Die französische Künstlerin Yael Naim verschenkt ihren Song “Go To The River” aus ihrem neuen Album “She Was A Boy”, welches am 22. April in Deutschland erscheint.
“Come Home”, die Eröffnung von “She Was A Boy” behauptet diesen eigenen Raum, physisch wie mental. Die Familie wollte sie zurück in Israel sehen. Die Mutter stammt aus Tunesien, in Paris lernte sie den Vater kennen, beides sephardische Juden, mit der Übersiedlung nach Ramat Hacharon in der Nähe von Tel Aviv hatte man endlich eine Heimat gefunden. Man schenkt der Tochter ein Klavier, ermöglicht ihr das Konservatorium. Sie begeistert sich für Debussy, Chopin, Tschaikowsky. Selbst den zweijährigen Wehrdienst durfte sie privilegiert als Musikerin in der Big Band der Airforce verbringen.
“Wenn du heranwächst, entwickelst du dich nicht unbedingt zu dem Wesen, das deine Familie sich wünscht. Dann hast du die Wahl, diese Erwartungen zu erfüllen, oder deinen Weg zu gehen.” “Come Home” ermutigt den Weg zur eigenen Unabhängigkeit.
Allen Songtexten auf “She Was A Boy” ist zu eigen, dass Yael Naim von den eigenen Beobachtungen ausgeht.
Sie ziehe das „Ich“ als Erzählpunkt dem „Wir“ vor, beschreibt sie das selbst, sie zielt nicht auf Botschaften für die Welt. Nur auf „Go To The River“ klingen Ratschläge an, „wenn du dich verwirrt und beschämt fühlst, geh zum Fluss“. Die Natur tritt als klärende Kraft auf, der Fluss als Wegweiser.
Alle Songs sind einfache geradlinige Popsongs, klarer Text, Melodien zum Mitsummen. Von einer Frau, die in Klassik und Jazz zu Hause ist, die mit Wynton Marsalis gespielt hat? „Einen Song komponiere ich in wenigen Stunden, der Text mag etwas länger dauern. Aber für die Arrangements lassen sich David und ich viel Zeit, wir holen uns Musiker in die Wohnung, probieren, lassen den Song monatelang liegen und überarbeiten ihn. Das Arrangement ist wie die Arbeit an einer Skulptur.”
Der Leichtigkeit ihrer Lieder liegt eine sanft verwobene Schwermut inne, das melancholische Saudade von Bossa schimmert durch.
Der Vocal Folkjazz einer Norah Jones klingt an in „Never Change“, noch näher steht ihr vielleicht eine Madeleine Peroux. Und „She Was A Boy“ deutet schon an, dass Yael Naim und David Donatien in Zukunft noch weiter ihre Genregrenzen ausloten, in „Man Of Another Woman“ klingt der Wiegeschritt des Tango an, vor einer indisch-arabischen Melodieführung: „Einer meiner Lieblingssongs, ein merkwürdiger Stilmix, keine Ahnung woher, es ist einfach so passiert.“
Es wäre schwer, sich nicht von der Intimität von „I Try Hard“ verführen zu lassen, mit der Aura der Beatles aus der Ferne, der Musik ihrer Kindheit aus der Plattensammlung ihres Vaters. Selten hat sich das ‚Mühen’ so melancholisch leicht angehört. „I try hard to spread my wings“ singt sie in diesem Lied.
Yael Naim hat ihre Flügel mit „She Was A boy“ weit gespannt. Und nimmt uns mit in die Lüfte. Und in zehn Jahren? Yael Naim lacht, „Ich mache keine Pläne mehr, das habe ich gelernt in den vier Jahren Down & Out. Jedes Mal wenn ich Pläne machte, liefen sie in die entgegen gesetzte Richtung. Und wenn es doch so lief wie beabsichtigt, fand ich heraus, dass ich genau das nicht wollte.“
In Frankreich ist „She Was A Boy“ im November 2010 erschienen und hat bereits Golstatus erreicht.
Hier geht’s zum FREE DOWNLOAD „Go To The River“
Und hier zu ihrem aktuellen Video:
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