Das Wetter macht das Klima

Unsere Einstellung zur globalen Erwärmung ist stark vom Wetter abhängig: An ungewöhnlich warmen Tagen halten sie viele für ein reales Problem, an ungewöhnlich kalten Tagen hingegen nicht. Dieses hat jetzt ein Forscherteam um den Psychologen Ye Li von der Columbia University herausgefunden. In einer Studie wurden rund 1.200 Personen in

Unsere Einstellung zur globalen Erwärmung ist stark vom Wetter abhängig: An ungewöhnlich warmen Tagen halten sie viele für ein reales Problem, an ungewöhnlich kalten Tagen hingegen nicht. Dieses hat jetzt ein Forscherteam um den Psychologen Ye Li von der Columbia University herausgefunden. In einer Studie wurden rund 1.200 Personen in den USA und Australien befragt, um herauszufinden, wovon ihre Zustimmung oder Ablehnung des globalen Klimawandels abhängt.

Li und seine Mitarbeiter bezahlten einem Teil der Befragten acht US-Dollar für die Teilnahme an der Studie und gaben ihnen die Möglichkeit, dieses Geld der Organisation Clean Air-Cool Planet zu spenden. Resultat: An warmen (bzw. eigentlich: von den Probanden als warm empfundenen) Tagen gingen durchschnittlich zwei Dollar in die Kassen der NGO, an kalten indes nur 48 Cent.

Aber nicht nur das Wetter ist bei der Bewertung ausschlaggebend. Ein weiterer, wichtiger Faktor ist die politische Einstellung. Personen, die sich selbst eher links von der Mitte sehen, halten die globale Erwärmung, und vor allem, dass sie von Menschen verursacht ist, für glaubhafter und votieren dafür, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Politisch Konservative neigen eher der Meinung zu, das Problem werde übertrieben dargestellt, möglicherweise sei es sogar eine Erfindung von Öko-Lobbys mit wirtschaftlichen Interessen. Auch das Geschlecht spielt bei der Bewertung eine Rolle. An den vom Menschen beeinflussten Klimawandel glauben den Studien zufolge Frauen häufiger als Männer und Jüngere häufiger als Ältere. So sind es vor allem Männer, die den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel bezweifeln.

In der Studie stellte sich heraus: Das aktuelle Wetter hatte ein sechsmal stärkeren Einfluss auf die Sichtweise der Probanden als das Geschlecht der Probanden und war beinahe so gewichtig wie die politische Grundeinstellung. Der Autor der Studie Li äußerte: “Es ist bemerkenswert, dass die Gesellschaft so viel Geld, Zeit und Aufwand investiert, um die Menschen über diese Sache aufzuklären, die Leute aber immer noch so leicht zu beeinflussen sind”.

“Attribute substitution” nennen Psychologen dieses Phänomen: Wenn ein komplexer Sachverhalt (wie das Klima) nicht durch unmittelbare Erfahrungen erklärt werden kann, neigen viele dazu, sich einen greifbaren, thematisch verwandten Ersatz (wie das aktuelle Wetter) zu suchen. Auch dann, wenn das Substitut nur scheinbar als solches tauglich ist. Das ist etwa so, als ob jemand auf die Frage nach der nationalen Wirtschaftslage das Geld in seinem oder ihrem Geldbeutel nachzählt, ein Faktor, dem nur triviale Bedeutung zukommt.

Aufbauend auf diesen Prinzip werden z.B. von der Klimatologie zunehmend Wetterextreme in den Vordergrund gestellt, um ein Handeln gegen den Klimawandel zu rechtfertigen.

Quellen

Aktuelles Wetter beeinflusst Einstellung zum Klimawandel

Die Überzeugungskraft der Temperatur

US-Wahlen sind schlecht fürs Klima

Local Warming: Daily Temperature Change Influences Belief in Global Warming

Kommentare

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  1. Bei Herrn Krüger scheint das umgekehrt zu funktionieren. Jedesmal, wenn ein Monat ein bisschen kälter ist als der “langjährige Durchschnitt” oder auch nur nicht wärmer, wird er überzeugter davon, dass es den Klimawandel nicht gibt.

    Dieselbe Studie mit Klimaskeptikern, das wäre auch interessant.