly – stimmt etwas nicht (abgesehen davon, dass sie aus dem Jenseits kommt). Trauer, Abschied, Schmerz – das alles vermengt sich mit krudem Slasher-Blutzoll und geht als atmosphärisches Grauen gut unter die Haut.

Die zeitliche Planung ist mal wieder sehr ungünstig. Wollte ich sowohl bei der MUTTERTAGs-Neuauflage als auch beim Koreaner auf gar keinen Fall zu spät kommen, hielt ich mich einer Brezel am Leben und ging vor dem letzten Film auf die Schnelle einen Happen in der benachbarten Nudelbar essen. Es ging schnell, aber sie hielten es konsequent durch, die Vorstellungen pünktlich bzw. mit kurzen Verzögerungen zu beginnen. Ich komme wenige Minuten zu spät.

Tja, die legendären britischen Hammer-Studios… Ab den 50er Jahren unterhielten sie uns mit zahlreichen Gruselklassikern, zwischen Frankenstein, Vampiren aller Geschlechter, Mumien, sonstigen Monstern und gelegentliche auch Abenteuerfilmen und Robin Hood. In den 70er Jahren war aus finanziellen Gründen Schluss, da der Erfolg dieser Genrefilme ausblieb. Vor ein paar Jahren wurden die Hammer-Studios wieder exhumiert.

Tja, es tut mir leid. Jede filmische Stilrichtung und jedes Filmstudio hat ihre bzw. seine Zeit. Ist dann Schluss, reicht es nach mehreren Jahrzehnten nicht unbedingt, ein Filmstudio mit einem legendären Namen zu schmücken und Gruselfilme zu drehen.

Schade. Die Zutaten stimmen eigentlich alle, aber die Suppe schmeckt nicht. Die Geschichte mit dem verstorbenden Mädchen, das für drei Tage aus dem Reich der Toten zurück geholt wird, ist sehr sehr traurig. Die komplette Stimmung des Films wird dadurch überlagert und ich empfinde diesen Film als totalen Absacker – bzw. das, was ich davon mitbekomme. Zwischenzeitlich schlafe ich ein paar mal kurz ein, bin aber der Meinung, der Handlung noch folgen zu können. Trotzdem gehe ich nach etwa einer Stunde und fahre heim in mein Bett.

Eine Wertung unterlasse ich fairerweise. Aber es war kein gelungener Abschluss dieses Filmwochendes. Wäre ich für den Programmablauf verantwortlich gewesen, hätte ich diesen Depressionsstoff am Mittag eingelegt und als Abschluss BURKE & HARE eingelegt.

Insgesamt ein gutes bis sehr gutes Filmwochenende. Sie werden das gute Gespür hoffentlich bis zum Sommer durchhalten und auf solche Pannen wie im Sommer 2009 verzichten. Besonders für den Eröffnungsabend wäre es dann wünschenswert, nach zwei Jahren nicht wieder einen totalen Fehlgriff zu sehen.

Auch besser informierte Kino- bzw. Festivalmitarbeiter/innen sowie ein etwas günstigerer Zeitablauf wären sehr wünschenswert.

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