Das Gericht in New York hat sein Urteil gefällt. Ray Rajaratnam, der Milliardär aus Sri Lanka, ist in allen Anklagepunkten von einem New Yorker Gericht fÜr schuldig des Insiderhandels im großen Stil befunden worden. Damit gibt es jetzt aus dem Bereich der Hedgefondsmanager ein erstes Urteil Über kriminelle Machenschaften, die ein weiteres Schlaglicht auf die Seriösität der US-Finanzmärkte in der zurÜckliegenden Periode der Finanzblase wirft. Das Strafmaß – sollte es rechtskräftig werden – wÜrde Rajatratnam fÜr 19 Jahre – falls eine VerkÜrzung der Haftdauer aufgrund guter FÜhrung nicht irgendwann diese wieder reduziert – fast fÜr den Rest seines Lebens hinter Gitter stecken. Es zeigt sich zumindest, dass die US-Justiz im Gegensatz zu der in Deutschland sehr viel härter gegen Top-Wirtschaftskriminelle durchzugreifen bereit ist als dies in Deutschland der Fall ist. Was passiert in der Regel in Deutschland? Man macht einen Deal.
Aufarbeitung der Finanzkrise steht immer noch aus
Im Unterschied zu den USA findet in Deutschland keine umfassende Aufarbeitung der Rolle der Vorstände von Banken, Versicherungen oder Hedgefonds bei der Finanzkrise statt. Obwohl sich immer mehr die Anzeichen – aufgrund der Ermittlungstätigkeiten in den USA und anderswo – mehren, dass das FÜhrungspersonal unserer Finanzwirtschaft durchaus in vermutlich vergleichbare kriminelle Machenschaften verwickelt war wie das in den USA. Warren Buffett und sein Berkshire-Hathaway-Fonds sind ja jetzt auch ins Gerede gekommen. Goldman Sachs kauft sich schon regelmäßig von Strafverfolgungen frei. Was sind diese Beträge schon im Vergleich zu den Gewinnen und Boni, die aus zweifelhaften Geschäften weiterhin eingestrichen werden können? “Peanuts”, um es mit den Worten des ehemaligen Deutsche Bank Vorstands, Hilmar Kopper zu sagen.
Im Prinzip hat sich trotz der globalen Finanzkrise wenig am Verhalten der internationalen Finanzspekulanten und Hedgefondsmanager geändert. Auch die Deutsche Bank zockt weiter kräftig mit. Wenn’s dann irgendwann wieder schiefgeht, dann mÜssen halt wieder Staat bzw. die Zentralbanken mit Liquiditätsspritzen herhalten. Da ist es doch sehr beruhigend, dass der designierte EZB-Präsident Draghi auch aus dem Stall von Goldman Sachs kommt. Man kennt sich eben. Es gilt immer noch der Grundsatz: Sed quis custodiet ipsos custodes? (Wer kontrolliert die Kontrolleure?).
Mithin sollte man das Urteil von Rajatratnam nicht Überbewerten. Er gehörte offenbar nicht zum Innercircle der Wallstreet-Elite. Er dient aber als SÜndenbock fÜr Verfehlungen der Finanzaristokratie, um das Vertrauen in das Rechts- und Finanzsystem der USA zu stärken. Die anderen machen weiter wie bisher: Same, same, and not different. Das einzige was jetzt in Zukunft die Situation auf den Finanzmärkten noch unÜbersichtlicher machen wird, sind dark pools. Es gibt eben immer neue Finanzmarktinnovationen, die sich einer wirkungsvollen Finanzaufsicht entziehen.
Photo: Thorben Wengert, via pixelio.de
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