Weich aber unfair: Frank Plasberg gedreht

Kaum einmal im Privatfernsehen, wohl aber bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten löcken immer wieder mal engagierte Journalisten gegen den Stachel und mucken gegen die herrschenden Kräfte im Lande auf. Aber nach und nach werden sie alle gedreht. Ulrich Tilgner machte mit seinem Fortzug in die Schweiz publik, dass Journalisten im deutschen

4859299267_c6b1deaf42.jpgKaum einmal im Privatfernsehen, wohl aber bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten löcken immer wieder mal engagierte Journalisten gegen den Stachel und mucken gegen die herrschenden Kräfte im Lande auf. Aber nach und nach werden sie alle gedreht. Ulrich Tilgner machte mit seinem Fortzug in die Schweiz publik, dass Journalisten im deutschen Fernsehen keine eigene Meinung haben dürfen. Die meisten halten den Mund, weil sie sonst kein Bein mehr auf die Erde kriegen.

Wer erinnert sich nicht an den forschen Einstieg von Claus Kleber im Jahre 2003 als neuer Heute-Moderator des ZDF, sehr bald gefolgt von seltsamer Sprachlosigkeit und offenbarer Enttäuschung!

Frank Plasberg war in seine Talkshow ebenso kritisch gegenüber den etablierten Kräften eingestiegen wie weiland Anne Will. Bei ihr dauerte es nur wenige erste Sendungen, bis sie sich fügte und sich seither strikt an ihre Anweisungen hält. Ihre Gewinne bei der Anne Will Media GmbH scheinen das ganze erträglich zu machen.

Plasberg wählte für seine Talkshow das anspruchsvolle Motto „Hart aber fair“ und schien anfänglich tatsächlich wirklich unabhängig und kritisch zu moderieren. Von diesem Impetus ist nach den frühen ersten Sendungen heute nichts mehr zu spüren. Seine jetzige Anbiederung an die Atomlobby in der Sendung vom 20.4.2011 ist der vorläufige negative Höhepunkt dieser Entwicklung. Schon die Wahl des Themas machte die Absicht deutlich, nicht die übermächtigen Stromkonzerne und ihren Missbrauch ihrer Monopolmacht zu geißeln, sondern das dumme deutsche Volk vorzuführen, das nach Meinung der Redaktion und ihrer autokratischen Hintermänner angeblich gar nicht begreift, dass es die Zeche für den schnellen Atomausstieg bezahlen muss.

Neben dem der Stromwirtschft unverbrüchlich verbundenen vormaligen EnBW-Manager Utz Claassen und dem Autor Dirk Maxeiner hatte Plasberg immerhin die Atomkritiker Hubert Eiger (BUND) und die Urgrüne Jutta Dittfurth geladen, zudem den immer noch aufmüpfigen Jean Pütz. Plasberg mühte sich mit der Wiederholung der immer gleichen falschen Vorhaltungen und mit Interverventionen durch die Einspielung billiger tendenziöser Filmchen, dem Publikum bei all seiner Ablehnung der Gewinnung von Strom aus der gefährlichen Kernkraft mit Gewalt einzubläuen, dass doch ein langsamerer Atomausstieg für alle besser wäre. Schließlich müssten die Überlandleitungen wegen des Windstromtransports von Nord nach Süd für viel Geld überholt und ausgebaut werden. Die übereiligen Bürger bekämen dann eben eine satte Rechnung präsentiert.

Ob Druck auf Plasberg ausgeübt worden ist, ist von außen nicht zu sagen.

Aber es ist ja bekannt, dass es um Milliardengewinne aus den abgeschriebenen alten Meilern geht. Jedenfalls agierte Plasberg wie der Sprecher der Konzerne persönlich. Mir kam bei seinem Auftritt immer wieder Angela Merkels Pressesprecher Steffen Seibert in den Sinn, der in seiner neuen Funktion nicht mehr über Moral nachdenken muss, wenn er das Lied seiner Chefin singt.

Ein Glück, dass die Schwergewichte Eiger und Dittfurth ihre Standpunkte klar und überzeugend vortrugen, sodass Plasberg trotz aller Mühe sachlich nicht das Übergewicht in der Argumentation erstreiten konnte. Im Sinne des Erfinders war die Sendung daher letztlich ein einziger Reinfall. Der schwache Maxeiner erging sich in Allgemeinplätzen und der geriebene Claassen hatte dem besser informierten Mann vom BUND und der klugen Jutta Dittfurth nichts entgegen zu setzen.

Schließlich ist es nur eine dreiste Behauptung, dass die Abkehr vom Atomstrom uns alle teuer zu stehen kommen muss.

Eine konsequente Förderung der alternativen Energien steht ja noch aus. Interessant ist die  Information von Eiger,  dass die vier Stromriesen nur für einen erbärmlich kleinen Anteil von 5 % an dem derzeit insgesamt schon beachtlichen alternativen Stromangebot verantwortlich sind. Ganz klar ist, dass die Stromkonzerne und die Politik es in der Hand haben, ob die Umstellung teuer wird oder nicht. Auch die Frage, wie weit dezentrale Lösungen eingeflochten werden, sodass die Überlandnetze nicht so massiv ausgebaut werden müssen, beeinflusst die Kostenfrage. Keine Rede schließlich davon, dass, wie HMA Tornow hier deutlich gemacht hat, die Konzerne jahrzehntelang den Ausbau der Überlandnetze vernachlässigt haben, obwohl sie dafür den Abnehmern mit dem Stromgrundpreis jahrzehntelang Hunderte Milliarden abgeknöpft  haben.

Es ist eine Schande, dass Plasbergs Werbeveranastaltung für die längere Nutzung der Kernenergie auch noch mit den von der GEZ eingezogenen Fernseh- und Rundfunkgebühren bezahlt worden ist.

Plasberg mit seiner gegenüber den Stromriesen unkritischen butterweichen Einstellung, dafür aber gegenüber dem zuschauenden gemeinen Volk „hart aber unfair“, kann ich nur zurufen wie weiland Anne Will, als sie vom Sender gedreht worden war: Aufhören!

Photo: BAMBI 2010, via flickr

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  1. Frank Plasberg sagt selten seine Meinung. Er nutzt die Gelegenheit dazu, die Anderen ihre Meinung offenbaren zu lassen.
    Der Strom wird teurer, gleich aus welchen Gründen. Davon lassen sich die Stromkonzerne nicht abbringen, die verbrauchende Bürger und die bürgerlichen Verbraucher zu bestrafen.