Was ein Kind in den letzten Kriegsjahren des Jahres 1945 in Ostpreußen mit seinen Verwandten erlebt hat, das kann man sich nur schwer vorstellen, wenn man nicht selbst dabei war. Dass es aber auch noch schlimmer werden kann als denkbar, das ist eine Tatsache, die jetzt in einem Buch von Gunter Nitsch nachgelesen, nachempfunden werden kann.
Es ist im Winter 1945 in Ostpreußen, die rote Armee ist nicht mehr fern, da machen sich endlich (vorher war es verboten!) die dortigen Einwohner auf die Reise. Wir kennen das aus dem Film „Die Flucht“, nur es ist jetzt real, was Gunter Nitsch erlebt und beschreibt. Mit den Russen zusammen fliehen die armen Menschen, erst in Richtung Westen und dann nach Norden. Über das Eis des frischen Haffs gelangen die Flüchtlinge gerade noch so eben und dann entscheiden sie sich, doch lieber nicht mit dem Schiff auszureisen, weil das zu gefährlich ist. -
So entsteht eine eigenartige Situation, die nämlich, dass die große Familie des Autors etwa drei Jahre dort im Osten leben muss, das heißt, erst einmal durch ein Inferno des Siegestaumels kommen muss, um dann zu existieren, doch unter welchen Voraussetzungen!
Abenteuer über Abenteuer sind zu bestehen. Die Protagonisten: Der Opa, die Oma, die Mutter, die Tante, das Kind selbst, einfach unglaublich, was sie in diesen Situationen vollbringen. Und die Sieger? Auch die werden beschrieben, als wirkliche Sieger, als kurzfristige furchtbare, dem Alkohol verfallene Menschen und dann wieder als Nachbarn, als hilfreiche eben auch. -
Endlich, nach einer wirklich langen Zeit können die armen Menschen in den Westen gelangen und dort beginnt nun das weitere Abenteuer, die der Autor kurz berichtet und im Nachwort auch zu Ende führt. Dieses Buch ist nach der Lektüre ein erstaunliches Erlebnis für alle, die das alles nicht selbst erlebt haben, für die aber, die mittendrin waren, eine furchtbare Wiedererinnerung, die nur schwer zu ertragen ist.
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