Am gestrigen Abend ist die weißrussische Hauptstadt Minsk von einem Anschlag heimgesucht worden. In der hiesigen U-Bahn starben in Folge einer Explosion zwölf Menschen, mehr als hundert weitere wurden verletzt. Wer für die Bombe verantwortlich ist und welchen Hintergrund das Attentat hat, darüber herrscht noch immer Unklarheit.
Die Plattform Global Voices hat nun erste Stimmen zum Unglück zusammentragen. So wird berichtet: “Unmittelbar nach der Attacke wurden mit Hilfe der Hashtags #minsk und #minskblast Beileidsbekundungen an die Familien und Freunde derer gesandt, die bei dem Anschlag getötet oder verletzt wurden.” Die BBC habe darüber hinaus einige Augenzeugen zitiert, die angaben gegen “17.58 Uhr” einen “lauten Knall” gehört zu haben, woraufhin sich die Metrostation Oktyabrskaya mit Rauch gefüllt hätte.
Ob sich die Explosion in einem Zug oder auf dem Bahnsteig erreignet hat, ist bisher nicht bekannt. Die russische Ausgabe der BBC, die auch das erste Video der Explosion veröffentlichte, spricht derzeit von zwei Zügen, die sich zum besagten Zeitpunkt am Ort des Geschehens befunden hätten. Während die Spekulationen noch andauern, ist für die weißrussische Regierung die Sache eindeutig. Sie bezeichnet den Anschlag als “terroristischen Akt”. Ein Korrespondent der Zeitung Gazetta berichtet, dass die Polizisten angewiesen worden seien, keine Journalisten in den Bereich der Metro gelangen zu lassen. Handys und Cameras, mit denen versucht würde zu filmen, würden sofort konfisziert werden. Die Beamten zeigten sich dabei unerbittlich.
Nichtsdestotrotz sind nun die ersten Videos aufgetaucht. YouTube-User abryko zeigt erschütternde Szenen (ACHTUNG!):
User iar107 dokumentiert den Einsatz der Rettungskräfte:
Wie Ria Novostni am Dienstagmorgen mitteilt, wurden 157 Menschen ins Krankenhaus gebracht. 26 unter ihnen sind schwerverletzt. Präsident Lukaschenko will einen Zusammenhang mit dem Anschlag auf ein Open Air Konzert im Sommer 2008 erkannt haben. Einige Blogger stimmen ihm zu. So schreibt etwa Yuri Shevtsov auf seiner Seite:
“Ich habe verstanden, und wir alle haben verstanden, dass wir von einer terroristischen Organisation angegriffen wurden. Die Rede ist hier nicht von einheimischem Terrorismus. Hier geht es um eine Attacke von außerhalb.”
Andere spekulieren unterdessen:
“Wenn es ein terroristischer Akt gewesen ist, und kein absurder Unfall (…) dann waren es meiner bescheidenen Meinung nach Islamisten. (…) Ich sehe keine andere Möglichkeit.”
Es gibt aber auch Stimmen, die sehen den Präsidenten selbst hinter dem Attentat stecken, der auf diese Weise die Opposition schwächen möchte:
“Der KGB hat Weißrussland bombardiert. Es gibt keine andere erkennbare Alternative. In der weißrussischen Oppositionsbewegung hat es niemals Terroristen gegeben. Es gibt nur eine Person, der das nützlich sein könnte – Präsident Lukaschenko. (…).”
Photo: Globovision, via flickr
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