Stets zu cool für diese Welt und immer den schlauen Spruch auf den Lippen.

Im Schnitt hab ich 3 bis 5 mal die Woche dasselbe Gespräch über die Ungerechtigkeit der Branche, schwindende Verkaufszahlen, die Qualität von Band ABC – und dem schlechten Sound von Album X,Y oder Z… Ihr würdet Euch gruseln wie viele Argumente in den Jahren so zusammen kommen, um einer Band

__L1.jpgIm Schnitt hab ich 3 bis 5 mal die Woche dasselbe Gespräch über die Ungerechtigkeit der Branche, schwindende Verkaufszahlen, die Qualität von Band ABC – und dem schlechten Sound von Album X,Y oder Z… Ihr würdet Euch gruseln wie viele Argumente in den Jahren so zusammen kommen, um einer Band vor die Füße zu kotzen: „Löst Euch auf – am Besten in Wohlgefallen.“

Ja, es gibt ihn tatsächlich – den Typ Plattenboss, der Feuerzeuge verteilt, auf denen steht: „Baby, ich kann Dich groß rausbringen!“

Oder den Konzertveranstalter, der Mitte des Sets der zweiten Vorband schon so besoffen ist, dass er vor dem Mischpult schmucklos zusammenbricht. Ich denke mal eines gilt für so ziemlich jeden aus diesem „Business“: wir alle haben Geschichten zu erzählen, die so dermaßen außerhalb von jeglicher Normalität sind, dass es schon fast weh tut.

Alle Geschichten über Kokspartys und Nutten sind wahr.

Wenn ihr ein Buch über die Branche lest, wie „Kill Your Friends“ von John Niven („Bär isst CDs“), Euch da schon vor Lachen und Erstaunen kringelt, können die meisten meiner Kollegen nur müde lächeln. Ich werde Euch in dieser Kolumne mal ein paar der groteskeren Geschichten meines Alltags erzählen. Wer weiß, was es Euch für Eure Zukunft bringt– ein Lächeln sollte drin sein.

Bitte anschnallen – es geht los …

Heute erklärt Daniel, wie man durch geschickte Planung aus einem fetten Gagenversprechen im Nullkommanix fünfstellige Schulden macht …

Mein Freund Timo war Cover-Mucker – das heißt er spielte die Songs von anderen Bands. Er lernte aber nicht nur deren Songs, sondern versuchte dem Original so nah wie möglich zu kommen. Er kaufte die Originalinstrumente, oder ließ sie nachbauen. Er kopierte Klamottenstil und Gestiken seines Vorbildes bis ins Detail – bis hin zur gleichen Unterhosenmarke. Timos Band war “Metallica” und er war Kirk Hammett.

Eigentlich ist Timo ein Sprücheklopfer, der immer alles doppelt so groß machte wie es war.

Doch wenn es mal ans Eingemachte ging, wurden die Gespräche meist sehr tiefgründig. Eines Tages stellte er etwas sehr trauriges fest: “Wenn ich auf der Bühne bin, feiern mich die Leute wie das Original. Ich werde angehimmelt und sie strecken ihre Hände nach mir aus. Aber sobald ich die Gitarre wegstelle und von der Bühne komme, erkennt mich niemand mehr. Es ist, als würde ich vom Scheinwerferlicht in den Schatten treten. Für 90 min. bin ich der Star, doch danach bin ich wieder ein Niemand. Ein Halfstar!”

Ich lernte Timo 1997 kennen. Er war der Booker im “Jugenzentrum Scheune” in Ibbenbühren.

Und ich versuchte ihm am Telefon die Kiss Tribute-Band “Love Gun” meines damaligen Chefs anzudrehen. Wir quatschten zwei oder drei Stunden am Telefon – über Musik, Bands und das Leben als Booker – und stellten schnell fest, dass wir so einiges gemeinsam hatten: “Ich habe übrigens auch eine Tributeband!”, gab Timo an, “wir spielen Metallica und haben einfach den besten James Hetfield überhaupt!” “Das trifft sich gut – ich bin nämlich der größte Metallica Fan überhaupt.”, antwortete ich. “Ja, wenn du Bock hast, kannst du gerne auch mal ein paar Gigs für unsere Band buchen!”, sagte er. “Habt ihr denn ein paar Demos für mich, mit denen ich arbeiten kann?”, fragte ich nach. “Wir arbeiten gerade an dem Demo für “Fade To Black” – schicke ich dir demnächst vorbei.”

Was Timo damals beim Gespräch verschwieg, war die Kleinigkeit, dass er weder eine Metallica Tribute Band hatte – noch einen Sänger.

Er hatte lediglich mit ein paar Freunden mal einen Spaß-Gig in der Scheune gemacht, und der Sänger klang nicht wie James Hetflied von Metallica, sondern wie der Sänger von den Donots. Genauer gesagt, war der Sänger Ingo von den Donots. Aber weder Ingo, noch Bassist Jan-Dirk Poggemann hatten auch nur die geringsten Ambitionen in einer Metallica Tribute Band zu spielen.

Wie’s weitergeht erfahrt ihr hier:

http://www.bonedo.de/feature/recording/musik-biz-kolumne-halfstar/folge-6/musik-biz-kolumne-6-halfstar/index.html

Quelle: www.bonedo.de/local heroes e.V.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*